Spaniens Vorkriegsstimmung zeigt sich im Gehalt, nicht auf der Straße

In Spanien steigen die Preise, während Löhne stagnieren. Trotz Unmut verhindert das Sozialsystem vorerst soziale Explosionen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Vorkriegsstimmung zeigt sich im Gehalt, nicht auf der Straße
Stagnierende Löhne und steigende Preise: Der als „Vorkriegsstimmung“ bezeichnete Unmut

Die Stimmung eines bevorstehenden Konflikts in Spanien lässt sich nicht auf den Straßen messen. Sie zeigt sich im Gehaltszettel, der seit Jahren stillsteht, während die Lebenshaltungskosten steigen. Daraus ergibt sich die tägliche Diagnose: aggressive Menschen, schlechte Atmosphäre, brutal. Die Spannung wird nicht einem konkreten Auslöser zugeschrieben, sondern einem Datum, das ein Teilnehmer mit 2008 festlegt, sowie einer fast zwei Jahrzehnte andauernden Erosion. Die Prognose ist ebenso sicher wie umstritten: Nichts bricht über Nacht aus, aber der Boden sinkt jedes Quartal.

Die Diagnose: Seit 2008 zunehmende Spannung

Wer diese These vertritt, spricht nicht von Krieg, sondern von einer langsam köchelnden Atmosphäre: Belegschaften, die ausgebrannt sind, weil sie es sich nicht leisten können, ihr Gehalt zu verlieren; unterdrückte Gewalt, die nur in privaten Treffen und Freundeskreisen verbalisiert wird. Das Kernargument lautet, dass ein Teil der Spannung durch öffentliche Gelder übertüncht wird, deren Rechnung in die Zukunft verschoben wird, und dass irgendwann die Einschränkung kommen wird.

Das am häufigsten zitierte Gegenargument ist gesunder Menschenverstand: Wenn dies eine Vorkriegssituation wäre, wären die Geschäfte leer. Und sie sind es nicht. Wer auf die Straße geht, sieht vorweihnachtliche Stimmung, Black Friday und überfüllte Einkaufszentren. Die Diagnose der Spannung, so heißt es, werde aus der Blase heraus gemacht, nicht vom Bürgersteig aus.

Das Gehalt, das nicht steigt, und der Warenkorb, der es tut

Der wirtschaftliche Kern des Unmuts ist ein Gemeinplatz, den kaum jemand bestreitet: Die Preise steigen kontinuierlich, während die Löhne seit Jahren gleich bleiben. Der Großteil der Bevölkerung arbeitet, steht früh auf und kommt gerade so bis zum Monatsende durch, ohne Spielraum für einen schlechten Tag. Auch Selbstständige sind laut demselben Bericht schlecht gelaunt.

In diesen Cocktail gehören auch Beamte, beschrieben als erschöpfte Routinen, die fremden Ärger ertragen und mit ebenso gelangweilten Kollegen umgehen müssen. Der wiederholte Rat ist reine Überlebensstrategie: Streit mit Fremden vermeiden. Jeder könnte versuchen, seine Frustration an dem ersten Gesicht abzureagieren, das ihm begegnet.

Warum explodiert nichts? Die Betäubung durch Transferzahlungen

Hier taucht das stärkste Argument der gesamten Diagnose auf. Solange Geld fließt, wenn auch wenig, riskiert niemand etwas. Die Sonderzahlung und die Rente werden am 24. in Gebieten wie Benidorm und Torrevieja überwiesen, und wer dies behauptet, nutzt es als Beweis dafür, dass die Leute sich nicht kümmern, solange die Zahlungen weiterkommen.

Der Auslöser wird nicht ideologisch sein, sondern ernährungsbedingt. Wenn Renten, Arbeitslosengeld oder Sozialleistungen gekürzt werden, ist der Tag der Anpassung der Tag des Ärgers, denn wer schuften, aushalten und schweigen muss, hat plötzlich wenig zu verlieren. Es ist eine oft wiederholte Vorhersage, die auch schwer datierbar ist.

Vom Lockdown zur DANA: Genannte Präzedenzfälle

Um einzuschätzen, wie viel Geduld die Bevölkerung noch hat, greift man auf die jüngere Vergangenheit zurück. Im Jahr 2020 gab es Applaus von Balkonen, und der Vergleich mit anderen Ländern kommt zur Sprache: In Serbien wurde das Parlament angezündet, und in der Schweiz, wo Millionen Waffen in Privatbesitz sind und eine halbe Million Personen Schützenvereine besuchen, traute man sich nicht, Schritte zu unternehmen. Der Kontrast dient dazu, zu behaupten, dass die lokale Toleranzgrenze enorm ist.

Auch der institutionelle Einsatz nach der DANA (Naturkatastrophe) in Valencia und seinem Umland wird überprüft, wo ein punktueller Nachbarschaftskonflikt in Paiporta laut einem Teilnehmer zu einem unverhältnismäßigen Einsatz führte. Parallel entlädt sich ein Teil des Unmuts im täglichen Zusammenleben und bei der Immigration: Dort wird die Diagnose nicht mehr wirtschaftlich, sondern identitär, mit Zahlen, die ohne Quelle gehandhabt werden. Man spricht von 10 Millionen Einwohnern ausländischer Herkunft und schreibt ihnen einen Teil dieses Unbehagens zu.

Aufrüstung, Geburtenrate und Kalender

Die Militärausgaben funktionieren als Thermometer der Prognose. Das Engagement für 2 % des BIP für Verteidigung innerhalb der NATO wird erwähnt, und es wird über ein Szenario von 5 % spekuliert, das für Waffen bestimmt ist, wobei die Industrie bereit ist, sich die Taschen vollzustopfen. Für den Verfechter der Vorkriegsthese ist diese Aufrüstung eher ein Signal als eine Warnung: Das Haus vorbereiten bedeutet, den Sturm anzuerkennen.

Die Demografie vervollständigt das Bild. Der Rückgang der Geburtenrate wird als Frühindikator für Misstrauen gegenüber der Zukunft interpretiert. Und drei Daten werden als sukzessive Korrekturen genannt: 1978, 2008 und 2020, von denen jede die Bevölkerung mit weniger Spielraum hinterlassen hätte als die vorherige.

Wenn man mit diesen Zutaten etwas vorhersagen kann, dann, dass ein Ausbruch, falls er stattfindet, nicht wie ein Krieg aussehen wird. Er wird langsam, ungleichmäßig und in Form einer Anpassung erfolgen: erst die Kürzung, dann der Lärm. Die Zurückhaltung ist geboten, da die Abfolge weniger vom angesammelten Zorn abhängt als von dem Moment, in dem der fiskalische Hahn zugedreht wird. Und dieser Hahn ist vorerst noch offen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (446 Antworten).

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