Vögel als Notnahrung: Vom Spatz zur Möwe

Spatzen, Drosseln oder Möwen: Welche Vögel in Hungerzeiten gegessen wurden und welche Fleischsorten sich lohnen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Vögel als Notnahrung: Vom Spatz zur Möwe
Welche Vögel man isst, wenn der Hunger drückt: Vom Spatz zur Möwe

In einer Situation extremer Knappheit stellt sich nicht die Frage, ob man Vögel essen wird, sondern welche es wert sind und welche die Suppe verderben. Die Liste reicht vom Spatz bis zum Fasan, über Drossel, Taube, Star, Amsel und sogar die Möwe. Fast alle diese Vögel landeten bereits vor dem Aufkommen der industriellen Tierhaltung, die Fleisch zu einem billigen Produkt machte, auf den spanischen Tellern.

Dies ist keine Laborhypothese. Aus der Nachkriegszeit gibt es Berichte, oft aus Familienkreisen: Manche erinnern sich, dass es in Madrid nach dem Einmarsch der Nationalisten 1939 kaum noch Bäume gab; Eulen mit weißem, zartem Fleisch, die angeblich auf den Tisch kamen; und Möwen, die am Ufer gefangen wurden. Die Regel, die das Kriterium zusammenfasst, ist so alt wie der Hunger selbst: Alles, was fliegt, landet im Topf.

Welche Vögel sich lohnen und welche nicht

Ein häufig genanntes Kriterium bezieht sich auf die Nahrung des jeweiligen Tieres. Körner- und Pflanzenfresser — Spatzen, Rebhühner und Fasane sowie Wildenten — gelten als die klassischen Jagdvögel mit gutem Fleisch. Aasfresser und Raubtiere werden nur bei äußerster Not verzehrt. Raben, Elstern und Saatkrähen fallen darunter, obwohl ein Bericht betont, dass Elstern eine „sehr schwarze Brühe“ ergeben. Greifvögel — Adler, Falken oder Eulen — haben wenig Fleisch und ihr Fleisch ist hart.

Manche relativieren dieses Schema: Die meisten Singvögel sind opportunistisch und fressen sowohl Körner als auch Insekten, sodass die Grenze zwischen den Kategorien verschwimmender ist als gedacht. In diesem Sinne wird auch darauf hingewiesen, dass Hasen ebenfalls Aas fressen können und dennoch gegessen werden. Konsistenz ist nicht die Stärke dieser Listen.

Von der Möwe zur Amsel: Was steckt hinter dem Fleisch?

Die sogenannten Tordos — Amseln, Drosseln, Stare und sogar Nachtigallen — haben Fürsprecher: Sie wühlen nicht wie Stadttauben in Containern und ernähren sich von Insekten und Früchten. Bei Möwen ist die Reaktion anders: Es gibt viele davon, aber niemand traut sich heran, da ihr Fleisch als zäh gilt. Die praktische Lösung ist kein Küchengeheimnis, sondern Geduld: Die Brust filetieren, grillen, bis sie bretthart ist, und dann in die Suppe geben, damit sie weich wird.

Ein Zeugnis beschreibt die Szene: Ein Großvater und sein Bruder standen an beiden Seiten des Arenal de Bilbao mit einer Schnur, die an einem Köder befestigt war, und warteten, bis sich eine Möwe verhedderte, um sie nach Hause zu bringen. Wenn das Fleisch zäh blieb, wurde es länger gekocht. Alles zählt, wenn die Brühe das Einzige ist, was man hat.

Kann man Hühner und Truthähne ohne industrielles Futter halten?

Ja, laut den Erfahrungen von Züchtern. Futtermittel seien eine Modernität der Massentierhaltung und keine biologische Notwendigkeit. Den Vögeln freies Leben im Feld zu ermöglichen, deckt einen großen Teil ihres Bedarfs — von Insekten bis zu Brennnesseln —, dazu kommen Küchenabfälle: altes Brot, Kekse, Reste von Eintöpfen. Sie nehmen nicht so schnell an Gewicht zu wie bei Mast mit Kraftfutter, gedeihen aber problemlos.

Bei Schafen ist das Argument identisch, so derselbe Teilnehmer. Ein Lamm, das nur Gras, Milch und Heu frisst und kein Kraftfutter erhält, liefert hervorragendes Fleisch, erreicht aber nach drei Monaten nicht die Größe eines Schlachtlamms. Die genetische Selektion der Industrie zielt auf anderes ab: Volumen und Geschwindigkeit.

Selektive Skrupel: Spatzen ja, Hähnchen nein

Hier zeigt sich die widersprüchliche Haltung, die am meisten irritiert. Manche sträuben sich gegen das Essen eines wilden Vogels, verteidigen aber ohne mit der Wimper zu zucken das Ibérico-Schwein, ein Tier, das seinen eigenen Kot fressen kann. Diejenigen, die beim Spatzen skrupulös sind, zögern nicht bei verpacktem Hähnchenfleisch, aus Tradition und Kultur, wie ein Teilnehmer selbst anerkennt. Der Skrupel hängt nicht vom Tier ab, sondern davon, was man gewohnt ist, im Regal zu sehen. Und dazwischen liegt die unsentimentalste Haltung: Wenn der Hunger drückt, kommen auch Hund und Katze auf die Liste.

Wenn die Falle den Supermarkt ersetzt

Im Hintergrund bleibt das praktische Gedächtnis mehrerer Generationen. Manche jagten Spatzen mit Kinderfallen, andere erinnern sich, dass die Jagd auf Kleinwild („Chuchería“) eine der drei Jagdarten war, und wieder andere bestätigen, dass ein Stück altes Brot und ein Resteeintopf zwar weniger zunehmen lässt, aber genauso sättigt. Die Speisekammer der Knappheit besteht nicht aus Rezepten, sondern aus Reflexen, die entstanden, bevor Fleisch billig wurde.

Mit gesichertem Einkauf ist die Vorliebe für Vögel ein erschwinglicher Luxus. Wenn der Hunger drückt, reduziert sich die Diskussion auf eine einzige Frage: Würdest du ihn frei singen lassen oder kochen?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (155 Antworten).

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