Türkei hebt Veto gegen NATO-Beitritt von Schweden und Finnland auf

Die Türkei hat den Weg für den NATO-Beitritt von Schweden und Finnland frei gemacht. Damit wird die Allianz nach Norden erweitert, während die Interessen Erdogans im Fokus stehen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Türkei hebt Veto gegen NATO-Beitritt von Schweden und Finnland auf
Türkei hebt Veto auf und erweitert NATO nach Norden aus

Was hat die Türkei dafür bekommen? Diese Frage stellt sich sofort, nachdem Ankara bestätigt hat, dass es seinen Einspruch gegen den NATO-Beitritt von Schweden und Finnland zurückzieht. Diese Geste löst die Erweiterung des Bündnisses aus und erfolgt, während der Krieg in der Ukraine noch andauert. Die Türkei verschenkt nichts: Niemand in der Diskussion glaubt, dass dieser Kurswechsel auf Altruismus beruht. Das Rätsel ist die Rechnung.

Was die Türkei im Gegenzug erhält

Die am häufigsten genannte Hypothese ist, dass Ankara seine Bezahlung bereits sicher hat. Der Top-Kandidat ist die F-35: am selben Tag, an dem das Veto aufgehoben wird, kursiert die Idee, dass die Türkei wieder in das Kampfflugzeug-Programm aufgenommen wird, aus dem sie ausgeschlossen worden war. Parallel dazu werden die F-16 als unmittelbares Verhandlungsmasse genannt, ebenso wie größere Handlungsfreiheit in Nordsyrien und im Konflikt mit den Kurden. Es gibt nichts geschenkt, resümiert die zynischste Seite: Erdogan unterschreibt nicht ohne Gegenleistung.

Die Geste selbst – eher das „Lüften eines Schleiers“ als das Aufheben eines Vetos, wie es einige ironisch kommentieren – passt zu einem Muster: Die Blockade wurde so lange aufrechterhalten, bis etwas zu fordern war. Ob dies militärische Ausrüstung, regionaler Handlungsspielraum oder beides ist, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt Spekulation und keine bestätigte Tatsache.

Finnland und Schweden geben ihre Neutralität auf

Die zweite Seite der Angelegenheit ist die Frage, was die neuen Mitglieder verlieren. Es wird daran erinnert, dass Finnland im laufenden Jahrhundert eine Position der Neutralität ohne Probleme mit seinem Nachbarn einnahm und dass der nach dem Zweiten Weltkrieg unterzeichnete Vertrag es dazu verpflichtete, keine Bedrohung darzustellen. Diese Neutralität aufzugeben, bedeutet nach dieser Lesart, Russland zu sagen: Wir wollen dein Feind sein.

Dem gegenüber steht die am häufigsten zitierte historische Antwort: Die beiden russischen Versuche, Finnland zu invasion zu unternehmen – 1919 und in den 40er Jahren – und die Erinnerung an Karelien sind tief im finnischen Bewusstsein verankert. Ein bescheidenes und stolzes Volk, heißt es, das Jahrzehnte lang im Hintergrund blieb und dem Moskau nun den Vorwand geliefert hat, nicht mehr unterzutauchen.

Die wirtschaftlichen Kosten, die in den Schlagzeilen fehlen

Das unangenehmste Argument für die neuen Partner ist die materielle Rechnung. Der NATO-Beitritt bedeute, Russland als einen Feind zu haben, den man zuvor nicht hatte, Raketen, die auf Helsinki und Stockholm zielen, die es zuvor nicht gab, und einen erzwungenen Rüstungskauf bei den USA. Zudem werden Gas und Öl teurer, während die Inflation die Bevölkerung belastet.

Dies ist eine Kalkulation, die nur auf einer Seite der Debatte auftaucht und nicht verifiziert ist, aber sie reproduziert das Muster, das bereits bei anderen Ländern diskutiert wurde: Sicherheit wird gekauft, und der Steuerzahler bezahlt sie. Was für ein Fehler, lautet das Fazit derjenigen, die diesen Absatz verfassen. Die Frage ist, ob der Preis die Berichterstattung wert ist.

Warum erweitert sich die NATO nach Osten?

Hier prallen die Fronten aufeinander. Eine Position besagt, dass das Bündnis nicht nach irgendeinem Plan „expandiert“: Es sind die Länder, die von sich aus den Beitritt fordern, und man müsse sich nur fragen, warum alle Nachbarn Russlands um Mitgliedschaft bitten, sobald sie können. Es wird daran erinnert, dass die baltischen Staaten schon lange dabei sind, sie grenzen an Russland und sind fast so nah an Moskau wie die Ukraine, ohne dass dies Raketen vor ihre Tür gebracht hat.

Die gegenteilige Version zeichnet eine langfristige Strategie: Russland Schritt für Schritt einzukreisen, mit 1999 und Jugoslawien als erstem Meilenstein, gefolgt von Afghanistan, Irak, Libyen und Syrien, bis die Dynamik in Syrien unterbrochen wurde. Die Diskussion beinhaltet auch, dass Finnland seit zwanzig Jahren keinen Antrag gestellt hatte und dass seine Wende erst erfolgt, nachdem die Idee der Bedrohung von außen verkauft wurde. Jede Seite hat ihre eigene Landkarte und ihre eigenen Daten.

Kuba, Venezuela und die russische Antwort

Der dritte Strang der Angelegenheit ist die Vergeltung. Der zugrunde liegende Verdacht: Wenn die NATO unkonventionelle Waffen in der Nähe Russlands stationiert, wird Russland mit Raketenbasen auf Kuba reagieren, und darüber wurde bereits gesprochen. Die Parallele zu Kuba ist explizit, mit der Warnung, dass es ausreicht, wenn Moskau vermutet, dass ihm in weniger als fünf Minuten ein Projektil zugeworfen werden könnte.

Am anderen Ende wird Venezuela genannt: Einige sind der Meinung, dass das Regime keine russischen Einrichtungen beherbergen würde, da seine Priorität das Überleben und der Machterhalt ist, nicht das als Spielfeld für andere zu dienen.



Mit diesen Voraussetzungen ist die NATO-Erweiterung nach Norden besiegelt, aber die Kernfragen bleiben ungeklärt: Was wurde der Türkei versprochen, wie viel wird es Schweden und Finnland kosten und wird sich Moskau auf Proteste beschränken oder in der Karibik aktiv werden? Diesen Lesarten zufolge hat die Türkei bereits kassiert. Die Rechnung für die anderen steht noch aus.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (102 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver