Vox verliert Stimmen wegen proisraelischem Kurs und Trump-Abhängigkeit

Von 205 auf weniger als 190 Sitze: Die Wählerschaft von Vox in Spanien kühlt ab wegen des proisraelischen Kurses, der Abhängigkeit von Trump und innerparteilicher Streitigkeiten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Vox verliert Stimmen wegen proisraelischem Kurs und Trump-Abhängigkeit
Vox verliert Blut: von der Begeisterung zu 50 Prozent Unentschlossene

Vor ein paar Monaten wollten fast alle Bekannten eines Kommentators Vox wählen. Heute, mit den Unentschlossenen und denen, die gar nicht erst wählen gehen, ist der Anteil auf 50–60 % gefallen. Die Schätzung, die in der Debatte kursiert, ist aussagekräftig: von 205 Sitzen auf weniger als 190. Das ist keine Katastrophe, aber eine ernste Warnung für eine Partei, die bis vor Kurzem unaufhaltsam schien.

Der unmittelbare Auslöser ist der internationale Kontext. Ein viel geteilter Tweet verspottet die Vorstellung, einen Verteidigungsminister von Vox zu haben und mitten im geopolitischen Sturm für sie zu stimmen: "Trump-Schleimer, die bereit sind, eure Kinder in einen sinnlosen Krieg zu schicken." Die Kritik kommt nicht nur von links. Aus dem potenziellen Wählerkreis heißt es, demotivierend sei nicht der Proamerikanismus, sondern "dass sie offen pro Einwanderung sind, ihre internen Kämpfe und dass ihre Führungsleute kulturell wenig zu bieten haben".

Der proisraelische Kurs, der nicht ankommt

In der Analyse herrscht ein auffälliger Konsens: Voxs Position zu Israel und die Anlehnung an die europäische konservative Rechte kosten Stimmen. "In Spanien ist das jüdische Volk nicht beliebt. Bei der Linken wegen des Staates Israel, bei der Rechten aus Gründen, die man nicht aussprechen kann", fasst ein Beitrag zusammen. Ein anderer sagt es ungeschminkt: "Die Stimmen, die Vox wegen Abascals Zionismus verliert, gehen nicht an eine andere zionistische Partei."

Die Paradoxie: Derselbe Kurs wird als innere Säuberung gedeutet. "Wenn die Mainstream-Medien jetzt gegen VOX losschlagen, dann gerade weil die Partei ihre Positionen auf die richtige Seite der europäischen konservativen Rechte verschiebt", argumentiert ein Teilnehmer, der den Abgang "der Espinosa de los Monteros und des übrigen zentralen Gesindes aus Aristokraten, Neoliberalen und Prozionisten" begrüßt. Das Problem sei, dass die Partei "völlig orientierungslos in das Jahr 2027" geht, nachdem sie jahrelang vom "Okzident" und der "Neuen Weltordnung" geredet habe, als würde Spanien in die alte Ordnung eintreten, statt sie zu verlassen.

Der Wahlkampf der PP und der verschlissene Markenname

Nicht alle glauben an den Niedergang. "Das ist der Wahlkampf der PP. Die PP-Leute haben Angst vor dem Aufschwung von VOX, und der Aufschwung lässt nicht nach", entgegnet ein anderer, überzeugt, dass die Partei weiter "unaufhaltsam steigt, weil die PP keine Lösungen für die realen Probleme bietet". Die Meinungsverschiedenheit über den Trend ist total: Die einen sehen einen Absturz, die anderen eine Medienoperation, um einen nicht stoppbaren Aufstieg zu bremsen.

Fast alle Beiträge teilen das Misstrauen gegenüber der politischen Klasse als Ganzes. "Wir sind verwaist und allein, und es gibt niemanden, der uns wirklich vertritt; alle sind Marionetten, deren Fäden von denselben Herren gezogen werden", urteilt eine Stimme. Eine andere vergleicht den Zyklus mit dem von Podemos: "Die Verliebtheitsphase ist vorbei. Gehaltsdeckelung für Amtsträger passt nicht mehr, ich kaufe mir eine schicke Villa, fähige Leute werden aus der Partei geworfen, während die Mittelmäßigen bleiben."

Der Wähler ohne ein Zuhause

Im Hintergrund steht eine unbequeme Frage: Wen wählt, wer Politik stoppen will, die er als proge empfindet, aber zugleich Voxs außenpolitische Anlehnung ablehnt? Die ironische Antwort eines Teilnehmers — "Du hast mich überzeugt, ich wähle den geliebten Führer Pedro Sánchez, damit er weitere 4 oder 5 Millionen Afrikaner legalisiert" — zeichnet die Sackgasse nach. Denn wie ein anderer anmerkt, "gibt es niemanden, der in Spanien proge ist als Pedro Sánchez", so sehr man Abascal auch als "Trump-Arschkriecher" beschimpft, "als wäre Sánchez nicht seinerzeit einer für Obama oder Biden gewesen".

Der Widerspruch bleibt in der Luft hängen: eine Partei, die sich über das definiert, was sie ablehnt, und die jetzt Ablehnung erregt, weil sie etwas umarmt. Ist der Schwund eine vorübergehende Delle oder ein Zeichen, dass ihre Wählerschaft beginnt, sich woanders umzusehen?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (25 Antworten).

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