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Spaniens Wirtschaft wächst stark – Frankreich fragt nach den Gründen
L'Humanité zählt 2,3 Millionen neue Jobs seit der Pandemie. S&P hebt Spaniens Rating an, während die Debatte um Schulden und Reallöhne tobt.
Spaniens Wirtschaft wächst stark – Frankreich fragt nach den Gründen
Wie erklärt sich, dass die spanische Wirtschaft um 2,6 % wächst, während die Eurozone nur auf 0,9 % kommt? Diese Frage kursiert seit Tagen in Frankreich und wurde im linksorientierten Magazin l'Humanité beantwortet. Der Artikel zeigt ein lächelndes Foto von Pedro Sánchez und trägt eine Überschrift mit über 6.000 Likes: „Wie die linke Regierung die nationale Wirtschaft ankurbelte“. Die Zeitung liefert zudem die Zahl, die Skeptiker am meisten ärgert: 2,3 Millionen mehr Beschäftigte als vor der Pandemie. Eine Woche zuvor hatte Standard & Poor's das Rating für Spanien aufgrund der guten Entwicklung angehoben.
Die Erzählung stützt sich nicht auf Schlagworte. Das französische Medium interviewt Ignacio Álvarez Peralta, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universidad Autónoma de Madrid und ehemaliger Staatssekretär für Soziale Rechte, um die einfache Erklärung – Tourismus und Bevölkerungszuwachs – zu entkräften. Der Fokus liegt auf dem privaten Konsum: Er trug zwischen 2021 und 2025 jährlich 2,3 Prozentpunkte zum durchschnittlichen BIP-Wachstum von 4,4 % bei. Kurz gesagt: Nicht nur der Tourist in Flip-Flops, sondern die Inlandsnachfrage trieb die Expansion an.
Wie viele Jobs es gibt und wie viele abgezogen werden
Fast 22 Millionen Beschäftigte. Das ist die Bruttokennzahl. Das Problem beginnt, wenn man die saisonal befristeten Arbeitsverträge (fijos discontinuos) herausrechnet: Dann bleiben 21 Millionen. Unter der konservativen PP-Regierung erreichte man 2017 nicht einmal 19 Millionen.
Der Vertrag als „fijo discontinuo“ war früher eine Seltenheit, heute ist er üblich in Zeitarbeitsfirmen. Manche behaupten, seine Verbreitung diene dazu, die Arbeitslosigkeit zu verschleiern, und schätzen, dass die reale Zahl unter Einbeziehung von Arbeitslosen und Nicht-Erwerbstätigen bei 3,2 Millionen liegen würde. Dagegen steht ein einfaches Argument: Wer Vollzeit arbeitet, arbeitet. Deutschland hat sieben Millionen Minijobs, ohne dass diese zur Arbeitslosenzahl addiert werden.
Die Schulden, die nicht in der Schlagzeile stehen
Hier wird die Erzählung vom „Wunder“ für beide Lager unbequem. Im Jahr 2024 lag die spanische öffentliche Verschuldung bei 101,8 % des BIP, unter den 113 % in Frankreich und den 134,9 % in Italien. Und weit entfernt von den 120 %, die Spanien 2020 erreicht hatte.
Ein Teil der Analyse nutzt dieses Bild, um das Klischee vom verschwenderischen Land zu widerlegen. Ein anderer Teil kontert, dass das BIP die Schulden nicht berücksichtigt und dass Wachstum basierend auf Inlandsverbrauch und Staatsausgaben ein Verfallsdatum hat. Beide haben teilweise recht – was typisch ist, wenn die Daten gut sind, der Kontext aber gemischt.
Reallöhne, Mindestlohn und die Einkaufsrechnung
Das BIP-Wachstum wird nicht angezweifelt. Seine Verteilung schon. Die Reallöhne sind laut einer im Artikel zitierten Berechnung in 30 Jahren nur um gut zwei Prozent gestiegen, mit Phasen der Stagnation oder des Rückgangs unter PP-Regierungen und Anstiegen während der PSOE-Ära. Dabei wird erwähnt, dass die Mehrwertsteuer (IVA) unter Mariano Rajoy von 18 % auf 21 % erhöht wurde.
Die andere Front ist der Mindestlohn (SMI). Es wird argumentiert, dass Erhöhungen des Mindestlohns jene verdrängen, die etwas mehr verdienten: Jemand, der 1.400 Euro verdiente, wird gekündigt und zum Mindestlohn neu eingestellt. Kleine Unternehmen beschweren sich; große nutzen die Gelegenheit, um Preise zu erhöhen. Gleichzeitig explodieren Mieten und Immobilienpreise, während der Einkaufswagen halb leer bleibt.
Was Le Figaro sagt – kein Verdächtiger
Wenn die Anerkennung nur von einem linken Blatt käme, wäre die Debatte schnell beendet. Dem ist nicht so. Le Figaro, gegründet 1826 und konservativ ausgerichtet, schrieb, dass „Spanien Frankreich in mehreren wirtschaftlichen Aspekten eine Lektion erteilt“. Dieses Detail verwirrt jene, die erwarteten, dass die Geschichte vom spanischen Wunder nur Propaganda einer politischen Seite sei.
Was Frankreich gewinnt, wenn es Spanien lobt
Es gibt eine weniger freundliche Lesart. Ein Teil der Analyse deutet den Artikel als Werbung, um expansive Budgetpolitiken in einem Land mit astronomischer Verschuldung und einem großen, teuren Staat zu rechtfertigen. Das fremde Wachstum dient als Argument für mehr Ausgaben im eigenen Land. Eine düsterere Strömung fügt hinzu, dass Frankreich daran gelegen sein könnte, dass Spanien mit niedrigen Löhnen wächst: billige Arbeitskräfte nebenan, begrenzter Wettbewerb.
Tourismus und Bevölkerungszuwachs tauchen ebenfalls in der Gleichung auf, obwohl der Interviewte sie aus dem Zentrum rückt. Der private Konsum erklärt 2,3 Punkte des 4,4 %-Wachstums, und das gelingt nicht allein durch Besucher.
Mit diesen Zahlen existiert das Wunder in der Statistik, aber nicht immer auf dem Gehaltszettel. Dass eine französische Zeitung danach fragt, während die Hälfte der Spanier rechnet, um über die Runden zu kommen, hat seinen Witz. Größer wird der Witz erst, wenn jemand – aus Paris oder Madrid – erklärt, warum das Wunder nicht auf dem Girokonto sichtbar ist.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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