Spaniens Stromauslöser: Streit zwischen Regierung und Versorgern

Premier Sánchez macht private Betreiber für den Blackout verantwortlich; Iberdrola und andere weisen Schuld zurück.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Stromauslöser: Streit zwischen Regierung und Versorgern
Sánchez greift Stromversorger nach Blackout an – Branche kontert

Wer zahlt die Rechnung für einen Stromausfall, der die Iberische Halbinsel in Dunkelheit stürzte? Premierminister Pedro Sánchez trat nach dem Ministerrat auf und wiederholte fünfmal dieselbe Idee: „Wir werden offensichtlich alle angemessenen Verantwortlichkeiten von allen privaten Betreibern fordern.“ Für die Führungskräfte von Iberdrola, Endesa, Naturgy, Repsol, EDP und Moeve klang das wie eine Kriegserklärung. Stunden zuvor hatten diese Unternehmen Kontakt zu staatlichen Stellen gehabt, überzeugt davon, dass der Fehler im System lag und die Verantwortung bei Red Eléctrica (REE) läge. Am Dienstag fiel diese Hypothese zusammen.

Was geschah und wen die Regierung beschuldigt

Der Blackout hat einen alten Konflikt neu entfacht. Die Exekutive hatte die Branche stets im Visier: erst Vorwürfe über Zufallsgewinne, dann Beschuldigungen der Spekulation während der Energiekrise 2020 und schließlich warf die damalige Energieministerin Teresa Ribera den Versorgern vor, sich während des Ukraine-Krieges goldene Nasen zu verdienen. Daraus entstand eine Umsatzsteuer, auch für Banken, die im Kongress mangels Einigung scheiterte. Moncloa griff nach Zinserhöhungen erneut an und schreibt nun ein neues Kapitel.

Die Reaktion der Branche war sofortig. „Mit uns können sie nicht rechnen“, warnte ein Manager eines großen Unternehmens. Andere Quellen beklagten: „Es ist unglaublich, keine drei Tage sind vergangen und sie suchen schon Sündenböcke. Wir sind immer das leichte Ziel.“

Das Treffen in Moncloa ohne Chefs

Die Anschuldigung kam Stunden bevor Moncloa die großen Unternehmen zu einem Dringlichkeitstreffen zum Blackout lud. Ignacio Sánchez Galán (Iberdrola), Francisco Reynés (Naturgy) und Josu Jon Imaz (Repsol) erschienen nicht zum späten Nachmittagstreffen. Das vom Regierungssitz verteilte Foto ließ den Grad des Unmuts erahnen. In der Branche wird diese Reihenfolge – erst angreifen, dann Bildsuche – als Ritual beschrieben: Es geschah bereits in Davos mit Banken und Energieunternehmen sowie bei Treffen mit Sozialpartnern wegen US-Zöllen.

Iberdrola führt den Kampf und zeigt auf Red Eléctrica

Iberdrola hat wieder die Rolle des Regierungsprügels übernommen, wie schon in der Ukraine-Krise. Vorstandschef Ignacio Sánchez Galán erklärte während der Ergebnisvorstellung vor Analysten, die Schuld am Blackout liege einzig und allein „bei der Regierung und bei Red Eléctrica“. Minuten vor dem Treffen mit der Exekutive hatte er gewarnt, „alle notwendigen Maßnahmen“ zum Schutz des Unternehmens und der Kunden zu ergreifen. Branchenquellen bestätigen, dass Endesa, Naturgy, Repsol, EDP und Moeve ähnlich handeln werden, falls Sánchez seine Haltung beibehält.

Red Eléctrica verteidigt sich und Moncloa steht hinter ihr

Nach dem Blackout richteten sich alle Blicke auf Beatriz Corredor und Red Eléctrica. Nach dem Sturm ist es Moncloa, das ihre Präsidentin unterstützt. Corredor verteidigte ihre Geschäftsführung, leugnete eine Schuld von REE und weigerte sich, zurückzutreten. In einem RTVE-Interview verwies sie auch auf die Versorger: „Private Betreiber sind dafür zuständig, Strom ins System einzuspeisen. Wir müssen sehen und mit Daten prüfen, ob Verantwortung besteht.“ Die dritte Vizepräsidentin und Ministerin für ökologischen Wandel, Sara Aagesen, hob die „konstante“, „entschlossene“ und „dem Gemeinwohl gewidmete“ Arbeit von REE hervor, die es ermöglichte, dass alle Umspannwerke bis 4 Uhr morgens am Dienstag, den 29., verfügbar waren.

Technischer Ursprung: 0,15 Hertz Abweichung brachten System zu Fall

Laut kursierenden technischen Berichten betrug die Abweichung 0,15 Hertz unter den idealen 50 Hertz. Da kollabierte das System und die Schutzmechanismen sprangen an. Es gibt keinen anderen Ursprung: Das System geriet außer Kontrolle, hatte aber Stunden, Tage und Wochen vorher chaotische Zustände signalisiert. Auf dieser Basis kreuzen sich zwei Lesarten. Eine besagt, das Problem sei infrastrukturell und wer die Anpassung an Erneuerbare zahle; die andere betont, das System produziere seit fast einem Jahrzehnt drei Viertel des täglichen Stroms aus Erneuerbaren ohne schwere Störungen, und Lärm entstehe, wenn jemand die Kontrolle über ein massives Geschäft verliere.

Wer ist öffentlich, wer privat bei Red Eléctrica

Die Debatte wandte sich der rechtlichen Natur von Redeia zu. Der Staat kontrolliert 20 % über SEPI; Pontegadea (Amancio Ortega) hält 5 %; BlackRock 4,644 %; der Streubesitz liegt bei rund 70,22 %. Manche argumentieren, die Regierung ernenne die Präsidentin per Dekret, mache sie damit öffentlich. Das Gegenargument lautet, dass eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit 80 % privatem Kapital kein Staatsunternehmen sei und der Staat mit 20 % nur vorschlagen, nicht entscheiden könne. Die Diskussion bleibt offen.



Mit diesen Bausteinen ist die Frage nicht, ob es weitere Blackouts geben wird, sondern wer die nächste Erklärung unterschreibt. Die Versorger haben bereits erklärt, nichts Heroisches zur Stabilisierung des Netzes zu tun, wenn die Erzählung sie zu Schuldigen macht. Und die Regierung sucht vorerst weiter die Schuld im Privatsektor. Ein schlechtes Zeichen für die Zahlenden.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (133 Antworten).

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