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Tintin: Die Top-3-Diskussion unter Hergé-Lesern
Der Fall Kalkül, Die Juwelen der Sängerin und Flug 714 nach Sydney führen eine umstrittene Rangliste an.
Welches ist das beste Tintin-Album? Die Frage wirkt harmlos, doch kaum gestellt, entbrennt ein Streit. Manche sehen Der Fall Kalkül als Hergés erzählerischen Höhepunkt: geopolitische Intrigen, die Entführung eines Wissenschaftlers, der Schatten des Kalten Krieges und ein atemberaubendes Tempo – ohne Safari oder exotische Expeditionen. Andere sind ebenso überzeugt, dass Die Juwelen der Sängerin das ultimative Meisterwerk sei; ein Drehbuch, so argumentiert man, das Billy Wilder oder Ernst Lubitsch hätte schreiben und mehrere Oscars gewinnen können. Zwischen diesen Polen kämpfen ein Dutzend Alben um den dritten Platz.
Was ist laut Lesern der beste Tintin-Comic?
Es gibt keinen Konsens, und genau das macht es interessant. Der Fall Kalkül taucht immer wieder ganz oben auf: Es wird als reiner Spionage-Thriller mit Bordurien und Syldavien im Hintergrund beschrieben, mit der rundesten Erzählweise der gesamten Serie. Die Juwelen der Sängerin erzeugt den gegenteiligen Effekt: Einige Leser geben zu, ihre Vorliebe nicht zu verstehen, und versprechen, sie erneut zu lesen, während andere sie direkt auf Platz eins setzen. Flug 714 nach Sydney hat seinen eigenen Moment in der Comic-Geschichte: Der Kampf zwischen Rastapopoulos und Laszlo Carreidas im japanischen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, wo sie unter dem Einfluss von Scopolamin diskutieren, wer im Leben niederträchtiger war. Zwei Egozentriker, die ihre wahren, lächerlich kleinlichen Persönlichkeiten offenbaren. „Unglaublich, Hergé“, fasst ein Leser zusammen.
Der schwarze Goldschakal, Ottokars Zepter und die Mond-Trilogie
Der dritte Podestplatz ist ein Schlachtfeld. Der schwarze Goldschakal erscheint in fast allen Listen, meist zwischen Platz eins und vier. Ottokars Zepter hat Fürsprecher, die es als das Werk betrachten, das Syldavien definiert: Staatsstreich, Dokumentenfälschung und eine Handlung, die den Anschluss würdigt, mit einem bereits gereiften Hergé, der ein fiktives Königreich meisterhaft aufbaut. Die Mond-Alben —Ziel: Mond und Aufbruch zum Mond— werden wegen der Präzision und Detailtreue geschätzt, mit der alles dargestellt wurde. Manche erinnern sich daran, später den Film Von der Erde zum Mond gesehen zu haben, nur wenige Monate zuvor erschienen, und ihn praktisch identisch vorzufinden.
Tintin in Tibet und das Argument der Freundschaft
Eine Strömung vertritt die Ansicht, dass Tintin hauptsächlich von Freundschaft handelt und dass Tintin in Tibet deren Höhepunkt ist. Das Wiedersehen mit Chang, die Wahrnehmung eines Freundes in Not als stärkste Kraft überhaupt. Es ist ein persönliches Werk Hergés über seinen chinesischen Freund, und das spürt man. Am anderen Ende stehen Tintin im Kongo und Tintin in Amerika, die deutlich unter dem Rest der Sammlung rangieren. Eine Besonderheit ist Tintin im Lande der Sowjets: Es war jahrzehntelang faktisch zensiert, erschien erst 1973 wieder als Album und wurde erst 1999, zum 70. Jubiläum, in die vollständige Sammlung integriert. Ein Exemplar der Erstausgabe von 1930 ist heute ein kleines Vermögen wert.
Alph-Art: Unvollendetes Werk oder unvergessliches Finale?
Die Frage nach Alph-Art schwebt über der gesamten Diskussion. Ist es eines der schlechtesten Alben oder ein unvollendetes Werk, mit dem Hergé den Abenteuern Tintins ein unvergessliches Ende geben wollte? Manche sehen es in der Linie von Tintin und die Picaros, einem Tintin, der bereits in den Achtzigern spielt, und betrachten das von Rodier gelieferte Ende als Kanon. Parallel dazu wird erinnert, dass Hergés Erben die Veröffentlichung neuer Geschichten verboten, anders als bei anderen franko-belgischen Serien wie Blake und Mortimer, die praktisch jedes Jahr ein neues Abenteuer herausbringen — und einige davon sind recht schwach, muss man sagen.
Erste Erinnerungen und ein unerwartetes Detail
Viele Leser kamen durch ein bestimmtes Geschenk zur Serie: Die Zigarren des Pharaos, Das gebrochene Ohr, Der Sonnentempel. Manche gestehen, dass ihnen das erste Buch große Mühe bereitete, und am Ende besaßen sie die komplette Kollektion des Verlags Juventud, einschließlich der langweiligen und kindischen Jo, Zette und Jocko. Und es gibt ein überraschendes Detail: Laut einem Teilnehmer zwang der Verlag Bruguera seine Autoren einst, sich an franko-belgischen Comics wie denen Franquins zu orientieren — also abzukupfern —, und ohne diese Autoren hätte es keine legendären Comics wie Atomium-Schwefelsäure gegeben.
Letztendlich hängt die Antwort darauf, welcher Tintin der beste ist, davon ab, was man schätzt: die narrative Architektur von Der Fall Kalkül, die Sittenkomödie von Die Juwelen der Sängerin oder die Emotion von Tintin in Tibet. Vierzig Jahre nach Hergés Tod diskutieren wir immer noch dasselbe. Fast scheint es, als würde der Belgier weiterhin gewinnen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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