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Spaniens PSOE ist verwirrt – so verwirrt, dass es sich selbst schadet
Eine Analyse der Unzufriedenheit mit dem spanischen Zweiparteiensystem und der „eisernen Sicherheits“-Vorschläge, die in der öffentlichen Debatte kursieren. Lesen Sie, was dahintersteckt.
Die Unzufriedenheit mit dem Zweiparteiensystem und das Gefühl, dass die politische Klasse nicht auf die realen Probleme reagiert, nähren Diskurse, die berechtigte Kritik mit autoritären Rezepten vermischen. Die Verwirrung liegt nicht nur bei einer Partei: Sie liegt in einer öffentlichen Debatte, in der sich die Diagnose des „Turnismo“ (des alten Systems der parteiweisen Machtwechsel) mit Vorschlägen zur gesellschaftlichen Kontrolle kreuzen, die eine sachliche Analyse verdienen.
Das Gefühl, dass das spanische politische System wie ein Mechanismus abgesprochener Machtalternanz funktioniert – was in der Geschichte als Turnismo bekannt ist –, schleicht sich wieder in Gespräche an der Bar und in Internetforen ein. Der Unterschied zur Restauration des späten 19. Jahrhunderts besteht darin, dass die Diagnose heute aus demokratischer Enttäuschung kommt, nicht aus der Manipulation durch politische Bosse. Und dort beginnt ein Knoten, den es zu entwirren gilt.
## Turnismo als Diagnose und seine Grenzen
Der Begriff Turnismo bezeichnet das System des friedlichen Machtwechsels zwischen zwei Dynastieparteien während der Bourbonen-Restauration zwischen **1876** und **1923**, das von **Cánovas del Castillo** und **Sagasta** organisiert wurde. Dieser Mechanismus funktionierte über manipulierte Kandidatenlisten, Wahlbetrug und Klientelismus: Die Wahlergebnisse wurden im Innenministerium zurechtgebogen, bevor irgendjemand gewählt hatte. Die Bevölkerung war nicht „dumm“, wie manchmal verächtlich gesagt wird; sie war zu überwältigenden Teilen analphabetisch und lebte bis **1890** in einem Zensuswahlrecht, als das allgemeine Männerwahlrecht eingeführt wurde. Dennoch blieb die Kontrolle über die Stimmen durch Klientelnetzwerke erhalten.
Dieses Schema auf das heutige Spanien zu übertragen erfordert Differenzierung. Das spanische Wahlsystem ist proportional, mit geschlossenen Listen und Provinzwahlkreisen, und hat seit **1977** den Wechsel zwischen **PSOE** und **PP** in der Regierung ermöglicht, aber auch den Aufstieg von Parteien wie **Podemos** **2014** und **Vox** **2019**. Das Parlament ging von zwei großen Parteien zu einem fragmentierten Parteienspektrum über. Dass sich der Bipartismus abnutzt, bedeutet nicht, dass das System identisch mit dem von vor einem Jahrhundert ist. Die Kritik am „Turnus“ kann als Metapher für die Machtteilung zwischen Eliten legitim sein, als wörtliche Beschreibung der institutionellen Realität greift sie jedoch zu kurz.
## Der Vorschlag „eiserner Sicherheit“ und der Spiegel Chinas
In der öffentlichen Debatte kursieren Rezepte, die über eine Reform des Wahlsystems hinausgehen. Manche schlagen eine „eiserne Kontrolle durch die Regierung“ über eine „stark polarisierte“ Gesellschaft vor, die sich vor den Fehlern der Vergangenheit fürchtet, mit einem verstärkten Rechts- und Polizeirahmen und Politiken gesellschaftlicher „Homogenisierung“. Als Vorbild wird manchmal das **Festlandchina** genannt, ein Land mit einem Einparteiensystem und einem Sicherheitsapparat, der in Europa seinesgleichen sucht. Man sollte sich daran erinnern, dass die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten der Europäischen Menschenrechtskonvention unterliegen, die willkürliche Festnahmen verbietet und die Meinungs- und Vereinigungsfreiheit garantiert. Jeder Vorschlag „eiserner Kontrolle“ kollidiert mit diesem Rechtsrahmen – und nicht nur am Rande.
