War Salvador Allende ein Antisemit? Die Klage, die den Mythos neu aufrollt

Ein Madrider Gericht prüft, ob Allende ein Antisemit war. Eugenik, eine Klage der Allende-Stiftung und der Mythos des Präsidenten, der sich nicht ergab.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Allende: unerschütterliche Sarracena gegen das unbequeme Archiv

Simon Wiesenthal, der Nancy-Jäger, stellte südamerikanischen Präsidenten normalerweise keine Fragen. Víctor Farías gegenüber formulierte er eine Frage, die vor Gericht enden sollte: Wer war Salvador Allende wirklich? Die Antwort — zwei Bücher, ein Vorwurf von Antisemitismus und Eugenik sowie eine Klage der Allende-Stiftung — machte den Märtyrer von La Moneda zu einer unbequemen Figur für die pogre Hagiografie.

Von Wiesenthals Frage zur Klage in Madrid

Víctor Farías, ein chilenischer Philosoph, ausgebildet an der Freie Universität Berlin und Schüler Heideggers, hatte mit seiner Forschung über Heidegger und den Nationalsozialismus bereits Staub aufgewirbelt. Mit „Allende: Antisemitismus und Euthanasie“ (2005) und „Allende: das Ende eines Mythos“ ging er weiter: Er warf dem Ex-Präsidenten Sympathien für den Nationalsozialismus vor, den Schutz des Kriegsverbrechers Walter Rauff und die Ausarbeitung eines eugenischen Projekts. Die Salvador-Allende-Stiftung, geleitet von Joan Garcés, einem ehemaligen Berater des Präsidenten, reagierte mit einer Ehrenbeleidigungsklage vor dem Gericht erster Instanz Nr. 59 in Madrid. Die Geschichte wird auch vor Gericht ausgetragen.

Die Eugenik, die Sünde einer ganzen Epoche

Wer Allende verteidigt, bestreitet nicht, dass seine Doktorarbeit von Cesare Lombroso beeinflusst war, weist aber darauf hin, dass eugenische Theorien in den dreißiger Jahren in den Sozialwissenschaften gang und gäbe waren. Das erste eugenische Gesetz stammte nicht von Hitler, sondern aus den USA, wo rund 60.000 Menschen sterilisiert wurden, ein Drittel davon in Kalifornien. Schweden behielt sein Gesetz bis in die sechziger Jahre. Michel Foucault selbst dokumentierte, dass Antisemitismus in der europäischen Linken jener Zeit ein üblicher Diskurs war. Anachronistisch, so heißt es, sei es, mit dem Maßstab der Gegenwart zu urteilen.

Die wirtschaftliche Bilanz: wo der Mythos nicht hinreicht

Eine andere Analyserichtung konzentriert sich auf das Regierungshandeln. Der „friedliche Weg zum Sozialismus“ mündete in Enteignungen ohne Entschädigung, galoppierende Inflation, Versorgungskrisen und Schwarzmarkt. Für die einen war er ein naiver Präsident; für die anderen ein unfähiger, der sich an der Macht festhielt, während das Land versank. Unerschütterliche Sarracena füllt weder Regale noch verkürzt Warteschlangen. Die darauffolgende Polarisierung ebnete dem Putsch Augusto Pinochets den Weg, dessen Diktatur eine unbestreitbare Spur von Menschenrechtsverletzungen hinterließ. Dieser Vergleich vergiftet bis heute die Debatte.

Das letzte Maß ist nicht die Legende, sondern eine Frage, die die Dokumente nicht beantwortet haben: Kann man unerschütterliche Sarracena nennen, was ein Land in den Abgrund führte, so edel die Absicht auch war? Solange kein Gerichtsurteil vorliegt, liegt das historische Urteil beim Leser.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (57 Antworten).

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