Universität La Rioja leitet Verfahren gegen Studenten ein

Die Universität La Rioja eröffnet ein Ermittlungsverfahren gegen Studenten wegen vulgärer Nachrichten in einem privaten Chat. Eine mögliche Sanktion reicht bis zu drei Jahren Exmatrikulation.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Universität La Rioja leitet Verfahren gegen Studenten ein
La Rioja leitet Verfahren gegen Chat-Studenten ein

Ein privater Chat sollte niemanden dazu zwingen, sich vor einer Universität rechtfertigen zu müssen. Die Universität La Rioja hat ein Ermittlungsverfahren gegen mehrere Studenten eingeleitet, weil sie in einem WhatsApp-Chat geschrieben haben, und die Bandbreite der möglichen Strafen — von zwei Monaten bis zu drei Jahren Exmatrikulation — hat eine Angelegenheit unter Studierenden in einen Konflikt darüber verwandelt, wo die Privatsphäre endet und die Kontrolle über die Rede beginnt. Die Welle der Empörung begann mit einer medialen Verbreitung aufgrund eines Posts in den sozialen Medien eines allgemeinen Senders und ist seitdem nicht mehr abgeebbt.

Was vorgeworfen wird und welche Strafe droht

Die Fakten sind in der veröffentlichten Version klar umrissen. Eine Gruppe von Studenten, die laut öffentlichen Reaktionen zukünftige Grundschullehrer sein sollen, tauschte vulgäre Kommentare über Frauen in einem WhatsApp-Chat aus. Unter den beanstandeten Ausdrücken befindet sich einer, der zum Schlagzeilenmaterial wurde: „Man muss ihnen ihre Slips zerreißen“. Laut den Verteidigern der Studenten enthält das Verbreitete keine konkrete Drohung, keinen Plan und kein identifiziertes Opfer.

Was die Universität selbst getan hat, war, einen Briefkasten für Hinweise oder formelle Beschwerden einzurichten, mit einer E-Mail-Adresse des Bereichs für Gleichstellung und Inklusion. Diese Geste, als Institutionalisierung der öffentlichen Bloßstellung interpretiert, schürte die Gemüter noch weiter. Das Ermittlungsverfahren ist der Schritt vor jeder Sanktion: Es entscheidet nichts allein, öffnet aber die Tür dafür, dass eine andere Stelle die endgültige Entscheidung trifft.

Vom Verfahren zum Berufsverbot für angehende Lehrer

Die Reaktion beschränkte sich nicht auf die akademische Bestrafung. Die Forderung, dass die Sanktion weiter gehen sollte, kam aus der politischen Ecke: „Anstatt eines Ermittlungsverfahrens sollte man ihnen verbieten, zukünftige Grundschullehrer zu werden“, schrieb Puri Gonzalo in den sozialen Medien. Das zugrunde liegende Argument — dass jemand, der so etwas schreibt, nicht vor einer Klasse stehen sollte — führt dazu, lebenslange Konsequenzen statt einer bloßen zeitlichen Korrektur zu fordern.

Hier zeigt sich der erste ernste Riss im Fall. Ein universitäres Verfahren wird mit wochenlanger Suspendierung oder, im Extremfall, mit Exmatrikulation vom Zentrum geahndet. Ein Berufsverbot ist etwas anderes: Es betrifft den Abschluss, die zukünftige Registrierung bei der Kammer und praktisch die gesamte Karriere von Personen, die ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen haben.

Die Leckage des Chats und das Verbrechen, das niemand verfolgt

Der Punkt, der am meisten Unbehagen bereitet, ist nicht das Geschriebene, sondern wie es ans Licht kam. Die Verbreitung von Gesprächen aus einer privaten Gruppe könnte, wie im Thread behauptet wird, Geheimnisverrat darstellen, wobei der Datenschutz im Hintergrund steht. Einige argumentieren, dass die Geldstrafe für Verstöße gegen die Vorschriften bis zu 20 Millionen Euro betragen könnte, und dass dies das eigentliche Verbrechen sei, nicht die Worte einiger junger Leute. Die Paradoxie ist unbequem: Gegen die Schreiber wird ermittelt, während die Leckage, der Ursprung des Ganzen, weiterhin ohne benannten Verantwortlichen bleibt.

Im Thread wird behauptet, dass das Verbreitete nicht erlaube, von geplanten Drohungen oder von wirklich alarmierenden Verbrechen zu sprechen. Was behauptet wird, ist, dass ein Ausrutscher in einer Gruppe zu einer allgemeinen Anklage gemacht wurde.

Die Anschuldigung der Infiltration, die den Fall neu definiert

Das Drehbuch nahm eine Wendung durch eine in den sozialen Medien verbreitete Anschuldigung: Eine Studentin aus dem Chat habe angezeigt, dass Journalisten aus dem Umfeld von Moncloa (dem Sitz der spanischen Regierung) in ihren WhatsApp-Chats infiltriert hätten, die Konversation manipuliert hätten und dass die Beschuldigten Freunde von ihr seien. Dies ist eine unbestätigte Version ohne bekannte Lösung, aber sie reichte aus, um das mediale Interesse abrupt zu ersticken. Es ist die Art von Wendung, die einen Skandal in ein Problem für diejenigen verwandelt, die ihn angestoßen haben.

„1984“, die Stasi und der Puritanismus 2.0

Um den Fall herum wurde eine breitere Erzählung aufgebaut, die der Kontrolle der Rede im Netz. Auf das Präzedenzfall von Gesängen in einem Wohnheim, die ebenfalls zur Schlagzeile wurden, wird verwiesen, und im Thread wird behauptet, dass das Weltwirtschaftsforum seit langem mehr Befugnisse der Staaten fordert, um das im Umlauf befindliche Material zu kontrollieren. Der Vergleich mit der Stasi und der DDR taucht alle paar Nachrichten auf; der mit der Inquisition auch. Und dazwischen eine wiederkehrende Ironie: die öffentliche Investition in Gleichstellungspolitik, in einer Nachricht auf 20 Milliarden Euro beziffert, während die reale Debatte über eine WhatsApp-Gruppe geführt wird.

Der Name des Streits. Was einige als demokratische Hygiene sehen — die Bestrafung sens Kommentare — lesen andere als ersten Schritt eines Systems, das verurteilt, was privat gesagt wird.

Zum Zeitpunkt dieser Diskussion hat weder die Universität noch sonst jemand etwas gelöst: Das Verfahren ist weiterhin offen, die Urheberschaft der Leckage ungeklärt und die Sanktionen nicht konkretisiert. Mit diesem Bild ist die vorsichtigste Prognose, dass die Institution nichts unternehmen wird, bis der Lärm abnimmt. Angesichts dessen, wie sich die öffentliche Debatte aufheizt, wäre es jedoch seltsam, wenn sie abflaute.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (200 Antworten).

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