Azurmendi aktualisiert seinen Selbstversorgungs-Index und schürt den Krieg gegen die KI
Ein Mann sagt, er lebe isoliert, „wie Kapitän Nemo“, anglend in Unterwasserwäldern aus Braunalgen und von fern die „Verrücktheiten“ der übrigen Welt beobachtend. Er heißt Javier Azurmendi und hat gerade die Aktualisierung seines Prepping- und Selbstversorgungs-Index veröffentlicht, datiert auf den 26. Oktober 2026. Es sind über hundert Einträge: Batterien, Gärten, Anzuchtschalen, Schweißen, Käsereifen, Räucheröfen für Stadtwohnungen und sogar ein Notfallplan für den Kollaps. Das Dokument selbst ist eine redaktionelle Anomalie: ein Inhaltsverzeichnis, das als häusliches politisches Programm funktioniert.
Die Zahl, die den größten Aufruhr auslöst, steht nicht im Index, sondern in den Kommentaren. Azurmendi behauptet, seine Batterieanlage spare ihm 100 Euro im Monat bei der Stromrechnung, und geht mit denen ins Gericht, die an der Rechnung zweifelten. Die Diskussion gleitet bald in etwas weniger Technisches ab: ob ein KI-Programm zur Beratung einer Elektroinstallation dienen kann, ohne das Haus abzufackeln. Seine Antwort ist unmissverständlich: Das Programm „sei künstlich, das stimme, aber von Intelligenz keine Spur“.
Was der Prepping-Index von Azurmendi enthält
Der Index ist eine Landkarte perfekt geordneter Obsessionen. Lebensmittellager, Medikamentenlager, radioaktive Lebensmittel, ein Faradayscher Käfig für den Garten und für ein Ereignis, Elektrozaun für Haustiere, Schlösser, Fenster, Türen, Landschaftsgestaltung für die Flucht. Es gibt einen Finanzteil —Anlagen in Aktien, Fonds, Metalle, ein Edelmetall-Prüfgerät— und einen zu alternativen Einkünften. Die eigentliche These steht in einem der Einträge: sich schützen „vor dem allgemeinen Ruin, indem man keinerlei Schulden hat, damit einen niemand am Hals packen kann“.
Der Autor betont, dass der Index nicht der Inhalt ist. Er kritisiert, nach der Liste beurteilt zu werden, ohne die Artikel zu lesen, und erinnert daran, dass jeder Eintrag seine Ausführung hat. Es ist der klassische Klages des produktiven Autors: Den Umschlag liest man, das Buch nicht.
Die Gesundheitswarnung zu CDS, die sich durch den Index zieht
Unter den Einträgen finden sich mehrere zu CDS: Deodorant, Hämorrhoiden, „neue Lösung“. Chlordioxid ist dieselbe Verbindung, die zur Trinkwasseraufbereitung und zum Bleichen von Papier verwendet wird; seine Anwendung als Heilmittel am Körper ist nicht als Medikament zugelassen. Die Warnungen der AEMPS (spanische Arzneimittelbehörde) und der FDA vor dem Verzehr —Erbrechen, starker Durchfall, Dehydrierung, schwere Schäden bei hohen Dosen— sind öffentlich und auffindbar. Auf Haut und Schleimhäuten kann es reizen oder verbrennen.
Azurmendi wehrt sich mit einem vorab geschalteten Disclaimer: „Ich bin kein Arzt und habe keinen verwandten Beruf“. Die Warnung macht den Inhalt nicht harmlos, grenzt aber die Verantwortung ein. Dort liegt das Grundproblem des gesamten Ökosystems: die Grenze zwischen dem Teilen einer Erfahrung und dem Veröffentlichen eines Protokolls.
Der Streit mit der künstlichen Intelligenz und die 100-Euro-Rechnung
Der bitterste Abschnitt des Austauschs ist der technologische. Azurmendi erzählt, er habe 26 Euro im Monat für eine Bezahlversion gezahlt und sei beinahe abgebrannt, weil er einer Installationsanweisung folgte. Er fügt hinzu, ein anderes Tool, das kostenlose, habe ihm empfohlen, nicht mehr zu zahlen. Die Anekdote ist witzig und hat einen ernsten Kern: Die häusliche technische Beratung ist von den Handbüchern in den Chat gewandert, und der Chat übernimmt keine Verantwortung, wenn er sich irrt.
Von der anderen Seite kommt der Einwand, die Warnung vor Chlordioxid bestreite nicht seine Nutzung als Desinfektionsmittel für Wasser oder Oberflächen, nur die als Medikament. Und dass der Verkauf auf Plattformen keiner gesundheitlichen Zulassung gleichkomme. Die Nuance ist richtig, geht aber im Getümmel verloren.
Destilliertes Wasser, kolloidales Silber und Militärhandbücher
Das Gespräch driftet zum Wasser ab. Ein Haushaltsdestilliergerät wird erwähnt und kolloidales Silber als Antibakteriellmittel, mit dem Argument, Klimaanlagen-Reinigungssysteme setzten bereits Silber ein. Auch zwei Überlebenshandbücher des Militärs tauchen auf, geteilt über temporäre Links. Es ist das gewohnte Muster: Die praktische Ressource zirkuliert schneller als die Warnung davor.
Kolloidales Silber ersetzt kein Antibiotikum, und destilliertes Wasser löst das Problem der Trinkbarkeit nicht. Niemand sagt es in dem Austausch.
Der Kollaps als mentales Rahmenkonzept
Der Einleitungstext spricht nicht von konkreten Krisen, sondern von einem „großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Reset“, der provoziert und kalkuliert sei. Die praktische Antwort, die er vorschlägt, ist nicht die Konfrontation: Es sind null Schulden, Selbstversorgung und Flucht. „Verstecken, sich selbst versorgen und gewappnet auf den unausweichlichen Kollaps warten“, schreibt er. Der Satz fasst ein ganzes Genre zusammen.
Die Frage, die bleibt, ist die alte. Hundert Indexeinträge sind kein Plan, sie sind eine Bibliothek. Und eine Bibliothek füttert niemanden an dem Tag, an dem das Licht ausgeht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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