Virales Narrativ gibt Rechten Schuld an Maricarmens Tod

Maricarmen stirbt vor dem 29. November und ihr Name wird zur politischen Waffe: unbewiesene Anschuldigungen und kalte Wahlkampf-Kalküle.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Virales Narrativ gibt Rechten Schuld an Maricarmens Tod
Virales Narrativ gibt Rechten Schuld an Maricarmens Tod

Eine Frau namens Maricarmen stirbt, und innerhalb weniger Stunden wird ihr Name zu einer politischen Waffe. In einem Wirtschaftsforum ruft ein erster Beitrag zu permanenter Mobilisierung auf und stellt die Justiz, Ayuso und den Rest der PP vor Volksgerichte. Der Auslöser ist eine Aussage, die ihr vor ihrem Tod zugeschrieben wird: „Kämpft und zerschlagt die Party nicht, Verzeihung, das Camp.“ Von da an füllt sich der Thread mit gegenseitigen Anschuldigungen, Verschwörungstheorien und einer rücksichtslosen politischen Berechnung des Wahlkalenders.

Was über Maricarmens Tod bekannt ist

Das Material bietet keinen ärztlichen Bericht oder offizielle Bestätigung. Was existiert, ist eine aus Fragmenten zusammengesetzte Erzählung: Eine Frau, die laut mehreren Nachrichten wegen sozialistischer Gesetze zwangsgeräumt und von einer Mietergewerkschaft ausgebeutet wurde, bis sie nicht mehr konnte. Manche behaupten, sie sei bis zum Tod sediert worden, und das nächstgelegene Krankenhaus heiße „La Maestranza“: Die Alten gehen zu Fuß hinein und werden hinausgetragen. Nichts davon ist verifiziert. Es sind Behauptungen ohne Beweis, die der Artikel nicht bestätigt.

Das Datum ist wichtig. Mehrere Nachrichten datieren den Tod vor den 29. November, mitten im Vorwahlkampf. Ein Teilnehmer sagt es unverblümt: „Sie starb, als sie nicht hätte sterben sollen. Bis zum 29. November erinnert sich niemand mehr an die Haut.“ Ein anderer fügt hinzu, dass es noch Wirkung gehabt hätte, wenn man sie am 27. November getötet hätte. Die unbequeme Schlussfolgerung lautet: Für manche wird der Wert eines Lebens in Tagen des Wahleffekts gemessen.

Der Wahlkalender und die Kalkulation des Nutzens

Der 29. November erscheint im Thread als Schlüsseltermin. Welche Wahl genau gemeint ist, wird nicht spezifiziert, aber der Kontext ist kampagnenbedingt. Die häufigste Theorie besagt, der Tod sei zu früh gekommen, um nützlich zu sein. „Man hat sie zu früh getötet; für die Wahlen wird sich niemand daran erinnern“, schreibt ein Teilnehmer. Ein anderer geht weiter und behauptet, die Absicht sei gewesen, sie krank zu machen, damit sie in der Wahlwoche stirbt – ihr eigenes 11-M. Es ist eine unbegründete Spekulation, definiert aber den Ton.

Dagegen prangern einige die politische Instrumentalisierung des Todes von der anderen Seite an. Eine Nachricht beschuldigt „reiche Hippies, die von einer Regierung subventioniert werden, die vertuschen will, dass sie eine Richterin töten wollte“, die Verstorbene benutzt zu haben. Die Bezugnahme auf die Richterin und Sánchez‘ Bruder taucht in mehreren Nachrichten auf, immer als Anschuldigung ohne rechtskräftige Verurteilung. Der Artikel kann nichts davon als bewiesen darstellen.

Gegenseitige Anschuldigungen: von Sánchez bis Ayuso

Der Thread ist ein Ring. Auf der einen Seite wird Pedro Sánchez vorgeworfen, für Tausende Tode durch sein Management von Corona, der DANA, dem Stromausfall und Adamuz verantwortlich zu sein. Er wird Mörder und Verbrecher genannt. Auf der anderen Seite wird Ayuso der Tod alter Menschen in Pflegeheimen angelastet. „Ayuso trägt die Schuld an den Todesfällen in den Heimen und bei den Alten“, schreibt ein Teilnehmer. Die Polarisierung ist total.

Mitten drin versucht eine Strömung, auf die gerichtliche Verantwortung hinzuweisen: „Ob man PP oder Vox wählt, ändert nichts, denn es ist eine richterliche Entscheidung über ein Gesetz, das die PSOE verabschiedet hat.“ Dies ist die einzige Nachricht, die ein institutionelles Element statt eines persönlichen einführt. Der Rest ist Kreuzfeuer.

Verschwörungstheorien im Thread

Unbelegte Theorien fehlen nicht. Eine behauptet, Maricarmen sei ein künstlich erschaffener Bluff zur Rechtfertigung sozialer Ingenieursmaßnahmen, ähnlich wie dies beim Mord an Lucrecia Pérez 1996 und im Fall der „Manada“ von Pamplona geschehen sei. Eine andere besagt, das Krankenhaus, in dem sie starb, liege in einer Zone Madrits, wo elektromagnetische Kräfte Macht verleihen, weshalb Franco dort nie begraben werden wollte. Das sind Falschmeldungen, die der Artikel nicht als plausibel darstellt.

Andere sehen Vox‘ Hand im Spiel: „Nun, Vox sagt, es war die Linke.“ Und jemand antwortet mit einem Tweet, der die Verantwortung selbst Pedro Sánchez zuschreibt. Die Zirkulation ungeprüfter Tweets ist konstant.

Wirtschaftlicher Hintergrund: Zwangsräumungen und Wohnungsgesetz

Der Ursprung des Falls scheint bei einer Zwangsräumung zu liegen. Mehrere Nachrichten erwähnen, dass Maricarmen zwangsgeräumt wurde und ihr Fall im Kampf um Wohnraum genutzt wurde. „Sie wurde durch sozialistische Gesetze zwangsgeräumt und von der Mietergewerkschaft ausgenutzt, bis sie nicht mehr konnte“, schreibt ein Teilnehmer. Ein anderer kritisiert Dekrete, die seiner Meinung nach die Mietsituation verschlechtert haben: „Die Leute können keine verdammte Wohnung mieten.“

Die Diskussion dreht sich um das Wohnungsgesetz und seine Auswirkungen. Es wird erwähnt, dass Dekrete dazu geführt haben, dass manche Mietangebote verschwanden. Im Material gibt es keine konkreten Zahlen, aber die Wahrnehmung, dass die Regulierung den Markt angespannt hat. Dies ist der einzige Punkt, an dem der Thread Beleidigungen verlässt und wirtschaftliche Themen streift, wenn auch nur nebenbei.

Die Rolle der Justiz und der Institutionen

Die erste Nachricht fordert, die Justiz, Ayuso und die PP vor Volksgerichte zu stellen. Dies ist eine explizite Bedrohung des Rechtsstaats, die der Artikel nicht unterstützt. Im Thread rufen einige dazu auf, PP-Zentralen anzuzünden und jene zu verbannen, die sie als terroristische Verräter bezeichnen. Es sind Parolen, die nicht ohne Kontext wiedergegeben werden können, aber zeigen, wie weit die Spannung reicht.

Dagegen verteidigen andere Nachrichten, dass die PSOE in 30 der letzten 44 Jahre regiert habe und die Rechte nur regiere, wenn die PSOE es wolle oder dulde. Dies ist ein historisches Argument, das Daten einführt: 30 von 44 Jahren. Der Rest ist Meinung.

Hinter dem Lärm

Jenseits des Zirkus lässt der Thread eine unbequeme Frage offen: Kann man eine Erzählung politischer Schuld am Tod einer Person ohne Beweise konstruieren? Die Antwort des Materials lautet ja, es geschieht, und es funktioniert sogar. Die Nachrichten folgen ohne Überprüfung, Kontrast oder ärztliche Berichte. Der Tod wird zur Munition.

Der Abschluss ist keine Schlussfolgerung, sondern eine Feststellung: Maricarmens Tod wurde von beiden Seiten instrumentalisiert, bevor die Wahrheit bekannt ist. Erwartet irgendjemand, dass die politische Autopsie vor der juristischen kommt?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (130 Antworten).

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