USA nutzen Russland aus, Europa zahlt die Rechnung

Ein Foren-Beitrag argumentiert, dass der Westen die Ukraine gezielt aufrüstet, um Russland abzunutzen. Andere Nutzer warnen vor den hohen Kosten für Europa.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

USA nutzen Russland aus, Europa zahlt die Rechnung
Ein Foren-Beitrag argumentiert: USA nutzen Russland aus, während Europa die Rechnung zahlt

Die These des Beitrags ist unbequem für fast alle Beteiligten: Der Westen hat in der Ukraine nichts improvisiert. Jeder Schritt der militärischen Lieferungen – erst Panzerabwehrwaffen zur Abwehr des Vorstoßes auf Kiew, dann präzise Artillerie, danach Luftabwehr, gepanzerte Fahrzeuge und Flugzeuge – wurde angeblich im Takt der russischen Reaktionen kalibriert. So wirkte jede Bewegung des Kremls als Ursache statt als Folge. Das Ergebnis sei laut dieser Sichtweise ein Abnutzungskrieg, bei dem Russland Menschen und Material opfert, während die NATO nur Rechnungen stellt.

Die Stellvertreter-Armee, die der Westen nicht selbst schicken will

Das Kernargument lautet, dass eine klassische Invasion der NATO auf russischem Boden undenkbar sei: Ein Land mit enormen Verteidigungsausgaben, einer Bevölkerung, die Mobilisierungen ohne Widerspruch akzeptiert, einem großen, schwer zu kontrollierenden Territorium und einem Klima, das bereits andere Armeen verschlungen hat. Hinzu kommt, dass westliche Gesellschaften eigene Verluste schlecht tolerieren. Die Lösung, so diese Strömung, sei ein Pufferstaat, der die Toten stellt und Waffen erhält: eine Stellvertreter-Armee, die zudem in der Erzählung als demokratischer David gegen einen unzivilisierten Goliath verkauft wird.

Der am heftigsten diskutierte Punkt ist die vermeintliche Stärke der Ukraine. Ein Teil der Analyse betont, dass die ukrainische Gesellschaft seit 2014 im Krieg lebt, Wehrpflicht besteht und ihre Fähigkeit, Verluste zu absorbieren, unvergleichlich höher ist als die eines durchschnittlichen westlichen Landes. Für sie ist es ein Unabhängigkeitskrieg, eine existenzielle Frage. Der Einwand kommt von der demografischen Seite: Es wird argumentiert, dass das Land Millionen Einwohner durch Flüchtlinge und besetzte Gebiete verloren hat, seit Jahren unter einem demografischen Winter leidet und Zwangsmobilisierung bereits auf der Straße praktiziert wird. Die Schlussfolgerung dieses Lagers ist, dass die Ukraine einen Konflikt niedriger Intensität im Donbas hätte tragen können, aber nicht diese Intensität über längere Zeit.

Das perfekte Geschäft: Keine eigenen Verluste, fremder Abnutzung

Für Washington und die Rüstungsindustrie ist die Bilanz laut dieser Analyse unschlagbar. Es gibt keine eigenen Verluste, aber enorme russische Verluste an Menschen und Material. Die NATO, die aufgrund fehlender klarer Feinde eine „Hirntod“-Phase durchlitt, wurde durch einen Gegner reaktiviert, der realer denn je wahrgenommen wird. Sanktionen haben Russland der Technologie für Hochwertmodelle beraubt. Und die Lobbyisten der Verteidigungsindustrie, sowohl in den USA als auch in Europa, finden im Konflikt einen kaum zu übertreffenden Stimulus.

Manche gehen weiter und behaupten, das eigentliche Ziel war nicht nur Moskau. Die These lautet, dass die USA den Konflikt nutzen, um Europa zu entkapitalisieren: seine Energie verteuern, die Flucht von Industrie und Talent nach Amerika erzwingen und den Kontinent entwaffnet und abhängig hinterlassen. Der finale Profiteur wäre weder die Ukraine noch die NATO, sondern das Kapital, das den Atlantik überquert.

Der Bruch, der kein Zurück mehr kennt

Einer der weniger diskutierten, aber relevantesten Punkte ist kultureller Natur. Egal wer gewinnt, die Entfremdung zwischen der Ukraine und Russland wird als unüberbrückbar dargestellt. In Schulen wird Russisch nicht mehr unterrichtet, kremlnahe TV-Kanäle wurden geschlossen und das Netzwerk politischer Einflussnahme demontiert. Die Idee, dass eine hypothetische Besetzung Millionen Ukrainer integrieren könnte, wird als unhaltbar verworfen: Es wären Millionen Rebellen innerhalb russischen Territoriums. Auf diesem Feld hat Russland bereits verloren.

Das zweite verlorene Terrain ist energetischer Natur. Die Erpressung durch Gaslieferungen hat sich aufgelöst: Europa hängt nicht mehr vom russischen Supply ab, und obwohl die initialen Kosten hoch waren – Lagerfüllung zu astronomischen Preisen –, war das Trauma geringer als erwartet. Dies ist der zweite Hebel politischen Einflusses, den Moskau verliert.

Was, wenn der Koch ein anderer wäre?

Nicht alle kaufen die Erzählung. Eine Strömung behauptet, der US-Plan sei nicht gewesen, Russland zu schwächen, sondern das Gegenteil: es gegenüber einem Europa zu stärken, das jedes Jahr weniger von Moskau und Washington abhing und mit China flirtete. Aus dieser Lesart ist das Ergebnis das Gegenteil des Gewollten, da Russland nach Peking gedrängt wurde, genau das, was eine frühere Administration vermeiden wollte.

Ein weiterer Einwand besagt, dass Russland in keine Falle getappt sei: Es habe lediglich in seiner Einflusssphäre auf eine lange vorbereitete Einkreisung durch die NATO reagiert. Und eine dritte Warnung besagt, dass man die Henne, die goldene Eier legt, nicht schlachtet: Wenn Russland zusammenbrechen würde, wäre das Geschäft vorbei, also würde es im letzten Moment Sauerstoff erhalten.

Die verstörende Tatsache liegt nicht in einer Hauptstadt. Sie liegt darin, dass nach Jahren der Analysen niemand erklären kann, warum die europäische Industrie weiterhin die teuerste Energie der Welt bezahlt, während ihr wichtigster Verbündeter ihr Gas verkauft und ihr Fabriken abwirbt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (178 Antworten).

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