Vox verliert liberale Flügel und orientiert sich an Orbán

Der Austritt der liberalen Fraktion lässt Vox ohne wirtschaftsliberales Profil im Parlament, während die Partei das ungarische Modell als Vorbild nimmt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Vox verliert liberale Flügel und orientiert sich an Orbán
Vox liquidiert seinen liberalen Flügel und probt das Orbán-Modell

Der Rückzug von Vox in den Nationalkonservatismus hat nun konkrete Namen: Der Abgang – oder Ausschluss, je nach Perspektive – seiner wirtschaftsliberalen Köpfe. Die Partei, die sich als einzige Stimme des Wirtschaftsliberalismus im spanischen Parlament präsentierte, verliert schlagartig einen Großteil dieses Profils. Diese Lücke wird durch eine Entwicklung gefüllt, die einige Beobachter im Umfeld von Ungarn und Polen sehen. Laut internen Berichten, die in der Debatte kursieren, geht dies mit einer Säuberung einher, die Funktionsträger entfernt, die nicht auf der neuen Linie liegen.

Was bleibt von der einzigen liberalen Parlamentspartei?

Jahrelang war das Verkaufsargument einfach: Vox war die einzige Formation mit Sitzen, die Steuersenkungen, Ausgabenkürzungen und den Abbau von Subventionen forderte. Mit dieser Rhetorik gewann sie Stimmen aus der Mitte-Rechts-Szene und dem klassischen Liberalismus. Nun ist dieses Label verwaist, da seine Träger draußen sind. Daraus ergibt sich die unbequeme Schlussfolgerung: Wenn die Partei dieses Terrain verlässt, bleibt der wirtschaftsliberale Raum ohne Vertretung in der Kammer. „Jetzt werden alle wirtschaftlich sozialistisch“, fasst ein Teilnehmer der Debatte zusammen. Es bleibt abzuwarten, ob jemand dieses Erbe antritt oder ob es einfach ausstirbt.

Die interne Säuberung: Wer führt jetzt bei Vox?

Das Geschehene ist keine gewöhnliche Spaltung. Ein in der Debatte kursierender Bericht, der auf interne Quellen zurückgeführt wird, spricht von einer internen Übernahme: Eine um die Parteiführung organisierte Fraktion habe den harten Kern isoliert und Funktionsträger entfernt, die nicht auf der neuen Kursrichtung lagen. Diese Säuberung würde sowohl parteiinterne Ämter als auch öffentliche Mandate betreffen, wobei Namen leise verschwinden und andere aufgrund ihrer Loyalität aufsteigen. Manche beschreiben das Manöver als einfachen Führungswechsel, andere lesen es als vollständige Machtübernahme. Die schwebende Frage ist, ob die Partei durch Geschlossenheit gestärkt oder durch die Abschreckung ihres potenziellen Wählers entleert wird. Vorerst gewinnt, wer den Apparat kontrolliert.

Orbán als Spiegelbild und Polen als Fahrplan

Das oft genannte Modell hat einen Eigennamen: Fidesz, Viktor Orbáns Partei in Ungarn, und ihr polnisches Pendant. Betont wird, dass diese Hybridform eine wirtschaftspolitische Ausrichtung mit liberalem Einschlag – Steuersenkungen, strenge Handhabung öffentlicher Subventionen – mit einer nationalen und souveränistischen Rhetorik kombiniert. Genau diesen Cocktail sehen einige als natürliches Schicksal der Formation. Dagegen steht ein hartnäckiges Argument: Nationalismus zieht weder Kapital noch große Unternehmen an. Die internationale Referenz fasziniert. Der Geldbeutel weniger.

Das Argument, dass Vox nie wirklich liberal war

Angesichts des Bedauerns über den Verlust des liberalen Profils gewinnt eine Gegenstimme an Zulauf: Dass die Partei nie wirklich liberal gewesen sei. Es wird argumentiert, dass kaum einer ihrer öffentlichen Amtsträger aus der Privatwirtschaft kam oder ein Geschäft von Grund auf aufgebaut hatte, und dass ihr Wirtschaftsprogramm eher ein Wahlkampfslogan als ein überprüfbarer Plan war. Für diese Strömung ist das, was jetzt als Kurswechsel bezeichnet wird, eigentlich eine Heimkehr: eine Partei des Apparats, der Subventionen und der Parolen.

Bringt der nationalkonservative Kurs Stimmen?

Der Kurswechsel ist an der Urne nicht kostenlos. Ein zitiertes Datum ist hart: Ein Verlust von 40 % der Sitze im Vergleich zu den vorherigen Wahlen, laut Berechnung eines Teilnehmers. Manche behaupten, diese Aufrüstung diene genau dazu, enttäuschte Wähler zu halten und jene anzuziehen, die zu Hause bleiben. Andere warnen vor dem Gegenteil: Mit dieser Bewegung werde die Partei zu einer aufgefrischten Version der ehemaligen Ciudadanos, zum Dahinsiechen verurteilt. Einige Prognosen deuten darauf hin, dass die Formation bei Neuwahlen auf 15 Abgeordnete fallen könnte, während ein anderer Teilnehmer ihr 21 zugesteht. Niemand unterschreibt diese Vorhersage.

Der SEAT 600, Steuern und ökonomische Nostalgie

Mitten im Streit zwischen Liberalismus und Nation wandte sich die Diskussion einem Klassiker zu: dem Vergleich des Spaniens der Sechziger mit dem heutigen. Es wird daran erinnert, dass der SEAT 600 65.000 Peseten kostete und dass damals kaum Steuern gezahlt wurden, im Gegensatz zur heutigen Belastung. Der Gegenschlag kam mit Daten: Im damaligen Spanien gab es nur ein Gymnasium in Städten, die bereits rund 150.000 Einwohner hatten, und keinerlei der heutigen öffentlichen Dienstleistungen. Auch der Mythos vom einzigen Auto wird korrigiert: Während der 600 fuhr, gab es in Frankreich den 2CV, in Italien den 500, und in Spanien wurden der Renault 4/4 oder der Dauphine mit wenigen Jahren Verspätung hergestellt. Die Nostalgie hält wenig stand, wenn man genau hinsieht.

Kastilien-León und die Kürzung von 120 Millionen

Abseits des internen Lärms gibt es ein Datum, das die Steuerzahler betrifft: Kastilien-León wird die niedrigste Besteuerung seiner Geschichte haben, mit einer geschätzten Ersparnis von 120 Millionen für die Steuerzahler. Die Ankündigung wird als Beweis verkauft, dass die Politik der Steuersenkungen trotz des Wechsels an der Spitze lebendig bleibt. Die Frage ist, ob eine regionale Kürzung den Verlust der liberalen Rhetorik im ganzen Land kompensiert oder ob es nur eine Geste ist, um den Schein zu wahren. Die Zahlen sind klein. Das Signal nicht.

Mit dem liberalen Flügel draußen und Orbáns Spiegelbild drinnen bleibt abzuwarten, welchen Wähler die Partei gewinnt. Vielleicht festigt sie ihren treuesten Kern und verliert die Mitte, die noch mit ihm kokettierte. Vielleicht das Gegenteil. An dem Punkt, wo die Analyse ins Stocken gerät, ist die einzige Gewissheit, dass die Formation nicht mehr die ist, die sie einmal war.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (509 Antworten).

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