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Spaniens Wohnungsnot: 500.000 neue Einwohner, nur 100.000 Wohnungen
Spanien verzeichnet jährlich 500.000 neue Einwohner, baut aber nur zwischen 80.000 und 100.000 Wohnungen. Diese Diskrepanz zwischen Nachfrage und Angebot treibt die Mietpreise in die Höhe.
Spanien gewinnt jährlich 500.000 Einwohner hinzu und errichtet 100.000 Wohnungen
Manche berichten von einer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Nähe von Madrid, die für 1.400 Euro monatlich ausgeschrieben und innerhalb von drei Wochen vermietet wurde. Auf diesem Hintergrund erschien ein Artikel von El Periódico, der behauptet, es sei falsch, dass Migration die Mietpreise treibe; stattdessen liege die Ursache im Angebotsmangel und in der touristischen Nutzung. Diese These hat nicht zur Klärung beigetragen, sondern vielmehr zu zahlreichen Gegenreaktionen geführt: Die meisten Analysen in der Debatte weisen auf eine Lücke zwischen Zuzug und Neubau hin. Sílvia Orriols, Präsidentin von Aliança Catalana (eine katalanische Unabhängigkeitspartei), hatte beide Faktoren bereits im Zuge einer Demonstration des Sindicat de Llogateres (Mietergewerkschaft) verknüpft, und das Thema griff anschließend in verschiedenen Talkshows um sich.
Wie viele Menschen kommen jährlich an, und wie viel Wohnraum entsteht?
Die vorliegenden Zahlen sind grob und schwer zu ignorieren. Am häufigsten wird von 500.000 zusätzlichen Personen pro Jahr durch Migration gesprochen, was über vier Jahre hinweg zwei Millionen ergibt. Manche Berechnungen gehen sogar von 600.000, 700.000 oder 750.000 jährlichen Neuzugängen aus, je nachdem, ob man offizielle Daten heranzieht oder nicht erfasste Bewohner mit einrechnet.
Auf der anderen Seite der Waage liegt der fertiggestellte Neubau bei 80.000 bis 100.000 Einheiten pro Jahr. Ein oft zitierter Schlüsseldatenpunkt: In den letzten zehn Jahren hat Spanien 43 % mehr Haushalte gegründet als Wohnungen gebaut wurden. Die registrierte Bevölkerung erreichte nach einem Anstieg von 507.548 Einwohnern in einem einzigen Jahr (+1,06 %) die Marke von 48.592.909.
Die Arithmetik braucht keine Ausschmückung. Wenn jedes Jahr Hunderttausende Menschen hinzukommen, aber weniger als 100.000 Häuser fertiggestellt werden, schrumpft der verfügbare Wohnraum pro Kopf. Zu diskutieren, ob dies „Migration“ oder „Angebotsmangel“ ist, bedeutet im Grunde, über denselben Sachverhalt unter verschiedenen Namen zu streiten. Das Problem besteht darin, ihn als abstraktes Phänomen zu betrachten, unabhängig vom Nachfrageüberhang, der ihn antreibt.
Das Gesetz von Angebot und Nachfrage, erklärt mit Bonbons
Um die Einfachheit der Sache zu verdeutlichen, greift man auf ein wiederholtes Gedankenexperiment zurück: Man stelle sich vor, 10.000 Menschen würden nach Zamora gebracht, wo der Quadratmeterpreis im Durchschnitt bei etwa 960 Euro liegt, und beobachte, was mit den Preisen geschieht. Die daraus gezogene Schlussfolgerung lautet, dass das grundlegendste Gesetz der Ökonomie so einfach wie Bonbons zu verstehen ist, auch wenn man später den Satz heranzieht, um ihn zu leugnen.
Hier kommt der Vergleich ins Spiel, der am meisten diskutiert wurde: 10.000 neue Ferienwohnungen pro Jahr gegenüber 600.000 jährlichen Neuzugängen. Die implizite Frage – was wiegt schwerer auf dem Markt – beantwortet sich in vielen Kommentaren von selbst. Manche fügen hinzu, dass die Kette nicht beim Mietmarkt endet: Wenn die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt, steigen die Kaufpreise und damit die Renditeerwartungen der Vermieter.
Tourismus, ausländisches Kapital und Untervermietung
Der Artikel macht die touristische Nutzung als einen der Schuldigen aus. Die häufigste Entgegnung lautet, dass in weiten Teilen des Umlands von Madrid kaum Ferienwohnungen existieren und die Mieten dennoch weiter steigen. Ein anderer Teilnehmer fügt eine weitere Ebene hinzu: wohlhabende ausländische Käufer, die laut dieser Darstellung in zentralen Stadtvierteln bar bezahlen, oft begünstigt durch Goldene Visa, und den Druck anschließend auf angrenzende Gebiete verlagern.
Am anderen Ende des Marktes gibt es Berichte über alte, teils ungesunde Wohnungen, in denen mehrere Familien zusammenleben, mit 150 Euro pro Familie und Zimmer pro Schlafzimmer, sowie über Untervermietungen einzelner Räume zu aufgeblähten Preisen. All dies belastet den Markt sowohl im oberen als auch im unteren Segment, so die Argumentation derer, die solche Fälle aus erster Hand kennen.
Warum wird die Glaubwürdigkeit von Wohnraumberichten infrage gestellt?
Auch die Quelle der Daten steht zur Diskussion. Es wird behauptet, dass viele Studien zum Wohnungswesen von Akteuren finanziert werden, die ein Interesse an weiterer Zuwanderung haben, und bestimmte Mieterorganisationen werden wegen ihrer Finanzierung und ihrer Versammlungsorte kritisiert. Dies ist ein heikles Terrain: Kritik an einer Studie kann berechtigt sein, ohne dass dies die Anschuldigung automatisch wahr macht, die in der Debatte oft ohne Belege erhoben wird.
Ebenso wird das Profil der Neuankömmlinge diskutiert. Es wird behauptet, dass das Bildungsniveau der Migranten in Spanien das niedrigste in der EU sei, Portugal eingeschlossen, und seit Beginn des Jahrhunderts stagniere, wobei Sprachkenntnisse und geografische Nähe als Anziehungsfaktoren gelten. Solche Aussagen sollten als genau das gelesen werden: Behauptungen.
Vom Lohn zur Miete: Das Argument hat die Seite gewechselt
Bemerkenswert ist die Verschiebung der Rhetorik. Vor einigen Jahren warf man der Ankunft ausländischer Arbeitskräfte vor, die Löhne zu drücken; nun wird dieselbe Gruppe am anderen Ende angeprangert, nämlich dafür, dass sie den Wohnraum verteuere. Dazwischen mischen sich öffentliche Hilfen und das Existenzminimum (Ingreso Mínimo Vital), mit Schätzungen von bis zu zwei Millionen Leistungsempfängern, die an befristete Beschäftigungen gekoppelt sind.
Die Kritik beschränkt sich nicht nur auf die Neuankömmlinge. Sie richtet sich auch gegen Eigentümer, die Wohnungen vom Mietmarkt nehmen, weil sie rechtliche Unsicherheit bei illegalen Besetzungen fürchten – ein Faktor, der das ohnehin knappe Angebot weiter verkürzt und in Preisstudien selten berücksichtigt wird.
Was am Ende verwirrt
Als man in der Grundschule (EGB) Bevölkerungslehre unterrichtete, hatte Spanien 38 Millionen Einwohner; heute sind es fast 49 Millionen. Der Markt vollbringt keine Magie: Er passt Preise an, und diese Anpassung zahlen jene, die den Mietvertrag unterschreiben.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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