Tempo Australia: das KGV-5-Papier mit 150 % Kursgewinn, das niemand sehen will
Es gibt ein australisches Ingenieurunternehmen, das bei 0,26 australischen Dollar notiert, ein KGV von 5 aufweist, kaum Schulden und Cash in der Kasse hat. Vor einem Jahr war es 0,12 wert. Eine Rendite von 150 %, die laut den Zahlen derjenigen, die das Unternehmen verfolgen, noch Luft bis 0,40 lässt. Die These ist einfach: Das Unternehmen Dienstleister für Bergbaukonzerne in einem Land, wo Lithium und Eisen den Ton angeben – und der Markt hat es jahrelang nicht beachtet, weil es aus der Hölle zurückkam. 2016, als es erstmals in Anlegerkreisen diskutiert wurde, notierte es bei 0,18 und die Ergebnisse waren gegenüber dem Vorjahr um 390 % gewachsen. Das KGV lag bei 5. Die Aktie stieg seit Monaten. Niemand kümmerte sich darum.
Was Tempo Australia macht und warum der Markt es ignorierte
Tempo Australia ist kein Bergbauunternehmen. Es ist ein Ingenieur- und Dienstleistungsunternehmen, das für Bergbau-, Öl- und Baukonzerne arbeitet. Zu seinen Kunden zählen Namen wie Chevron, Nokia, Woolworths oder der Hafen von Melbourne. 2017 verfügte es über 22,2 Millionen australische Dollar Netto-Cash und minimale Schulden. Der australische Bergbausektor erlebte dank der chinesischen Nachfrage nach Lithium und anderen Rohstoffen einen Boom, und Tempo profitierte im Sog davon. Doch der Markt brauchte lange, um zu reagieren. Monatelang bewegte sich die Aktie zwischen 0,19 und 0,20 Dollar, mit einem KGV von etwa 6. Diejenigen, die das Unternehmen verfolgten, bestanden darauf, dass es unterbewertet sei und der Markt es irgendwann erkennen würde.
Das Problem war die Historie. Jahre zuvor hatte die Aktie bei mehreren Dollar notiert und war auf Cent-Beträge abgestürzt. Dieser Absturz in die Hölle lastete wie ein Mühlstein. Wer auf den Langzeit-Chart schaute, sah ein Unternehmen, das jahrelang Wert vernichtet hatte. Die Frage war, ob der Trendwechsel real war oder eine Fata Morgana.
Die Aufträge, die die Geschichte veränderten
Die Wende kam mit den Aufträgen. Im Januar 2018 kündigte Tempo die Vergabe von Aufträgen im Wert von mehr als 6 Millionen australischen Dollar an, in Branchen von der Industrie über die Telekommunikation bis hin zu den Rohstoffen. Im September desselben Jahres gewann es ein Solarprojekt im Wert von 15 Millionen Dollar in Victoria für die Enel Group. Einen Monat zuvor, im Juli 2017, hatte es KP Electric übernommen, einen landesweiten Elektrokontraktor. Und irgendwann in diesem Zeitraum sicherte es sich einen Unterauftrag für Chevrons Gorgon-LNG-Projekt auf Barrow Island, mit dem Potenzial, mehr als 100 lokale Arbeitsplätze zu schaffen.
Jede Ankündigung bewegte die Aktie ein Stück weiter. Diejenigen, die schon drin waren, sahen ihre These bestätigt. Diejenigen draußen begannen hinzuschauen. Die Aktie überstieg 0,26 Dollar und näherte sich den Jahreshochs. Das KGV blieb niedrig. Die Schulden blieben minimal. Das Cash war weiterhin da.
Der Dämpfer bei den Ergebnissen und die Geduld des Anlegers
Doch nicht alles verlief geradlinig. Im Mai 2017 enttäuschten die Halbjahresergebnisse. Die Aktie fiel um mehr als 30 %, ausgehend von 0,27 Dollar, zu denen manche eingestiegen waren. Verwirrung machte sich breit unter denen, die im Vertrauen auf das KGV von 5 und das Wachstum von 390 % gekauft hatten. Durchhalten oder fliehen?
Die Antwort der länger Investierten war immer dieselbe: Geduld. Das Unternehmen war finanziell solide, der Sektor zeigte nach oben und der Markt würde es irgendwann anerkennen. Das war keine Glaskugel, das war eine Rechnung. Die Kennzahlen waren weiterhin gut. Die vorherigen Ergebnisse auch. Und im Februar würden die Zahlen des zweiten Halbjahres veröffentlicht. Die Aktie blieb derweil seitwärts. Monate lang nichts. Bis im Januar 2018 die Aufträge kamen und die Aktie erwachte.
Was die Zahlen sagen und was sie verschweigen
Der Reiz von Tempo Australia lässt sich auf drei Zahlen zusammenfassen: KGV 5, Wachstum von 390 % in einem Jahr und 22,2 Millionen Dollar Netto-Cash. Mit diesen Voraussetzungen müsste die Aktie eigentlich durch die Decke gehen. Aber der Markt funktioniert nicht immer so. Manche halten das niedrige KGV dafür, dass der Markt einpreist, die Gewinne seien nicht nachhaltig. Andere argumentieren, das Unternehmen sei zu klein und illiquide, um institutionelle Investoren anzuziehen. Und manche vertrauen einer Firma schlicht nicht, die einst in Dollar notierte und in Cent endete.
Die Debatte ist im Kern immer dieselbe: Liegt der Markt falsch, oder liegen wir falsch? Die Verfechter der These verweisen auf die Aufträge, das Cash und den Sektor. Die Skeptiker blicken auf den Langzeit-Chart und erinnern daran, dass es das Papier schon einmal billig erscheinen ließ. Der Unterschied: Jetzt gibt es Zahlen. 2016 verbesserte das Unternehmen seine Ergebnisse um 390 %. 2017 übernahm es KP Electric. 2018 gewann es Aufträge im Wert von 6 Millionen und ein Solarprojekt über 15 Millionen. Die Fakten liegen auf dem Tisch. Was fehlt, ist die Gewissheit, dass der Markt sie bald anerkennen wird.
Die Aktie notiert bei 0,26 australischen Dollar. Vor einem Jahr war sie 0,12 wert. Das KGV liegt bei 5. Das Netto-Cash bei 22,2 Millionen. Die Aufträge liegen auf dem Tisch. Und trotzdem bleibt die Frage unbeantwortet: Warum wird ein Unternehmen mit diesen Zahlen weiterhin vom Großteil des Marktes ignoriert? Vielleicht lautet die Antwort, dass der Markt nicht ignoriert, sondern einpreist. Oder er wartet einfach darauf, dass die Februarzahlen bestätigen, was die Zahlen bereits andeuten. Bis dahin wird die Aktie dort bleiben, im Niemandsland, mit ihrem KGV von 5 und ihrer Erlösungsgeschichte, die am seidenen Faden hängt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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