Ukrainische Flüchtlinge protestieren gegen Bedingungen auf Mallorca

Flüchtlinge im Hotel Palma Bellver in Spanien kritisieren entwürdigende Behandlung und schlechte Organisation ihrer Verlegung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Ukrainische Flüchtlinge protestieren gegen Bedingungen auf Mallorca
Ukrainische Flüchtlinge protestieren gegen Bedingungen auf Mallorca

Sechzig Personen, die in einem Vollpensionshotel in Palma untergebracht sind, klagen über eine „entwürdigende Behandlung“. Sie fordern weder Essen noch Betten; sie wollen vorab informiert werden. Der Protest, berichtet vom balearischen Rundfunk, stellt erneut die unbequeme Frage jeder Aufnahme: Was schuldet man den Menschen, die vor dem Krieg fliehen, und was kann man von ihnen erwarten?

Die Gruppe, etwa sechzig ukrainische Flüchtlinge, wohnt im Hotel Palma Bellver. Ihrer Darstellung nach war der Auslöser ein Zettel, der unter jede Tür geschoben wurde: Man müsse sich auf die Verlegung vorbereiten. Ohne weitere Details und ohne Vorlaufzeit.

Was die im Hotel in Palma untergebrachte Gruppe fordert

Zwei Dinge, keines davon betrifft das Menü. Erstens Information: zu wissen, wann und wohin sie verlegt werden. Zweitens die Möglichkeit, ihre Kinder einzuschulen. Von dort aus weitet sich die Unzufriedenheit auf fast alles andere aus: Regularisierung, Dienstleistungen und eine Behandlung, die sie als bürokratisch statt menschlich empfinden.

Der Vorwurf der „entwürdigenden Behandlung“ gegenüber dem Cruz Roja (Spanisches Rotes Kreuz) und den Behörden kollidiert mit der Szene: Hotelzimmer, serviertes Essen und eine vom Cruz Roja und den Behörden organisierte Aufnahme. Die beiden Erzählungen passen nicht zusammen, und daraus entsteht der Großteil des Konflikts. Manche sehen darin überzogene Forderungen, andere das absolute Minimum nach einer halben Europa-Durchquerung.

Darunter liegt ein weiterer Verdacht: Die Erwartungen wurden weit weg geformt. Wer Deutschland imaginiert, aber in einem Hotel in Palma landet und am nächsten Morgen verlegt werden soll, reagiert anders als jemand, der genau das erwartet hat.

Verlegung ins Krankenhaus Son Sant Joan und zur Schule La Salle

Das Zettelchen unter der Tür legte die Bewegung für Mittwoch und Donnerstag fest. Die meisten sollten ins Krankenhaus Son Sant Joan, zehn Familien zur Schule La Salle. Das ist grundsätzlich kein dramatisches Ziel. Das Problem, bestehen sie darauf, sei die Form: erst am Vortag erfahren und ohne Spielraum.

Hier wird der Fall mehr als eine Anekdote; er wird zum Muster. Die Notfallaufnahme funktioniert über Hotels und Schichten, und die Fristen werden für die Organisatoren gesetzt, nicht für die Ankommenden. Bei einer neu angekommenen Gruppe ohne familiäres Netz und mit Kindern macht der Unterschied zwischen drei Tagen und zwölf Stunden Vorwarnzeit alles aus.

Warum die Aufnahme immer mit anderen Flüchtlingen verglichen wird

Die Diskussion driftet schnell zu anderen Episoden ab. Es wird daran erinnert, dass es bereits Auseinandersetzungen mit syrischen Flüchtlingsgruppen wegen Menüs oder ländlicher Ziele gab, die nicht passten, und auf Unterschiede in der Behandlung zwischen denen aus der Ukraine und denen aus Afrika hingewiesen. Dies ist keine neue These; es ist der Vergleich, der jedes Mal auftaucht, wenn über Aufnahme diskutiert wird.

Manche behaupten, dass der Westen Flüchtlinge mit Armen verwechselt. Daher der Konflikt: Eine karitative Antwort wird für Menschen aufgebaut, die sich nicht als Begünstigte sehen. Wer aus der Mittelschicht kommt und Wohnung sowie Schule erwartet, findet Herbergen und Warteschlangen vor.

Warum wird erwartet, dass sie dort leben, wo Spanier nicht hinwollen?

Weil die Landkarte der Aufnahme die Landkarte des entvölkerten Spaniens ist. Die verfügbaren Ziele sind schlecht angebundene Dörfer, und es braucht wenig Fantasie: Kaum ein Spanier würde dorthin ziehen, ohne Arbeit oder Wurzeln. Die gegenseitige Enttäuschung war vorhersehbar. Manche fassen es drastisch zusammen: Was hier niemand will, wird nicht magisch begehrenswert, nur weil jemand von außen kommt.

Hinzu kommt die Sprachbarriere. Offizielle Informationen kommen auf Katalanisch, und manche scherzen, dass dies zusätzliche Schwierigkeiten für jene bringt, die sich bereits blind durchschlagen. Der Witz ist schlecht; das Problem ist real: Verfahren, Schulen und Mitteilungen in einer Sprache, die sie nicht sprechen.

Kosten der Aufnahme: Hotel, Hilfe und Arbeit

Geld schwebt über der gesamten Diskussion. Es geht um Taschengeld, Unterkunft und Vollpension, um eine steuerfinanzierte Aufnahme und einen Arbeitsmarkt, der kaum mehr als Hungerlöhne bietet. In diesem Rahmen wird das Jobangebot zur Falle: Manche berichten, dass ihnen Arbeit für etwa 400 Euro im Monat angeboten wurde.

Es kursieren auch Einzelfälle, die kollektiv nicht überprüfbar sind: Eine Flüchtlingsfrau, die laut dieser Erzählung von Wohltätigkeit lebt und weniger als 50 Euro auf dem Konto hat, während sie ihr Weniges in Cafés ausgibt. Ein isolierter Datenpunkt ergibt kein Muster, nährt aber ein Misstrauen, das ohnehin schon vorhanden war.



Mit ungelöstem Krieg wird jede Verlegung zum Test für die Verwaltung und zum Spiegelbild für das Aufnahmeland. Die Frage ist nicht, ob sich sechzig Leute im Hotel zu viel beschweren. Die Frage ist, welches Aufnahmemodell den nächsten Flug übersteht.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (114 Antworten).

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