Von Jesus Sirach bis zum Rosenkranz: der Glaube als Zuflucht in der Überlastung

Das Evangelium vom 15. Oktober lädt die Erschöpften zur Ruhe ein, der Rosenkranz um 22 Uhr erinnert an fünfzehn Verheißungen. Die Weisheit Jesu Sirachs als Zuflucht in der Bedrängnis.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Von Jesus Sirach bis zum Rosenkranz: der Glaube als Zuflucht in der Überlastung
Von Jesus Sirach bis zum Rosenkranz: der Glaube als Zuflucht in der Überlastung

Warum fordert ein Text, der vor mehr als zweitausend Jahren geschrieben wurde, noch heute die heraus, die am Monatsende kaum über die Runden kommen? Die Liturgie dieses Donnerstags, des 15. Oktober, antwortet mit einem Evangelium, das keinen Wohlstand verspricht, sondern Ruhe: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und belastet seid, ich werde euch Erquickung verschaffen." Matthäus 11,25-30 richtet den Blick auf die Kleinen, nicht auf die Weisen, und auf ein Joch, das als tragbar dargestellt wird. Die erste Lesung aus Jesus Sirach 15,1-6 zeichnet die Weisheit als eine Mutter, die dem Menschen entgegengeht und ihn mit „Brot der Einsicht" speist.

Was das heutige Evangelium am Donnerstag, dem 15. Oktober, sagt

Der Abschnitt aus Matthäus beginnt mit einem Dank des Sohnes an den Vater, weil er diese Dinge den Weisen verborgen und den Kleinen offenbart hat. Das ist kein geringfügiges Detail: Die Logik des Textes kehrt das übliche Verdienstprinzip um. Weisheit wird nicht errungen, sie wird empfangen. Jesus Sirach betont dieselbe Idee, wenn er die Weisheit dem Menschen entgegengehen lässt, der den Herrn fürchtet, ihn speist und ihn „mit einem Gewand der Herrlichkeit" bekleidet.

Psalm 88 verstärkt den Rahmen mit einem Lob, das in der Versammlung wiederholt wird: „Meinen Brüdern will ich deinen Namen verkünden, mitten in der Versammlung will ich dich loben." Die Begleitreflexion zum Evangelium, die Schwester Aroa González Solís Pampliega vom Kloster Santa Catalina de Siena in Alcalá de Henares zugeschrieben wird, fasst es mit einem Gedanken der heiligen Teresa zusammen: Das christliche Leben besteht nicht darin, viele Dinge für Gott zu tun, sondern sich von ihm finden zu lassen.

Die Verheißungen des Rosenkranzes und das Gebet um 22 Uhr

Die Botschaft, die den Aufruf eröffnet, bleibt nicht bei der Auslegung stehen. Sie zählt die fünfzehn Verheißungen auf, die traditionell den Marienerscheinungen an die Rosenkranzbeter zugeschrieben werden: Schutz, besondere Gnaden, Verteidigung gegen die Häresien, Befreiung aus dem Fegefeuer und Beistand in der Todesstunde, unter anderem. Der Aufruf legt das Gebet auf 22 Uhr fest, mit einer Dauer von 25 bis 30 gestoppten Minuten, und ergänzt Litaneien, das Salve Regina und ein aus Lourdes übertragenes gesungenes Ave Maria.

Der Text erinnert auch an die Barmherzigkeitsrosenkranz, dessen ideale Stunde 15 Uhr ist, „die Stunde, in der Jesus sein Leben für uns hingab". Die Häufung von Zeiten und Andachten ist kein Zufall: Sie gliedert den Tag in Gebetsabschnitte.

Die Großmut nach den Fünf Minuten mit dem Heiligen Geist

Die Meditation vom 15. Oktober widmet sich der Großmut und der heiligen Teresa von Ávila, an die erinnert wird, wie sie schon als Kind davon träumte, Großes für Christus zu tun – zu einer Zeit, als Frauen weder in der Gesellschaft noch in der Kirche hervortreten konnten. Der Text vertritt die Auffassung, dass Demut nicht bedeutet, Fähigkeiten zu verbergen oder Talente zu begraben, und dass der Heilige Geist „uns in das Abenteuer stößt, Großes zu leben".

Es ist der genaue Kontrapunkt zum Evangelium des Tages: Das tragbare Joch bedeutet nicht Passivität. Die Deutung des Abschnitts lädt nicht zur Resignation ein, sondern zu einer Ruhe, die befähigt, weiterzugehen.

Die Apophthegmata der Wüstenväter

Neben dem Evangelium und den Verheißungen des Rosenkranzes erscheint ein weiteres Element: die Apophthegmata der Wüstenväter, die alphabetische Sammlung von Aussprüchen, die der Jesuit Heribert Rosweyde im 17. Jahrhundert zusammenstellte, mit französischer Übersetzung von Guy, Regnault und den Mönchen von Solesmes. Es ist Lektüre zum Online-Lesen, nicht zum unmittelbaren Gebet, und vervollständigt den Bogen: von der Weisheit Jesu Sirach bis zur Stille der Wüste.

Das Ganze zeichnet einen liturgischen Tag, der in sich geschlossen ist, mit Zeiten, Lesungen und aneinander gereihten Verheißungen. Bleibt die allgegenwärtige Frage: Wenn die Verheißungen so weitreichend sind, warum betet man genauso, wenn alles gut läuft, und wenn alles zusammenbricht? Die Antwort liegt im Text dieselbe wie die des Evangeliums: weil das Joch tragbar ist, nicht weil die Last verschwindet.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (17 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver