Vance zu Grönland: „Wir ignorieren europäische Proteste“

J.D. Vance über Grönland: „Uns ist egal, was die Europäer schreien“. Ein Signal an eine EU ohne koordinierte Antwort.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Vance zu Grönland: „Wir ignorieren europäische Proteste“
Vance an Europa zu Grönland: „Uns ist egal, was sie schreien“

„Uns ist egal, was die Europäer schreien.“ Das dem US-Vizepräsidenten J.D. Vance zugeschriebene Zitat bezüglich Grönlands verwandelt einen territorialen Streit in eine Warnung: Die Insel, ein autonomes Gebiet unter dänischer Souveränität, wird von Washington als Angelegenheit behandelt, die nicht mit Brüssel abgestimmt werden muss. Hinter der Provokation stehen Seltene Erden und Kontrolle der Arktis, und es bleibt eine unbequeme Frage für Brüssel: Wer verteidigt ein europäisches Territorium, wenn der Anspruchsteller der Partner ist, der die Sicherheit des Kontinents trägt?

Hat die USA eine Militärbasis auf Grönland?

Ja, und zwar seit dem Kalten Krieg. Diese Einrichtung ist seit Jahrzehnten in Betrieb, ein Detail, das viel vom Lärm relativiert: Wäre das Ziel nur militärisch, wäre die Stationierung bereits abgeschlossen. Von diesem Punkt aus lautet die häufigste Lesart, dass die Entsendung eines symbolischen Kontingents nichts ändert – „200 weitere Soldaten für ein Foto schicken wird nichts ändern“, fasst ein Nutzer zusammen – und dass Bergbauunternehmen, die an der Insel interessiert sind, extrahieren können, was sie wollen, ohne die Flagge zu wechseln.

Bemerkenswert am Fall ist, dass das meistzitierte Element keine Rede des Präsidenten ist, sondern eine Nachricht von Katie Miller, der ehemaligen Kommunikationsdirektorin des Vizepräsidenten und Ehefrau von Stephen Miller, einem der härtesten Strategen des Trumpismus, die das Wort SOON neben einer Darstellung Grönlands mit der US-Flagge veröffentlichte. Laut den Verbreitern ist dies kein Meme, sondern eine Warnung.

Warum heißt es, Grönland bedrohe die Sicherheit der USA?

Weil eine rivalisierende Macht dort Basen errichten könnte, so das Argument einiger Teilnehmer. Die Logik ist einfach: Wenn China oder Russland sich auf der Insel niederlassen, hätten die Feinde potenziell 2.500 Kilometer von ihrem eigenen Territorium entfernt, und Washington bevorzugt ein neues Alaska statt dessen.

Der dagegen vorgebrachte Einwand ist ebenso direkt: Zwischen den USA und Grönland gibt es keine Landgrenze, und es liegen Tausende Kilometer Ozean dazwischen. Die Insel als existenzielle Bedrohung darzustellen, so diese Strömung, sei ein Vorwand. Wenn sie sie offen annektieren wollen, sollen sie es sagen.

Seltene Erden und eine Wirtschaft, die nicht allein steht

Das materielle Interesse ist unbestritten. Die mineralischen Ressourcen Grönlands – Seltene Erden – sind der Grund, der immer wieder zur Erklärung der Eile herangezogen wird, weit über jede strategische Überlegung hinaus.

Der andere ordnende Faktor ist wirtschaftlich: Die Insel hat eine defizitäre Wirtschaft und hängt von dänischen Transferzahlungen ab. Daher wird die lokale Unabhängigkeitsrhetorik skeptisch betrachtet; manche sehen darin eher eine Verhandlungsfunktion als einen echten Wunsch nach Trennung. Ein Territorium, das sich nicht selbst finanzieren kann, ist ein Territorium, das niemand mit der Rechnung erben will.

Europa: 450 Millionen Einwohner ohne militärische Trümpfe

Die Europäische Union zählt etwa 450 Millionen Einwohner und hat laut Debatte keine greifbare Antwort formuliert. Dieser Kontrast nährt die These, dass der Alte Kontinent in seine Phase der Bedeutungslosigkeit eingetreten sei und dass die Verteidigung Dänemarks – eines Vollmitglieds – letztlich bei demjenigen landen werde, der Ansprüche erhebt.

Es gibt Nuancen. Norwegen gehört nicht zur EU, operiert aber durch maßgeschneiderte Abkommen im Europäischen Wirtschaftsraum, was laut dieser Analyse zeigt, dass es Zwischenlösungen gibt, wenn politischer Wille vorhanden ist. Das Problem, so eine andere Linie der Debatte, ist nicht der Mangel an Instrumenten, sondern der Mangel an Regierungen, die bereit sind, sie einzusetzen.

Hawaii, 1898 und die Aufteilung von Einflusszonen, die niemand ausschließt

Der am häufigsten zirkulierende historische Vergleich ist Hawaii. Dort wurde zunächst eine Erklärung der Rechte 1839 und eine Verfassung 1840 promulgiert, die die Regierung in eine konstitutionelle Monarchie umwandelten; danach folgte der Vertrag von 1875, der zollfreie Zuckerexporte in die USA ermöglichte, und schließlich die Annexion. Die Parallele wird durch 1898 vervollständigt, das Jahr, in dem Washington Kuba, Puerto Rico, die Philippinen und Guam Spanien entriss.

Die düsterste Hypothese, die gehandelt wird – ohne jeglichen Beweis – ist eine Aufteilung von Einflusszonen zwischen Washington und Moskau, ähnlich dem Molotow-Ribbentrop-Pakt von 1939, wobei jeder in seinem Bereich tun darf, was er will. Befürworter erinnern daran, wie das endete.

Die Theorie der unsichtbaren Aktionäre

Im letzten Abschnitt taucht die klassische Verschwörungserklärung auf: Große Indexfonds – BlackRock, Vanguard Group, State Street – als letzte Eigentümer von allem, mit europäischen Aristokratien dahinter. Dies ist eine Lesart ohne dokumentarische Grundlage und dient vor allem dazu, Untätigkeit zu rechtfertigen: Wenn man nichts entscheidet, gibt es nichts zu entscheiden.

Das Ende der Sache wird nicht Brüssel bestimmen. Es wird die wenig epischste Zahl aller sein: Die Insel, die annektiert werden soll, hält sich nicht ohne dänische Transferzahlungen. Und dennoch hat jemand entschieden, dass es lohnt, lauter zu schreien als die Europäer.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (293 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver