Spanische Akademiker in Australien in ungelernten Jobs: die Arbeitsmarkt-Abrechnung

Spanische Akademiker arbeiten als Kellner oder Minenarbeiter in Australien, während ein Ingenieur in Spanien nicht einmal 1.500 Euro netto bekommt, laut einer Berechnung, die…

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Spanische Akademiker in Australien in ungelernten Jobs: die Arbeitsmarkt-Abrechnung
Spanische Akademiker in ungelernten Jobs in Australien: die Abrechnung, die niemand unterschreibt

Ein Hostel an der australischen Ostküste, Reinigungsschicht um sechs Uhr morgens. Dort trifft ein spanischer Absolvent auf Kollegen – mit einem Lebenslauf, der ihm in Madrid nicht einmal die Tür einer Junior-Abteilung geöffnet hätte. Draußen brennt die Sonne, das Leben geht weiter. Drinnen dreht sich die Debatte, die diese Tage durch die Wirtschaftsszene geistert, um genau eine Frage: Warum nehmen Tausende spanische Akademiker schlecht qualifizierte Jobs in englischsprachigen Ländern an – und erzählen das auch noch mit einem Lächeln?

Das Bild, das die Diskussion entfacht hat, zeigt eine Gruppe akademisch gebildeter Spanier – Ingenieure, Lehrer, Pflegekräfte –, die in Australien als Kellner, Regaleinräumer oder Minenarbeiter arbeiten. Das Phänomen ist nicht neu, wohl aber sein Ausmaß und seine Sichtbarkeit. Und der Kontrast zum spanischen Arbeitsmarkt, wo ein frisch diplomierter Ingenieur für weniger als 1.500 Euro netto unterschreiben kann, erledigt den Rest.

Wie viel spart ein Spülkraft in der Schweiz wirklich?

Der Schweizer Fall ist zum Laborbeispiel geworden. Nach einer Berechnung, die in der Debatte kursiert, verdient eine Küchenhilfe in einem Hotel in den Alpen 2.400 Euro netto im Monat plus Trinkgeld von 100 bis 150 Euro. Davon müssen 350 Euro fürs Zimmer und 250 Euro für die Krankenversicherung abgezogen werden. Bleiben rund 1.800 Euro netto pro Monat, über zwei Saisons von je vier bis fünf Monaten. Die komplette Rechnung, Posten für Posten aufgeschlüsselt, ergibt eine jährliche Ersparnis von nahezu 17.000 Euro.

Das Kleingedruckte zählt. Es ist eine Saisonarbeit, ohne Karriereperspektive und ohne Abgaben, die für die spanische Rente zählen. Wer sie macht, wohnt in einem Hotelzimmer, oft im Doppel, und wenn der Körper genug hat, fährt er mit dem nach Hause, was er am Leib trägt. Der Unterschied zu Spanien ist trotzdem kaum zu bestreiten: Dieselbe Arbeitskraft, die hier 1.200 Euro netto bekommt, verdient dort 2.200 – beim Kartoffelschälen.

Das Problem ist nicht Australien, es ist der spanische Lohn

Hier bricht die offizielle Erzählung zusammen. Der Skandal ist nicht, dass eine Spülkraft in der Schweiz 2.400 Euro netto bekommt. Der Skandal ist, dass ein Ingenieur in Spanien keine 1.500 erreicht. Das ist die Zahl, die brennen sollte. Der spanische Arbeitsmarkt vertreibt seinen eigenen qualifizierten Nachwuchs – und wundert sich dann, dass er auswandert.

Manche behaupten, das Problem sei die Einstellung: schlecht ausgebildete Absolventen, wenig anpassungsfähig, mit überzogenen Erwartungen. Dagegen steht ein einfacheres Argument: Wenn der Lohn nicht für ein eigenständiges Leben reicht, zahlt der Kopf dafür. Prekariat ist keine persönliche Entscheidung, es ist Mathematik. Und Mathematik verhandelt nicht.

Warum Universitätsabschlüsse nicht gut reisen

Nur wenige Hochschulabschlüsse sind exportfähig. Das ist die Erkenntnis, die viele zu spät machen. Studiengänge sind an das Land gebunden, in dem sie erworben werden: Ein spanischer Jura-Abschluss reicht nicht aus, um in Sydney zu praktizieren, und eine medizinische Reaccionariorztausbildung erfordert Anerkennungsverfahren, die Jahre dauern können. Handwerksberufe dagegen reisen besser. Schweißer, Aufzugstechniker, Krankenpfleger. Paradoxerweise passt sich das Handwerkliche schneller an als das Akademische.

Das Ergebnis ist ein Trichter: Der spanische Absolvent kommt in Australien an mit einem Lebenslauf, den dort niemand lesen kann, und nimmt den ersten bezahlten Job. Das ist keine Unterwerfung, wie ein Teil der Analyse behauptet. Es ist Arbeitsmarkt-Arbitrage. Dieselbe Arbeit ist auf der anderen Seite der Welt dreimal so viel wert.

Junges Glück wird nicht geprüft

Bleibt das emotionale Kapitel. Die Protagonisten wirken glücklich: Sonne, Surfen, Freundeskreis und ein Gehalt, das sie in Spanien nie sehen würden. Der Einwand: Glück mit zwanzig wird nicht geprüft. Die eigentliche Abrechnung kommt mit vierzig, wenn Hypothek, Chef und Rechnungen kommen. Dann bleibt kein Raum mehr zum Lachen.

Vielleicht ja, vielleicht nein. Das einzige Überprüfbare ist, dass der Lebensplan, der ihnen verkauft wurde – Abschluss, Hypothek, Familie –, in Spanien nicht mehr existiert. Und dass sie derweil sparen. Bei diesen Unterschieden müsste die qualifizierte Auswanderung massiv sein. Sie bleibt marginal. Niemand kann so ganz erklären, warum.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (36 Antworten).

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