Die Vorstellung, Sicherheit sei das, was Migranten, die nach Spanien kommen, suchen – und nicht Geld –, ist eine Vereinfachung, die die Migrationsforschung immer wieder widerlegt. Menschen migrieren aus einer Kombination von Gründen: vor Konflikten fliehen, wirtschaftliche Chancen suchen, Familien wieder vereinen oder politischer Verfolgung entkommen. Diese Komplexität auf eine einzige Motivation zu reduzieren, ist ein Analysefehler, der zu schlecht gestalteten Politiken führt.
## Produktivität, Ernährung und die „imaginäre Peitsche“: der Mischmasch
Der kursierende Text mischt politische Kritik mit Vorschlägen, die von der Verdoppelung oder Verfünffachung der Arbeitszeit bis zur Veränderung der nationalen Ernährung reichen, um „besser denken zu können“. Die erste Idee ignoriert eine grundlegende Tatsache: Die Produktivität pro Arbeitsstunde in Spanien wuchs zwischen **1995** und **2023** laut OECD um jährlich **0,6 %**, und längere Arbeitszeiten führen nicht automatisch zu mehr Produktion. Japan und Südkorea haben lange Arbeitszeiten und ernsthafte Probleme mit Produktivität und Gesundheit am Arbeitsplatz. Die zweite Idee – dass eine Ernährung auf Basis von Mehl und verarbeiteten Lebensmitteln die Konzentration verhindert – hat einen wahren Kern in der Literatur zu Ernährung und kognitiver Leistung, aber von dort bis zur Verordnung einer „natural animal“-Ernährung als politische Lösung ist ein Sprung, den keine Evidenz trägt.
Die „imaginäre Peitsche mit Liebe“ zum Ansporn zum Lernen und die „interrassische Rivalität“ als akademischer Motor sind Einfälle, die in einen politischen Rahmen gesetzt mehr Probleme schaffen würden, als sie lösen. Der Wettbewerb zwischen Schulen und zwischen Schülern existiert und kann gefördert werden, ihn aber zu einem Wettrennen nach ethnischer Herkunft zu machen, ist eine rote Linie, die das spanische Antidiskriminierungsrecht – und der gesunde Menschenverstand – nicht überschreiten lassen.
## Was wirklich diskutiert wird: Verwirrung als Symptom
Der PSOE erhält wie jede Regierungspartei Kritik für seine Debatten, sein Management und seine Kommunikation. Dass eine Partei in einer Debatte „versagt“ oder dass ihre Rivalen besser vorbereitet sind, ist eine legitime politische Bewertung, aber kein überprüfbarer Fakt. Fakt ist hingegen, dass das Vertrauen in die spanischen politischen Institutionen kontinuierlich gesunken ist: **2023** verzeichnete das CIS (Spaniens amtliches Meinungsforschungsinstitut) eine der niedrigsten Bewertungen der historischen Reihe für die politischen Parteien und die Regierung. Diese Unzufriedenheit ist der Nährboden, auf dem apokalyptische Diagnosen und harte Rezepte gedeihen.
Die Verwirrung liegt nicht nur beim PSOE. Sie liegt in einer öffentlichen Debatte, in der sich Kritik am Bipartismus, Misstrauen gegenüber den Medien, Sorge um die innere Sicherheit und die ungefilterte Suche nach ausländischen Vorbildern vermischen. Dieses Chaos zu ordnen erfordert, zwischen der realen Unzufriedenheit – die existiert und konkrete Ursachen hat – und den Lösungen zu unterscheiden, die im Gewand der „Innovation“ vorschlagen, zu Formen politischer Kontrolle zurückzukehren, die Europa vor Jahrzehnten hinter sich gelassen hat.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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