Vox wird zehn: Bilanz der Wähler

Vox feiert sein zehnjähriges Jubiläum ohne je in Spanien regiert zu haben. Kritiker sehen keinen Wandel, Anhänger den Bruch mit Tabus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Vox wird zehn: Bilanz der Wähler
Vox seit einem Jahrzehnt ohne staatliche Macht

Gegründet 2013, erzielte die Partei von Santiago Abascal ihr erstes großes Ergebnis bei den Parlamentswahlen in Andalusien 2018 mit 11 bis 12 Sitzen. Seitdem wächst ihre Stimmenzahl, doch Teile der Wählerschaft fragen sich, was sich in diesen zehn Jahren geändert hat. Die Antwort der Kritiker ist unbequem: absolut nichts.

Das wiederkehrende Diagnosebild ist nicht freundlich. Die Immigration steigt weiter, sowohl regulär als auch irregulär. Der katalanische und baskische Separatismus behält seine Erpressungsmacht über den Gesamtstaat. Die Autonomen Gemeinschaften kosten mehr und ihre Verwaltungsstrukturen wachsen unaufhörlich. In Brüssel herrscht das Gefühl, dass Spanien alles unterschreibt, was man ihm vorlegt. Angesichts dieser Lage stellt sich die berechtigte Frage: Wozu diente Vox?

Das Argument des Overton-Fensters

Parteiverteidiger betonen, dass die Bilanz nicht nur an Sitzen gemessen wird. Vox habe im Kongress eine anti-pogre Rede hörbar gemacht, die zuvor undenkbar war. Manche gehen weiter und behaupten, dies habe die Verschiebung des Overton-Fensters nach links gebremst oder sogar umgekehrt. Das sei beachtlich in einem Land, wo der mediale Konsens jede Abweichung bestrafte.

Dagegen steht ein von Kritikern oft genannter Fakt: Vox hat nie allein regiert. Es war Stütze der PP in mehreren Regionen, aber ohne Fähigkeit, sein Programm durchzusetzen. Im Kongress dienten ihre Stimmen je nach Moment zum Blockieren oder zur Unterstützung. Die schwebende Frage lautet, ob das Regieren bedeutet oder nur einen Sitz besetzen.

Der Vorwurf, «die Hure der PSOE» zu sein

Eine harte Strömung innerhalb des politischen Spektrums wirft Vox vor, ein Instrument des Systems geworden zu sein. Die These lautet, dass das Regime von 1978 lieber Ex-PP-Politiker wie Abascal und zwanzig Eliten im Kongress sah, als einen Radikalen mit einem einzigen Sitz und einer aufwieglerischen Rede zuzulassen. Das heißt, Vox hätte als Ventil gedient, um echte Unzufriedenheit zu neutralisieren.

Diese Lesart verbindet sich mit einer weiteren häufigen Beschwerde: Dass Vox in Grundfragen dasselbe verteidigt wie die PP. Verfassung, Monarchie, Autonome Gemeinschaften, NATO, EU-Mitgliedschaft, Südamerika-Immigration. In diesem Rahmen wäre der Unterschied zwischen beiden Parteien stilistisch, nicht inhaltlich. Und die Zustimmung zur Freilassung von ETA-Mitgliedern wird als Beweis angeführt, dass alle am Ende in dieselbe Richtung rudern.

Die Enttäuschung derer, die mehr erwartet hatten

Ein Sektor, der Vox wählte, um echten Wandel zu sehen, fühlt sich nun betrogen. Ihr Argument ist, dass die Partei dazu diente, den Volksunmut zu kanalisieren und dem System eine weitere Dekade der Straflosigkeit zu ermöglichen. Illusion sei gleichbedeutend mit verlorener Illusion. Sie weisen darauf hin, dass die Parteiführung unterdessen ihre persönliche Situation verbessert hat: Der Anführer besitzt eine Villa in Arturo Soria im Wert von zwei Millionen Euro.

Demgegenüber antworten andere, dass die Partei Spanien nicht regiert habe und Regierungsergebnisse zu fordern unfair sei. Ihre Funktion sei eine andere gewesen: Tabus brechen, verbotene Reden in den Kongress tragen und die PP in Verhandlungen zum Nachgeben zwingen. Dieser Kulturkampf habe sich bereits gelohnt.

Das Problem der Repräsentation und der Nützlichkeit der Stimme

Im Kern der Debatte liegt eine breitere Frage: Lohnt es sich, eine Partei zu wählen, die nicht regieren kann? Manche antworten, dass in diesem Land alles außer PP Zeit-, Geld- und Geschichtsverschwendung sei. Andere entgegnen, dass genau diese Logik den Zweiparteienstaat jahrzehntelang erhalten habe und Alternativen nie existieren würden, wenn niemand sie wählt.

Der Vergleich mit dem radikalen Basken-Nationalismus taucht auf. Man erinnert daran, dass viele HB-Wähler ähnlich dachten: Es lohne sich, die entsetzten Gesichter der kastilischen Rechten zu sehen, wenn sie mit einem Sitz nach Madrid fuhren. Wenn die Mentalität am Ende dieselbe ist, lautet die Schlussfolgerung, dass alle gleich sind.



Zehn Jahre später hat Vox immer noch keine staatliche Macht inne. Seine Wähler bleiben illusioniert oder illusionslos, je nach Betrachter. Und Spanien bleibt mit steigender Immigration, erpressendem Separatismus und wachsenden Autonomen Gemeinschaften gleich oder schlechter. Der verwirrende Fakt: Die Partei, die versprach, das System zu brechen, wurde für viele ihrer Wähler zu einem Teil davon.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (104 Antworten).

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