US-amerikanische und russische Spionageflugzeuge treffen vor Nowaja Semlja aufeinander

Eine RC-135W schaltete den Transponder aus, ein russischer Tu-214 drehte 90 Grad auf sie zu – vor Nowaja Semlja, nahe dem Marinestützpunkt Seweromorsk

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Russisches Weltuntergangsflugzeug und amerikanischer Spion kreuzen sich in der Arktis

Laut der Rekonstruktion eines Teilnehmers anhand der öffentlichen FlightRadar24-Daten schaltete eine amerikanische RC-135W Rivet Joint ihren Transponder aus, wieder ein und in diesem Intervall vollführte ein russischer Tupolew Tu-214PU-SBUS – das sogenannte Weltuntergangsflugzeug – eine 90-Grad-Drehung, offenbar in ihre Richtung. Die Szene spielt vor der Küste von Nowaja Semlja, nur wenige Kilometer von Seweromorsk entfernt, dem wichtigsten Marinestützpunkt der russischen Nordflotte. Zwei der ungewöhnlichsten Maschinen, die derzeit fliegen – und das nicht wegen ihrer Karosserie.

Die Rivet Joint ist laut dem Thread das beste oder eines der besten Spionageflugzeuge der Amerikaner: Ihre Sensoren erfassen die elektronischen Emissionen von Kommunikation, Radar und anderen Systemen, eingesetzt wird sie bei strategischen wie taktischen Missionen. Von der russischen Maschine existieren nur zwei Exemplare. Würde es ernst, ließen sich von einem davon die Befehle zum Start interkontinentaler Raketen durchgeben. Sie trägt die modernste Elektronik des russischen Arsenals. Dass beide im selben Quadranten der Arktis auftauchen, ist auf dem Papier alles andere als Routine.

Was der Tu-214PU-SBUS ist und warum er wichtig ist

Die Verwirrung über das russische Flugzeug zieht sich durch die ganze Diskussion. Manche verwechseln es mit der Il-80, der Il-96-Variante, die als Luftbefehlsstand dient. Das ist nicht dasselbe: Die Tu-214 ist kleiner und übernimmt laut den verfügbaren Daten Aufgaben in Kommunikation und elektronischer Kriegsführung. Der SBUS ist die Kommandoversion. Dass eines der einzigen beiden existierenden Exemplare startet und auf ein amerikanisches Spionageflugzeug zusteuert, weckt Misstrauen.

Ein Detail, das zusätzliche Spannung liefert: Tage zuvor war bekannt geworden, dass es in eine dieser Maschinen während eines Werkstattaufenthalts einen Eindringling geschafft hatte und möglicherweise Spionage betrieben worden sein könnte. Wie und wann blieb unklar. Unklar genug, dass die Flugbegegnung nicht mehr zufällig wirkt.

Die Geometrie der Zeiten: Wer zuerst startete

Die Routenrekonstruktion ist der spannendste Teil. Die zurückgelegte Distanz von den Startflughäfen bis zu den auf der Karte markierten roten Kreisen ist ungefähr gleich, für die Maschine aus dem Vereinigten Königreich etwas länger. Das legt nahe, dass der Russe möglicherweise abhob, als er wusste, dass der andere gestartet war. Oder es war Zufall, denn zunächst flog er geradewegs nach Osten.

Der seltsame Schwenk nach Norden kommt, als das amerikanische Flugzeug beim Erreichen des roten Kreises von der Bildfläche verschwindet. Vermutlich wurde man darauf aufmerksam und änderte den Flugplan. Die Geometrie der Begegnung ist auffällig, allerdings müsste der Amerikaner von russischen Flugzeugen aus dem Raum Murmansk abgefangen und begleitet worden sein, die ohne Transponder fliegen. Die Tupolew ist kein Abfangjäger. Sie ist das russische Pendant zum amerikanischen Flugzeug in Führungs- und Kommunikationsfunktion, kein Kampfflugzeug.

Der Präzedenzfall: Pelosis Flugzeug und das abgestürzte FlightRadar

Es ist nicht das erste Mal, dass Leute kleine Flugzeuge mit geöffneter App verfolgen, als wäre es der Spielstand eines Spiels. Bei Pelosis Flug stürzte FlightRadar wegen der Menge der Zuschauer ab. Neu ist diesmal die Größenordnung: Hercules C-130 aus Deutschland, ein A400 über dem Vereinigten Königreich, Eurofighter, ein F-15, bewaffnete Falcon 20 und Apache-Hubschrauber erscheinen. Alles gleichzeitig. Oder so scheint es dem, der mit dem Finger am Glas auf den Bildschirm schaut.

Die naheliegende Frage ist, ob es Übungen sind. Die ehrliche Antwort lautet: Das weiß von der Bartheke niemand. Sagen lässt sich nur, dass die Abfolge militärischer Starts in Westeuropa und das Aufeinandertreffen der beiden sensibelsten Maschinen beider Seiten in der Arktis nicht das übliche Szenario eines beliebigen Dienstags ist.

Die Wiederholung: Der Airseeker der RAF

Die Geschichte wiederholt sich, diesmal näher an Russland. Diesmal gehört das Flugzeug der RAF: ein Airseeker mit einer ungewöhnlichen Missionsroute, laut den geteilten Daten. Das Muster wiederholt sich: Aufklärungsflugzeug für elektronische Aufklärung, ungewöhnliche Route, sensibles Gebiet. Der Unterschied: Diesmal fliegt ein Brite, kein Amerikaner.

Das Spiel hat seinen technischen Reiz. Transponder gehen aus und an, Routen biegen ab, Radare zeichnen Würmer. Wer nur auf den Bildschirm schaut, sieht Punkte, die verschwinden und wieder auftauchen. Wer auf die Karte schaut, versteht, dass die Punkte dort sind, wo die wichtigen Dinge sind.



Mit diesen Bausteinen bleibt die Schlussfolgerung dort hängen, wo sie begann: zwei ganz besondere Flugzeuge, eine 90-Grad-Drehung und ein Zufall, der Routine sein kann oder eine Warnung. Niemand wird das von einem Bildschirm aus unterscheiden können. Und diejenigen, die es klären könnten, geben selten Erklärungen ab.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (98 Antworten).

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