Stromaus in Spanien: Wie das Netzmonopol die Kontrolle verlor

Ein landesweiter Blackout legte die Iberische Halbinsel lahm. Experten analysieren das Versagen des zentralisierten Netzes von Red Eléctrica.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Stromaus in Spanien: Wie das Netzmonopol die Kontrolle verlor
Stromaus in Spanien: Das Monopol, das das Netz nicht unter Kontrolle hatte

Der Stromausfall, der die gesamte Halbinsel – und auch Portugal – lahmlegte, war kein Fehler einer einzelnen Straße oder Provinz. Das gesamte System versagte. Und genau darin liegt der erste Hinweis, den einige Beteiligte anführen: Was komplett zusammenbricht, ist das, was zentralisiert ist. Die Erzeugung ist es nicht – es gibt Kernkraftwerke, Wasserkraftwerke, GuD-Kraftwerke sowie Solar- und Windparks im ganzen Land –, aber das Übertragungsnetz ist es. Es wird von einem einzigen Betreiber unter einem Monopol verwaltet: Red Eléctrica de España, dessen Handelsname seit 2022 Redeia lautet.

Die offizielle Definition stellt es klar: Ihre Aufgabe ist es, „das ordnungsgemäße Funktionieren des Stromversorgungssystems sicherzustellen und jederzeit die Kontinuität und Sicherheit der Versorgung zu gewährleisten“. Die Kontinuität verschwand für das gesamte System. Nicht für ein Viertel. Für ein ganzes Land.

Wer ist verantwortlich, wenn alles ausfällt?

Die am häufigsten wiederholte Argumentation in der Analyse erfordert kein tiefes Fachwissen. Wenn es ein Cyberangriff war, haben diejenigen, die das Netz schützen sollten, versagt. Wenn es Sabotage war, ebenfalls. Wenn es ein Überschuss an erneuerbarer Energie war, wusste man nicht, wie man das System für dieses Szenario auslegt. Wenn es ein Mangel war, ebenso. In jedem dieser Fälle deutet der Fehler auf denselben Punkt: denjenigen, der das Monopol auf die Kontinuität hat.

Und dieses Gebilde ist nicht privat. Red Eléctrica ist ein Unternehmen mit gemischtem Kapital, das jedoch de iure und de facto von der Regierung kontrolliert wird. Daher die Bestürzung, als die erste offizielle Reaktion darin bestand, die privaten Stromerzeuger anzuprangern. Die Kraftwerke sind nicht alle gleichzeitig ausgefallen. Das Netz hingegen schon.



Zwei Theorien zur Erklärung des Blackouts

Die am häufigsten genannte technische Hypothese deutet auf ein Ungleichgewicht zwischen synchroner und asynchroner Energie hin. Wasserkraft- und thermische Kraftwerke erzeugen synchronen Strom, der dem Netz Trägheit und Stabilität verleiht. Windparks und Photovoltaikanlagen erzeugen asynchronen Strom, der diese Trägheit nicht bietet. Bei einem sehr hohen Anteil an Erneuerbaren und mehreren stillgelegten Kernreaktoren hätte das Netz den „Puffer“ verloren, der Störungen absorbiert.

Es ist eine These der Fahrlässigkeit, nicht der Sabotage. Und sie passt zum offiziellen Schweigen: Würde man zugeben, dass der Überschuss an Erneuerbaren das System destabilisiert hat, müsste man den triumphalen Diskurs über die Durchdringung erneuerbarer Energien relativieren. Der ehemalige Präsident von Red Eléctrica, Luis Atienza, deutete in diese Richtung: Der Mangel an Kernenergie und der Aufstieg der Erneuerbaren hätten das Netz an seine Grenzen gebracht.

Die zweite Hypothese ist die der Absicht. Einige behaupten, das System sei absichtlich an den Abgrund getrieben worden, indem man den Ausfall von fünf Kernreaktoren ausnutzte, um die Kapazität der erneuerbaren Energien zu demonstrieren. Das Ergebnis wäre ein gescheitertes Experiment gewesen. Andere gehen weiter und sprechen von Sabotage oder gezieltem Handeln. Keine dieser Versionen stützt sich auf öffentliche Beweise.



Negativpreise und der plötzliche Nachfrageeinbruch

Ein auffälliger technischer Fakt: Kurz vor dem Kollaps war der Energiepreis negativ. Ein Negativpreis deutet darauf hin, dass das System nicht richtig funktioniert, ähnlich wie es vor Jahren bei negativen Zinssätzen der Fall war. Es ist das Zeichen dafür, dass zu viel Erzeugung vorhanden ist und die Kapazität zur Steuerung fehlt.

Die detaillierteste Erklärung, die kursiert, deutet auf einen plötzlichen Nachfrageeinbruch hin. Dieser Version zufolge fiel zuerst eine lokale Anlage im Südwesten Spaniens aus, was einen Blackout vor dem globalen Ereignis auslöste. Als die Nachfrage schlagartig einbrach, hatte der Steuerungsalgorithmus der zentralen Computer keinen Zeit, die Erzeugung anzupassen. Das gesamte Netz destabilisierte sich. Ungewöhnlich war nicht das Niveau der Erneuerbaren oder der Nachfrage – das gab es schon früher –, sondern die Geschwindigkeit des Ungleichgewichts.



Was schlagartig verloren ging: 15 Gigawatt

Die anschaulichste Art, es zu verstehen, benötigt keine Ingenieurskunst. Nach einer im Diskurs kursierenden Berechnung verschwanden schlagartig 15 Gigawatt, und es gab nichts, um das Netz zu speisen. Es ist, als hätte man zehn Luxusautos, aber keine Benzinkanister: Die Fahrzeuge sind unabhängig, aber ohne Treibstoff startet keines.

Hinzu kommt eine physikalische Eigenschaft, die in jedem technischen Gespräch wiederkehrt: Elektrizität kann nicht gespeichert werden. Man kann die Kapazität zu ihrer Erzeugung speichern – Wasser in einem Stausee, kinetische Energie in einer Schwungmasse –, aber der Fluss selbst wird nicht aufbewahrt. Deshalb reicht eine Sekunde der Desynchronisation zwischen Erzeugung und Nachfrage aus, um das System zum Einsturz zu bringen. Es gibt keinen Spielraum für Zweifel.



Der Preis der Stabilität: Billige Erneuerbare oder zuverlässiges Netz

Hier zeigt sich die zugrunde liegende wirtschaftliche Debatte. Die Sicherstellung der Netzzuverlässigkeit kostet Geld, und es gibt zwei Wege. Der eine ist die Verbesserung der Einspeisetechnik der Erneuerbaren, damit sie Stabilität bieten. Der andere ist die Beibehaltung der synchronen Erzeugung – Kernkraft, thermische Kraft –, auch wenn die Rechnung steigt. Die Wahl hat ihren Preis: weniger für Strom zu bezahlen und dabei gelegentliche Blackouts in Kauf zu nehmen, oder das Doppelte oder Dreifache für ein stabileres und weniger ökologisches Netz zu zahlen.

Dies sind keine sich ausschließenden Optionen, auch wenn die Erzählung sie so darstellt. Man kann in Einspeisetechnik investieren und gleichzeitig synchrone Reserve vorhalten. Was man nicht tun kann, ist vorzugeben, dass die Energiewende in Bezug auf die Versorgungssicherheit kostenlos ist.



Das Präzedenzfall, an den sich kaum jemand erinnert

Es gab eine Zeit, in der Blackouts in Spanien zwischen den sechziger und achtziger Jahren üblich waren. Der Unterschied ist strukturell: Damals erzeugte, transportierte und verteilte jedes Unternehmen seine eigene Energie mit unabhängigen Netzen. Wenn eines ausfiel, blieb das andere in Betrieb. Später wurde Red Eléctrica geschaffen, um das System auf das zentralisierte Modell umzustellen, bei dem Erzeugung und Verteilung getrennt sind. Man gewann an Effizienz, verlor aber an Redundanz.

Das ist der Kern der Sache. Die Zentralisierung ist kein Unfall: sie ist eine Designentscheidung. Und wenn das Design die gesamte Kontinuität der Versorgung in einem einzigen Betreiber konzentriert, lässt jeder Fehler dieses Betreibers das Land im Dunkeln zurück. Es gibt keinen Plan B.



Was man heute weiß und was nicht

Die offizielle Ursache ist noch nicht geklärt. Die Regierung deutete schnell auf die Kernkraftwerke hin, ohne eine stützende Erklärung zu liefern, und weder Red Eléctrica noch die Regierung haben die genaue Abfolge der Ereignisse detailliert dargelegt. Dieses Fehlen einer technischen Erklärung ist, mehr als jede Theorie, das, was die Hypothesen nährt. Wäre die Ursache harmlos, wäre sie bereits im Detail kommuniziert worden.

In der Zwischenzeit hat sich die Diskussion von der Frage des „Wie“ zur Frage des „Wer“ verschoben. Und das „Wer“ hat in einem zentralisierten System einen Namen und einen alleinigen Verantwortlichen. Vorherzusagen, wann die vollständige Erklärung kommt, ist riskant. Vorherzusagen, dass sie spät kommt und wahrscheinlich in ein anderes Thema verpackt ist, um von der Aufmerksamkeit abzulenken, ist wesentlich sicherer.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (102 Antworten).

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