Warum Madrid trotz Bevölkerungswachstum nicht kollabiert

Die Metro ist zu jeder Zeit voll, ein Arzttermin dauert ein Jahr, Familien wohnen auf engstem Raum zusammen: Madrid kollabiert nicht, der Druck wird nur woandershin verlagert.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Warum Madrid trotz Bevölkerungswachstum nicht kollabiert
Madrid kollabiert nicht: Wo der eigentliche Druck steckt

Madrid ist nicht zusammengebrochen. Die Metro fährt noch, die Krankenhäuser haben nicht geschlossen, die Büros sind nicht leer. Aber die Region verzeichnet seit Jahren mehr Zuzüge, als ihre Infrastruktur wächst, und die Dienste halten nur knapp durch. Seit Monaten beschäftigt uns dieselbe Frage – und es ist nicht, ob Madrid standhält, sondern wer die Rechnung dafür zahlt, dass es standhält. Der Druck existiert. Er wird nur auf Orte verteilt, die auf den Kollaps-Bildern nicht auftauchen.

Die Metro ist voll, wenn sie früher leer war

Atocha ist zu klein geworden. Nicht zur Stoßzeit: zu jeder Zeit. Die Rolltreppen stecken mit Schlangen fest, die nicht mehr hinterherkommen, und an Sol und den großen Umsteigeknoten sieht es genauso aus. Der Vergleich mit den Neunzigern ist gnadenlos: Wer vor zwanzig Jahren spät abends die Metro nahm, fuhr praktisch allein; heute hält die U-Bahn dieselbe Betriebszeit ein und ist rund um die Uhr gerammelt voll. Daher die immer wiederkehrende Forderung nach einem 24-Stunden-Betrieb, die bislang nicht erfüllt wird.

Ein Detail hilft, die Diskrepanz zu verstehen: In Hortaleza gab es bis 1998 keine Metro, und wer heute einmal im Jahr zurückkommt, verlässt sein Viertel am liebsten gar nicht. Und der Ausbau geht weiter. Neue Stadtviertel wie Los Ahijones entstehen auf Flächen ohne etablierte Verkehrsanbindung – das garantiert, dass die Zufahrtsstraßen überfüllt sind, sobald die ersten Umzugswagen einrollen.

Homeoffice und Privatmedizin als Puffer des Systems

Zwei Zahlen erklären einen Großteil der Illusion. In Madrid arbeiten fast eine Million Menschen in irgendeiner Form im Homeoffice, etwa 500.000 davon mindestens zwei- oder dreimal pro Woche. Das entlastet die Verkehrsspitzen und die Büros. Der andere Puffer ist das Gesundheitssystem: In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Madrilenen mit privater Krankenversicherung um fast 500.000 gestiegen. Das öffentliche Gesundheitssystem Madrids vergibt Termine erst in einem Jahr, für die Person dahinter in anderthalb Jahren. Die Privatmedizin stopft das Loch – solange ihr Preis es hergibt.

Mit diesen beiden Stoßdämpfern kollabiert das System nicht: Es wird umgelenkt. Und die Umlenkung hat ihren Preis. Jede ernsthafte Belastung der Privatmedizin, sei es durch Preise oder eigene Überlastung, schickt Hunderttausende Patienten zurück auf eine Warteliste, die bereits zwölf Monate im Rückstand war.

Der Wohnungsmarkt kollabiert nicht: Er staut sich

Hier bricht die Erzählung auseinander. Der Wohnungsmarkt ist tatsächlich kollabiert – nur sieht der Kollaps nicht wie Menschen auf der Straße aus, sondern wie Zimmer, in denen mehrere Familien wohnen. Das ist der billigste und unsichtbarste Stoßdämpfer: Wenn sieben Personen in eine Wohnung passen, dann auch acht.

Dazu kommt ein unbequemes statistisches Detail. Das Einwohnermeldeamt (padrón) streicht niemanden aus der Registrierung, bis sich diese Person in einer anderen Gemeinde anmeldet – man kann also woanders leben und gilt weiterhin als Einwohner. Das offizielle Bevölkerungsbild und die tatsächlich belegten Betten erzählen zwei verschiedene Geschichten. Eine Analyseströmung vertritt sogar die Ansicht, ein Teil der einheimischen Bevölkerung sei weggezogen und habe die Anmeldung beibehalten, was das Gefühl der Überbevölkerung verwässern würde – wobei niemand belegt hat, wie stark dieser Effekt wiegt.

Wer antwortet: Ayuso, die Zentralregierung und das Schwarze-Peter-Spiel

Die Kompetenzverteilung erlaubt jeder Verwaltung, der anderen die Schuld zuzuschieben, ohne sich anzustrengen. Grenzen, Einwanderung und Flughäfen unterliegen der Zentralregierung; Gesundheit, Bildung und ein Großteil der Stadtplanung der Region Madrid. Das Ergebnis ist ein Schlagabtausch, bei dem Wartelisten und Schulplätze als Wahlkampfwaffe dienen und niemand einen Kapazitätsplan vorlegt. Manche verweisen auch darauf, dass der befürchtete Schul-Kollaps ausgeblieben ist, weil die nachrückenden Kinder die Lücken füllen, die die nicht geborenen Generationen hinterlassen.

Das System hält, weil es verteilt: Wer kann, geht; wer im Homeoffice arbeitet, bleibt zu Hause; wer eine Versicherung zahlt, umgeht die Warteliste; wer nicht, teilt sich die Wohnung. Keines dieser Ventile wurde von irgendjemandem entworfen, und keines hat eine Messuhr. Genau dort stockt die Analyse.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (53 Antworten).

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