Vom Pfefferspray zum Leatherman: Das Ausrüstungs-Kit für Prepper in Spanien

Pfefferspray, 4.000-Lumen-Taschenlampe und Schutzwesten ab 46 €: Eine detaillierte Liste zur Selbstverteidigung im Spanien von 2020.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Vom 25-€-Pfefferspray bis zum 300-€-Leatherman: Das Ausrüstungs-Kit für Prepper

Es gibt eine Art, sich durch die Stadt zu bewegen, bei der man den Bürgersteig zwei Blocks voraus scannt, die Route wechselt, sobald eine verdächtige Gruppe auftaucht, und mehr als nur Schlüssel in der Tasche hat. Auf dieser Grundlage entstand im Spanien des Jahres 2020 eine der detailliertesten Einkaufslisten für Selbstverteidigungsmaterialien auf Spanisch: vom Sabre Red Pfefferspray für 25 Euro bis zum Leatherman Surge Multitool, neu etwa 300 Euro, gebraucht zwischen 100 und 150 Euro. Die Idee ist nicht Krieg. Es ist Routine.

Gel, Schaum oder Aerosol: Der erste Kauf und seine Tücken

Der Kern der gesamten Ausrüstung ist ein Verteidigungsspray. Das zentrale Dokument legt das Sabre Red Gel (90 ml) für 25 Euro als grundlegendsten Kauf fest; es ist für Volljährige legal und wird in ganz Spanien versandt, obwohl das Tragen in Stadien, Diskotheken und bei Demonstrationen verboten ist. Daneben steht eine zweite Dose, das Fito Defensa 50 für 20 Euro, nicht als Ersatz für das erste, sondern als Mittel gegen mehrere Angreifer und zur Raumverweigerung bei der Flucht über eine Treppe.

Die Meinungen divergieren stark beim Format. Ein Teil argumentiert, dass Gel wie ein Gewehr schießt – dünn und präzise – und die Luft nicht kontaminiert, wenn Unbeteiligte in der Nähe sind. Eine andere Strömung verteidigt das Aerosol: Es deckt eine größere Fläche ab, bildet einen Vorhang und verhindert Zielabweichungen, wenn die Hand zittert. Die Daten des Shops selbst weisen auf einen unbequemen Detail hin: Das Gel erreicht 5 Meter, der Schaum kaum 3. Die berühmte Nebelwolke erkauft man also mit Reichweite. Sogar der Auslöser wirft Fragen auf: Manche schaffen es nicht, das große Modell mit einem Finger zu drücken, bis sie entdecken, dass der Finger unter dem Lasche gehört, nicht darüber.

Die 4.000-Lumen-Taschenlampe und die Weste von AliExpress

Der zweite Pfeiler ist die Taschenlampe. Referenz ist die Acebeam L30 mit 4.000 Lumen, weniger zum Beleuchten als zum Blenden und im äußersten Notfall auch zum Schlagen gedacht. Blenden ist legal, reversibel und günstig; es scheint harmlos, bis man es am eigenen Leib testet.

Das Feld, auf dem die Ausrüstung aus dem Ruder läuft, ist der Körperschutz. Hier tauchen Schnittschutzbekleidung zwischen 100 und 200 Euro je nach Stück auf, Sweatshirts, die Schnitte aushalten, aber keine Stiche, sowie ballistische Westen der Stufe NIJ IIIA. Hier bricht die Zahl, die jedes Budget sprengt: Ein ganzes Forum gibt zu, dass eine AliExpress-Hülle für 46 Euro funktioniert, wenn gute Platten darin stecken, „auch wenn man die Platten in zwei Beutel packt und sich an den Torso bindet“. Der teure Panzerschutz liegt in den Platten. Die Hülle ist oft nur Marketing.



Alles aufzeichnen: Die Kamera ersetzt Zeugen

Die Hälfte der Liste dient nicht der Aggression, sondern der Dokumentation. Eine Philips Dashcam ab 99 Euro fürs Auto und ein digitaler Recorder für 30 bis 40 Euro für die Tasche bilden das, was das Dokument als eigene Überwachung bezeichnet – die Idee, dass ein Video oder Audio mehr wert sein kann als jedes Alibi. Das Starargument ist der Neuseeländer Gable Tostee, der einer Mordanklage dank einer einfachen Handy-Aufzeichnung entging. Und eine Körperkamera der Polizei mit Cloud-Upload gilt als High-End-Obergrenze für alle, die bereit sind, dafür zu zahlen.

Das Chaos um Zulassungen und Bußgelder, die niemand kalkuliert

Mit gekaufter Ausrüstung beginnt das Problem. Die rechtlichen Sprays ändern ihre Zulassung, manche Waffengeschäfte verkaufen das Topmodell gar nicht mehr, während andere es online anbieten. Niemand klärt auf, ob die neuen Modelle schwächer sind. Und wer übers Ziel hinausschießt, zahlt dafür: Ein elektrischer Teleskopschlagstock mit 10.000 Volt führt zu Bußgeldern bis zu 30.000 Euro. Das große Kit mit Adidas GSG 9 Stiefeln für 130 Euro, Multitool, Recorder, Lampe und Weste übersteigt locker 600 Euro. Die Gesamtausrüstung schützt weder vor Kugeln noch vor Stichen noch vor einem schlechten Tag. Und dennoch kursiert die Liste weiter: Viele ihrer Links führen seit Jahren ins Leere.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (454 Antworten).

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