Woher kommt 'England'? Unerwartete Etymologien
Warum könnte das bekannteste Ethnonym Europas eigentlich „krummer Mann“ bedeuten? Der Name England geht nicht auf einen König oder eine Schlacht zurück, sondern auf Anglia (Angeln), eine schmale Halbinsel im Süden des heutigen Dänemarks, von der aus die Angelsachsen stammen. Die Toponymie ist so rätselhaft, dass Philologen zwei völlig unterschiedliche Erklärungen diskutieren: Eine indoeuropäische Wurzel „-eng“, die eng, dünn oder schlank bedeutet – verwandt mit dem spanischen „enjuto“ und vielleicht „Aal“ – und eine andere Wurzel „-henk“, die krumm oder gebogen bedeutet, verwandt mit dem englischen „hook“, dem Anker und dem Winkel.
Kuriose Etymologien alltäglicher Wörter füllen ganze Bände, doch wenige sind so unterhaltsam wie jene, die sich unbemerkt in die Sprache einschleichen. Von den mesopotamischen Tafeln über das Griechische, Germanische bis zum Arabischen: Was heute an einer Bar gesagt wird, ist ein archäologischer Fundort. Der einzige Unterschied zur echten Archäologie besteht darin, dass dieser Fundort hier spricht.
Warum 'Kreuzkümmel' seit 5.000 Jahren denselben Namen trägt
Kreuzkümmel stammt vom akkadischen „gamun“ ab, dokumentiert auf mesopotamischen Keilschrifttafeln aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. Von dort ging es zu „kamūnu“, dann ins griechische „kyminon“ und schließlich zum römischen „cuminum“. Nach viertausend Jahren Wanderung durch verschiedene Sprachen nennen wir ihn immer noch gleich. Es ist wahrscheinlich das langlebigste sprachliche Fossil, das in einem Eintopf landet.
Auf dem Tisch koexistieren Wörter, die aus einem Ort zu stammen scheinen, aber von einem anderen kommen. In Cádiz heißt die Erbse „chícharo“, und der Begriff birgt kein Geheimnis: Er leitet sich vom lateinischen „cicer“ ab, das die Kichererbse bezeichnete. Dieselbe Wurzel bildet auch das Cognomen von Cicero, ein weiterer landwirtschaftlicher Familienname neben vielen anderen, die die Römer trugen, wie die Fabii (von den Bohnen) oder die Scipiones (von den Zwiebeln). Hülsenfrüchte haben ihre eigenen Viertel.
Und dann gibt es noch die Siesta, die kaum jemand mit Rom in Verbindung bringt. Sie kommt vom lateinischen „sens“, weil der römische Tag in vier Abschnitte zu je drei Stunden unterteilt war – prima, tertia, sens und nona – und die sechste Stunde genau mittags fiel, also in der Mitte des „meridies“. Das Zuhause bewahrt eine noch poetischere Verwandtschaft: „Hogar“ (Heim) und „hoguera“ (Lagerfeuer) sind ursprünglich dasselbe Wort, das Feuer, um das sich die Gruppe versammelte, bevor es Häuser mit Wänden und Türen gab.
Delirieren, Vers und Zählen: Wenn das Feld den Wortschatz diktierte
Latein war die Sprache der Bauern, und das zeigt sich selbst im abstrakten Vokabular. „Delirieren“ kommt von „delirare“, was bedeutet, aus der Furche zu geraten, die der Pflug zog; der Ackerstreifen hieß „lira“, und daraus entstand das Wort „Vers“. „Zählen“ leitet sich von „fruta“ ab, das zuvor „beschneiden“ bedeutete. Und „luxus“ bezeichnete die üppige Vegetation, die die Ernte ruinierte, lange bevor es Luxus bedeutete – samt dem pejorativen Beiklang, der ihm bis heute anhaftet.
Dieses Muster wiederholt sich in allen Sprachen: Jede Kultur zieht ihre Metaphern aus ihrer unmittelbaren Umgebung. Der Römer aus Feld und Furche; der Grieche aus dem Meer. Nicht umsonst kommt „Vernunft“ vom lateinischen „ratio“, den gezogenen Furchen zum Bestellen des Ackers, und Ökonomie vom griechischen „oikos“, dem Haus. Wenn jemand davon spricht, die Furchen seines Hauses gut zu verwalten, ist er wörtlicher als er denkt.
