Warum Arbeiter rechts wählen: Etxebarrias These
Die Schriftstellerin Lucía Etxebarria hat eine unbequeme Widersprüchlichkeit aufgedeckt: Warum wählt ein Handarbeiter die Rechten? Ihre Antwort beginnt mit zwei nackten Zahlen – 126.000 Euro öffentliches Gehalt plus 11.000 Euro Zulagen, ihrer Version nach – und mündet in eine These, die keine Freunde macht: Die institutionelle Linke sei zu einer Vermittlungsagentur für Kinder wohlhabender Familien geworden.
Ihr Köder ist ökonomisch, nicht sarracena. Der Friseurin in meiner Nachbarschaft, schreibt sie, ist es egal, dass einige im privaten Chat Unsinn geredet haben; ihr ist wichtig, dass ihre Selbstständigenbeiträge und die Strompreise sinken. Mit zwei Gehältern von je 1.500 Euro und zwei Kindern, fügt sie hinzu, seien Einkauf, Strom und Benzin kaum noch tragbar.
Wie viel verdient ein Politiker und was kostet der Kühlschrank?
Die 126.000 Euro Vergütung plus 11.000 Euro Zulagen stellen das Parlamentsgehalt weit über das Einkommen der meisten Arbeitnehmer. Der Vergleich ist kein Zufall: Er zeigt, dass Politik zu einem gut bezahlten Berufsfeld für Menschen ohne andere Erfahrung geworden ist. Manche gehen weiter und behaupten, so mancher Gewählte fände keinen Job in der Privatwirtschaft; eine ungeprüfte Aussage, die sich hartnäckig hält.
Das andere Ende der Waage ist der Wocheneinkauf. Ein Entrecôte für 22 Euro, die Stromrechnung und Benzin zeichnen ein Bild, in dem identitätspolitische Rhetorik gegenüber der monatlichen Rechnung verblasst. Daraus folgt die wiederkehrende Schlussfolgerung: Wer in prekären Verhältnissen lebt, will schnelle Lösungen, keine Predigten.
Wer wählt welches Einkommensniveau?
Die Wahlanalysen nach den letzten Wahlen zeichnen für das klassische Narrativ ein unbequemes Bild. Die Arbeiterklasse würde mehrheitlich PSOE und an zweiter Stelle VOX wählen, während mittlere und hohe Einkommen sich zwischen PP, Más Madrid und Sumar aufteilen. Bei den letzten allgemeinen Wahlen habe VOX, dieser Lesart nach, in Arbeitervierteln zugelegt, während Sumar in Gebieten mit hohem Einkommen besser abgeschnitten habe.
Die logische Konsequenz dieses Fotos ist, dass der Begriff „Arbeiterklasse“ zu kurz greift. Die Autorin selbst schlägt vor, von Prekariat oder Kognitariat zu sprechen, denn in Spanien kann ein Bauarbeiter oder Werftarbeiter mehr verdienen als eine Callcenter-Agentin, Kassiererin oder Hotelzimmermädchen. Prekarität trägt heute keinen Blaumann mehr.
Politik als sozialer Aufzug
Der biografische Abriss der neuen Linken ist das Herzstück der Botschaft. Errejón, Sohn zweier Beamter der höchsten Laufbahngruppe; Lucía Lois, Nichte von Méndez de Vigo, mit einer Dachgeschosswohnung in Ópera im Wert von etwa 600.000 Euro; Söhne von Unternehmern mit öffentlichen Aufträgen und Millionären. Die Liste bricht ab, weil, wie sie sagt, wir nie fertig würden. Das Muster ist weniger der reiche Ursprung als die Tatsache, dass diese Personen die Not, die sie zu verteidigen vorgeben, nie erlebt haben.
Der Grundvorwurf lautet, dass Politik als sozialer Aufzug für Menschen fungiert, die den Lebensstandard ihrer Eltern halten wollen. Und ein Detail unterstreicht den Ton: Die Autorin erinnert daran, dass sie die Parteimitgliedschaft kündigte, nachdem ihre eigene Partei ihr angeblich „die 13-14“ gemacht und eine Cancel-Kampagne gegen sie gestartet habe. Sie spricht nicht aus dem Inneren einer Organisation heraus. Diese Verbitterung, oder Klarheit, je nach Blickwinkel, gibt dem Text seine Kraft.
Vertreten Gewerkschaften den einfachen Arbeiter?
Hier spaltet sich die Diskussion in zwei Lager. Eine Strömung behauptet, Gewerkschaften lebten von Steuern, häuften freigestellte Funktionäre an und verfolgten ideologische Agenden fernab der Interessen ihrer Mitglieder; als Beispiel werden Schecks bis zu 7.000 Euro genannt, verteilt an UGT-Führungskräfte, ein durch Medienberichte verbreitetes Extrem. Junge Leute aus wohlhabenden Familien, die „Kommunist spielen“, hätten, so heißt es, nie einen Finger krumm gemacht.
Die Gegenreaktion ist historisch. Die 40-Stunden-Woche, die Sonntagsruhe, Tarifverträge oder bezahlte Urlaubstage fielen nicht vom Himmel: Sie wurden durch Streiks erkämpft. Den Anspruch auf sieben Tage bezahlten Urlaub unterzeichnete Azaña 1931, wie ein anderer Teilnehmer erinnert, auch wenn Landwirte mangels Vertrag ausgeschlossen blieben. Und der Erste Mai erinnert an die Toten des US-Streiks, der genau diese 40-Stunden-Woche forderte.
In der Mitte steht ein Argument im Debatte: Dänemark hat keinen Mindestlohn (SMI) und keine Abfindung bei Kündigung. Befürworter werden sagen, dass dort die Tarifautonomie anders funktioniert; Kritiker kontern, dass hier ein Lohnboden nichts garantiert ohne produktive Basis und Technologie zur Lohnstützung.
Öffentlich oder privat: Die Rechnung geht nie auf
Der letzte Teil des Austauschs wird strukturell. Die Formel ist simpel: Öffentliche Dienste kosten, was sie kosten, plus Gehälter, private addieren den Gewinn des Unternehmers. Die Gegenreaktion kommt schnell: Im Gesundheitswesen schließt der Markt unprofitable Patienten aus, und Privatisierung habe, so die Kritik, nie etwas billiger gemacht. Auf der anderen Seite wird argumentiert, öffentliche Dienste deckten keine echte Nachfrage ab, ihre Kosten bestimmten jene, die nicht zahlen, und sie würden viel weniger kontrolliert.
Mit diesen Zutaten hat die Frage, warum ein Arbeiter rechts wählt, keine bequeme Antwort mehr. Einige werden sagen, er stimme gegen seinen Geldbeutel; andere, er stimme gegen jene, die auf ihn herabblicken. Und der Fakt, der beide Lager verwirrt, bleibt derselbe: Die Stromrechnung und die Selbstständigenbeiträge unterscheiden nicht zwischen sozialen Klassen. Dort stockt die Analyse.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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