Undone: Zwei Staffeln und ein Finale, das Multiversen neu definiert

Die Amazon Prime Animationsserie Undone nutzt Rotoskopie, um in zwei Staffeln und einem überraschenden Finale Multiversen und Zeitlinien darzustellen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Undone: Die Serie, die Multiversen greifbar macht

Undone ist eine Animationsserie auf Amazon Prime Video mit zwei Staffeln zu je acht Folgen von zwanzig Minuten. Besonders die zweite Staffel bietet laut Kritikern eine der klarsten Darstellungen des Multiversum-Konzepts. Statt Wurmlöchern oder Physikgleichungen stehen eine junge Frau, ihre Familie und ein Vater im Mittelpunkt, der aus dem Tod zurückkehrt, um einen unmöglichen Gefallen zu erbitten.

Alles beginnt, als Alma – ein Name, der laut Analysen nicht zufällig gewählt ist – ihren bei einem Unfall verstorbenen Vater sieht. Der Schock löst einen Zusammenbruch aus, nach dem ihre Wahrnehmung der Zeit außer Kontrolle gerät. Er bittet sie, ihre neu entdeckte Fähigkeit zu nutzen, in die Vergangenheit und zwischen Zeitlinien zu reisen, um die wahre Ursache seines Todes zu klären. Was in Staffel eins wie ein übernatürlicher Thriller mit familiärem Gedächtnis wirkt, entwickelt sich später zu einer Reflexion über Zeit, Bewusstsein und freien Willen.

Worum geht es in Undone wirklich?

Die Serie spielt früh mit einer unbequemen Ambivalenz. In der ersten Staffel wird angedeutet, dass Alma Schizophrenie hat – für Außenstehende unmöglich von echten mystischen Erfahrungen zu unterscheiden. Ist Realität nur eine Illusion? Kann man den Schleier durchbrechen? Lässt sich Vergangenes ändern oder in eine alternative Realität springen?

Das ist das Terrain, auf dem sich die Serie bewegt. Hier wird Fiktion mehr als Unterhaltung; sie funktioniert fast wie ein Handbuch ohne Text: Sie erklärt keine Theorie, sie inszeniert sie. Staffel eins ist gut, sogar sehr gut, aber der eigentliche Schlag folgt danach.

Rotoskopie: Künstlerische Technik oder getarnte Faulheit?

Die Serie verwendet Rotoskopie, eine Technik, bei der Aufnahmen mit realen Schauspielern animiert nachgezeichnet werden. Protagonistin Alma trägt das Gesicht und die Gesten der Schauspielerin Rosa Salazar. Ihr verstorbener Vater wird von dem Schauspieler verkörpert, der Saul Goodman in Breaking Bad und Better Call Saul spielte – hier als verschwundener Elternteil und Stimme des Gewissens.

Das Ergebnis spaltet die Gemüter. Manche sehen darin einen ästhetischen Gewinn, der das Traumhafte und Unrealistische unterstreicht; andere betrachten es als Filter, der Mimik verschlechtert und nichts Neues gegenüber Live-Action-Aufnahmen bietet. Das Kino hat dieses Feld bereits erkundet: A Scanner Darkly (nach Philip K. Dick) und Apollo 10½, beide von Richard Linklater, nutzten dieselbe Methode.

Kontroverse um ideologische Voreingenommenheit

Nicht alle Reaktionen waren enthusiastisch. Ein Teil des Publikums argumentierte, dass Undone eine deutliche identitätspolitische Voreingenommenheit in Besetzung und Figurenzeichnung aufweise – eine Lesart, die sich wiederholt und erklärt, warum die Serie sowohl heftige Zustimmung als auch Ablehnung hervorruft.

Dagegen verteidigen Befürworter – einschließlich des Thread-Eröffners, der diese Einwände anerkannte – dass die Tiefe des Themas und die finalen Episoden alles andere wettmachen. Die Uneinigkeit bleibt bestehen.

Die letzten zwei Folgen, die alles verändern

Wenn etwas rechtfertigt, die ganze Serie durchzustehen, dann ihr Ende. Die letzten beiden Episoden der zweiten Staffel, besonders die allerletzte, gelten weithin als eine der besten audiovisuellen Darstellungen des Multiversums überhaupt. Es geht nicht um Sprünge zwischen Universen mit Spezialeffekten, sondern um eine Inszenierung, in der die möglichen Leben derselben Familie mit einer Klarheit entfaltet werden, die selten erreicht wird.

Staffel zwei startet langsamer, teils aufgeblasen und unstrukturiert; manche brachen dort ab. Der Konsens lautet jedoch, dass es lohnt, diesen Teil zu ertragen: Das Finale ordnet alles Vorherige neu und lässt Staffel eins, obwohl gut, eher als Vorbereitung erscheinen. Um das zu verstehen, muss man Staffel eins gesehen haben.

Multiversen, Bewusstsein und das Problem der fremden Seele

Die Serie wirft eine unbequeme metaphysische Frage auf, die Zuschauer intensiv diskutieren: Wenn Alma ihr Bewusstsein in eine Zeitlinie verschieben kann, in der eine andere Version von ihr bereits lebt, mit welchem Recht besetzt sie das Leben einer anderen Seele? Das konzeptuelle Fundament liegt näher am New-Age-Denken als an Buchreligionen, was diesen Konflikt ungelöst lässt.

Daraus ergibt sich eine weitere Interpretation: Die Serie handelt nicht vom Zeitreisen, sondern davon, das Bewusstsein zwischen parallelen Realitäten zu bewegen, wo jede Entscheidung eine Linie kollabieren lässt und eine neue öffnet. Zur Original-Linie zurückzukehren wäre in diesem Rahmen kein Scheitern, sondern eine Form der Akzeptanz. Die Geschichte endet nach Staffel zwei; eine dritte gibt es nicht.

Wer sich engagiert, hat Hausaufgaben: Eine Empfehlung zur Verlängerung des Eindrucks ist The Man in the High Castle, ebenfalls auf Amazon, basierend auf Philip K. Dicks Roman.

Was Almas Schlussmonolog genau bedeutet – ob ihre Rückkehr Kapitulation oder freie Wahl ist –, bleibt unter Zuschauern umstritten. Die Fiktion schließt ab. Die Diskussion nicht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (120 Antworten).

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