Umzug nach Madrid: etwas höhere Gehälter, extrem hohe Preise
Warum wollen so viele Frauen in ihren Zwanzigern unbedingt nach Madrid ziehen, obwohl die Rechnung nicht aufgeht? Ein Beobachter aus dem zentralen Hochland Spaniens (Meseta) bringt es auf den Punkt: In seinem Umfeld träumen fast alle jungen Frauen davon, ihr Studium abzuschließen und sofort in die Hauptstadt zu fliehen. Die Männer hingegen – sofern sie einen Job haben – bleiben lieber im Dorf oder in einer lebhaften Kreisstadt. Ein Gymnasiallehrer bestätigt dieses Muster. Es ist kein rein lokales Phänomen: Auch ausländische junge Frauen, die nach Spanien kommen, sagen, sie wollten zwar im Land bleiben, aber in Madrid, nicht in Toledo oder Ávila.
Wer geht und wer bleibt
Die Aufteilung folgt Geschlechterrollen. Sie schauen nach Madrid; er schaut nach Hause. Diese Erzählung wiederholt sich auch außerhalb des eigenen Umfelds: Eine Schwester, die bereits über vierzig ist, drängt seit Jahren ihren Mann – ein Elektriker, dessen Fähigkeiten in der Hauptstadt sehr gefragt wären –, umzuziehen. Das, obwohl das Paar sein Leben bereits eingerichtet hat und bei der Kinderbetreuung auf die familiäre Unterstützung verzichten müsste.
Es gibt Deutungen für jeden Geschmack, und nur wenige sind rein wirtschaftlicher Natur. Eine Strömung argumentiert, dass Großstädte etwas bieten, was keine Provinzhauptstadt erreichen kann: unbegrenzte Freizeitangebote, Anonymität und das Gefühl, im Zentrum der Welt zu stehen. Eine andere Sichtweise ist profaner: Die Möglichkeit, mit Menschen zusammenzutreffen, denen man in einem 500-Seelen-Dorf niemals begegnen würde.
Etwas höhere Gehälter, viel höhere Preise
Die Mathematik stimmt jedoch nicht. Die Gehälter in Madrid sind bestenfalls etwas höher; die Preise sind deutlich höher. Hinzu kommen die verlorene Zeit im öffentlichen Nahverkehr, die hohen Mietkosten und das Fehlen eines familiären Netzwerks. Die Zahl wird unmissverständlich genannt: 21 Euro pro Quadratmeter Miete. Viele Analysen kommen zu dem Schluss, dass sich das unter diesen Umständen nicht lohnt.
Dagegen sprechen einige mit einer einfachen Erfahrung: Wer erst in einer großen Stadt und dann in einer kleinen gelebt hat, macht genau dasselbe in beiden. Das Freizeitangebot verändert das Leben derjenigen nicht, die es ohnehin nicht nutzen. Dieser Aspekt ist wichtig, denn er widerlegt die Idee, dass Madrid allein durch seinen Namen ein radikal anderes Dasein bietet. Andere erinnern daran, dass man in einer Provinzhauptstadt besser lebt und dass der Lohnaufschlag dies nicht wettmacht.
Madrid urteilt nicht: Freizeit, Anonymität und Dating-Apps
Das häufigste Argument für die Hauptstadt ist nicht das Gehalt. Es ist das Freizeitangebot: Musicals, Museen, Ausstellungen, Bars, Restaurants, Geschäfte, täglich neue Pläne. Und die Anonymität: In Madrid kennt dich niemand, mischt sich niemand in dein Leben ein und urteilt niemand über dich – anders als in Dörfern, wo jeder weiß, wann du zur Toilette gehst. Manche fügen hinzu: Dating-Apps funktionieren in Großstädten deutlich besser.
Der zweite große Faktor ist die Sichtbarkeit. Die Idee, gesehen werden zu müssen, sich zu zeigen und aufzufallen. Genannt wird die Generation, die 2013, während der goldenen Ära der YouTuber, nach Madrid zog, selbst wenn sie nur auf einem Sofa schlafen konnte, nur um nah am Klatsch, an Events und Laufstegen zu sein.
Hypergamie als Erklärung und ihre Schwächen
Die meistdiskutierte These ist die Hypergamie: Frauen würden versuchen, sozial aufzusteigen, und Madrid konzentriere den „Markt“. Argumentiert wird, dass die Großstadt das Angebot an Partnern erweitert und Chancen vervielfacht. Die härtere Version dieser Erzählung führt dies auf den Instinkt zurück, einen Partner mit höherem Einkommen zu finden, sowie auf die Rolle des Staates als Versorger.
Doch diese These hat Risse, die das Material selbst zugibt. Mehrere Teilnehmer weisen darauf hin, dass Männer mit hohem Status ebenso selektiv geworden sind: Ärzte daten Ärztinnen, Beamte suchen Partner innerhalb ihres Standes. Ein weiterer Fakt widerlegt den Mythos vom ständigen Wechsel: Es gibt keinen konstanten Fluss von Treffen; manche behaupten, das reale Verhalten sei weitaus konservativer als die Erzählung suggeriert. Es scheint, als halte sich die einfache Erklärung in der Theorie besser als in konkreten Fällen.
Die Wohnraum-Mauer
Über der gesamten Debatte schwebt ein materielles Problem: der Wohnungsmarkt. Wie dargestellt, fehlt es an Wohnraum. Es wird nicht genug gebaut, Eigentümer ziehen Wohnungen wegen rechtlicher Unsicherheit vom Markt, und jährlich kommen Hunderttausende Menschen an. Mit diesem Cocktail stellt sich nicht nur die Frage, warum sie wegziehen, sondern ob sie überhaupt bleiben können.
Nicht nur Madrid: Barcelona, Palma, Málaga
Das Phänomen beschränkt sich nicht auf die Hauptstadt. In Barcelona zeigt sich dasselbe Muster: Junge Leute aus dem ländlichen Katalonien schreiben sich an peripheren Universitäten wie Vic oder Vilanova ein, nur um am Wochenende in Barcelona feiern zu können. Auf den Balearen ziehen junge Frauen an katalanische Unis, um den Partnermarkt zu erweitern. Einer berichtet, wie mehrere junge Frauen aus seinem Dorf in „Schwärmen“ zusammengezogen sind, um eine Wohnung zu teilen. Zehn Jahre später reden einige von ihnen kaum noch miteinander und haben nach Jahren aus Feiern, kleinen Abendessen und Kurztrips keine Ersparnisse.
Laut Berichten passiert Ähnliches in Valencia, Palma oder Málaga. Außerhalb dieser Zentren werden andere Städte als langweilig und voller alter Menschen beschrieben.
Angesichts dieser Zahlen wäre es logisch, bei den Eltern zu bleiben und zu sparen. Die Realität vor Ort sagt das Gegenteil. Und die 21 Euro pro Quadratmeter bleiben bestehen, mit oder ohne Abschluss.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (258 Antworten).