Bär, Wolf und Venus: Wörter, die aus einem Tabu entstanden
Manche Namen entstanden aus der Angst, den echten Namen auszusprechen. Im Russischen sagt man für Bär „miedwied“, buchstäblich „der Honigesser“, und in den germanischen Sprachen erhielt das Tier eine ähnliche Umschreibung: „der Wolf der Bienen“ oder einfach „das wilde Tier“, was „bear“ bedeutet. Der Grund ist ein prähistorisches Tabu, den Namen des wilden Tiers nicht zu nennen, um es nicht herbeizurufen. Der Mechanismus lebt weiter: In Indien vermeidet man es, direkt vom Tiger zu sprechen.
Gift ist ein anderer Fall der Umkehrung. Einer Erklärung zufolge, die im Text erwähnt wird, hängt das Wort mit Venus zusammen, weil viele jener Formeln nichts anderes waren als missglückte Liebestrank-Rezepte oder Versuche eines Potenzmittels, die schlecht endeten. Und sogar das „Amen“, das Gebete beschließt, trägt einen ägyptischen Schatten: Es könnte auf Amun zurückgeführt werden, den Gott, der in Theben herrschte, obwohl diese Hypothese nicht allgemein anerkannt ist. Ein Detail zum Nachdenken während der Messe, falls man zu denen gehört, die dabei nachdenken.
Karat, Panzer und Diana: Wenn das Wort seinen Beruf wechselt
Das Karat kommt vom arabischen „quirat“, das seinerseits vom griechischen „keration“ abstammt, dem Namen des Johannisbrotsamens. Da sie sehr regelmäßig waren, entsprachen fünf Samen einem Gramm, woraus sich ihre Verwendung zum Wiegen von Metallen und zur Prüfung ihrer Reinheit ergab. Ein Baumsame wurde zur Einheit des Luxus.
Schießpulver wurde in China als „Feuermedizin“ getauft, da es in den Öfen taoistischer Alchemisten entstand, die eigentlich etwas anderes suchten. Und der deutsche „Panzer“, so martialisch auf dem Papier, verbirgt eine häusliche Überraschung: Das Rüstungsteil, das den Bauch schützte, hieß im Italienischen „pansiero“, von „panza“ (Bauch); es ging ins Französische als „pansière“ über und von dort ins Deutsche als Rüstung, „Panzer“. Der „Panzerkampfwagen“ ist nichts anderes als ein gepanzertes Kampffahrzeug. Ein ganzer Bauch mit Ketten.
Ähnliches geschieht mit der „Diana“. Der militärische Weckruf am Morgen stammt vom italienischen „diana“, abgeleitet von „dì“ (Tag), weil er den Sonnenaufgang ankündigte. Der Sprung zum Schießziel ist unter Etymologen noch nicht geklärt, obwohl die Jagdgöttin Diana die häufigste Brücke darstellt.
Andalusien, Marokko, Bilbao: Namen, die niemand abschließend erklärt hat
Für Andalusien gibt es weiterhin keine abschließende Erklärung. Es wird mit Al-Ándalus assoziiert, und Al-Ándalus könnte von den Vandalen stammen, dem germanischen Volk, das aus der Ostsee-Region aufbrach und in Nordafrika landete. Bis dahin rund. Das Problem ist, dass „wandjaz“ „vagabundierend“ oder „heimatlos“ bedeutete, sodass die fotogenste Region Spaniens ihren Namen einer Bande von Landstreichern verdanken würde. Der Witz erklärt sich von selbst. Aber man sollte bedenken, dass Toponyme selten das sind, was sie scheinen, und dass auf der iberischen Halbinsel tartessische, phönizische, turdetanische und römische Schichten überleben, die jeder späteren Eroberung vorausgehen.
Marokko hat einen saubereren Ursprung: Sein Name leitet sich von Marrakesch durch Synecdoche ab, ebenso wie „Maurer“ sich auf die „Mauri“ bezieht, die Bewohner des römischen Mauretanien, ohne die pejorative Konnotation, die ihnen später angehängt wurde.
Und in Bilbao kursiert eine Legende aus Stahl: Ein kurzes Schwert, das mit der linken Hand geführt wurde, um den Feind zu erledigen, wenn er mit dem langen Schwert beschäftigt war, das in der anglo-sächsischen Welt „bilbo“ genannt wurde und das Shakespeare erwähnte. Im hispanischen Raum ist der Name umstritten, zwischen „Misericordia“ und „bizkainischem Dolch“, aber die Anekdote ist ihr Gewicht in Eisen wert.
England ist das Land der dünnen Männer, oder der krummen, oder der Aalpasteten. Suchen Sie sich aus. Wir einigen uns seit zweitausend Jahren nicht, und es wird nicht heute Nachmittag geschehen. Zu diesem Zeitpunkt ist es fast nebensächlich: Das Wort ist bereits ausgesprochen, und niemand nimmt es zurück.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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