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Spaniens vergessener Süden: Drogenhandel blüht in Andalusien und auf den Kanaren ungestört
Treibstofftanks an Stränden, Narco-Boote auf Flüssen und kaum Polizeipräsenz: Der Süden Spaniens klagt über staatliche Vernachlässigung angesichts des Anstiegs des Drogenhandels.
Inwieweit hat der Staat aufgehört, seine Souveränität im Süden Spaniens auszuüben?
Seit Monaten sind die Küsten von Cádiz und Huelva sowie die Kanarischen Inseln Schauplatz einer Drogenaktivität, die sich nicht mehr versteckt. Die sogenannten „Petacas“ – die Treibstofftanks, mit denen Schnellboote auf hoher See auftanken – tauchen täglich an Stränden und Flüssen auf, oft voll und am helllichten Tag. Anwohner in Chiclana berichten, wie der Iro, ein Fluss, der durch die Stadt fließt, zur Autobahn für beladene Schlauchboote wurde: „Sie fuhren in den frühen Morgenstunden durch einen perfekt beleuchteten Stadtbereich“, schildern sie. Das Gleiche geschieht am Guadalete und, weiter nördlich, am Guadalquivir, wo Traficante-Boote völlig ungestört verkehren.
Ein Geschäft, das alle sehen, das aber niemand verfolgt
Die Zeugenaussagen stimmen darin überein, dass die Präsenz der Sicherheitskräfte rein symbolisch ist. Obwohl Beamte der Guardia Civil tödliche Angriffe erlitten haben – etwa in Barbate und Huelva –, wurde der Polizeieinsatz nicht verstärkt. Manche weisen sogar darauf hin, dass der Druck seit der Auflösung des Operativo Ocon Sur nachgelassen hat. Das Ergebnis: Kriminelle Organisationen arbeiten ohne Angst. Die Boote tanken in Flüssen vor aller Augen Treibstoff, und wer das Problem anprangert, wird als Alarmist abgestempelt.
Die politische Antwort: viel Lärm, wenig Lösungen
In der Debatte darüber, wer die Schuld trägt, stehen zwei Lager gegenüber. Das eine behauptet, der Staat habe Andalusien und die Kanaren bewusst im Stich gelassen, um Ressourcen auf Katalonien und das Baskenland zu konzentrieren, und verweist auf die Investiturabkommen. Das andere macht die Regionalregierungen verantwortlich: Dieselben Parteien regierten seit Jahren, ohne das Problem zu lösen, und die Bevölkerung habe an der Urne keinen Wandel gefordert. „Das Problem ist nicht, Vox oder die PSOE zu wählen, sondern zu glauben, dass Wählen alles löst“, heißt es dazu. Derweil wächst der Drogenhandel weiter und greift sogar auf den Immobiliensektor über: In Sevilla sollen Luxuswohnungen, die auf dem Reißbrett verkauft werden, laut manchen Stimmen Käufer mit Verbindungen zum Drogenmilieu haben.
Der Preis der Normalisierung
Am besorgniserregendsten ist, dass Petacas und Traficante-Boote für die Anwohner längst zur gewohnten Kulisse geworden sind. „Früher war es nur an der Meerenge, jetzt von Guadiana bis Cabo de Gata“, warnen sie. Die Behörden beschränken sich darauf, die leeren Tanks zu entfernen – wenn überhaupt –, ohne die logistischen Basen anzugreifen. Das illegale Treibstoffgeschäft bewegt Millionen, und solange die Nachschubkette nicht gekappt wird, werden die Boote weiterfahren. Die Frage ist, ob die Gesellschaft bereit ist zu akzeptieren, dass ganze Regionen in die Hände der organisierten Kriminalität fallen.
Währenddessen wird in Madrid über die Mietpreise debattiert.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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