Spaniens PSOE fordert sozialdemokratisches Wohnungsmodell, finanziert es aber nicht

Spanien gibt nur 0,3 % des BIP für öffentlichen Wohnungsbau aus, Finnland dagegen 1 %. Der Plan Casa 47 würde 2 % jährlich über acht Jahre erfordern – niemand bezahlt das.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der Plan Casa 47 will das Wiener Modell mit einem öffentlichen Mietwohnungsbestand nachahmen, der 40 % des Gesamtbestands abdeckt, doch Spanien steckt nur rund 0,3 % des BIP in den öffentlichen Wohnungsbau – weit entfernt von den 2 % jährlich über acht Jahre, die nötig wären. Der Widerspruch ist real: Es wird ein sozialdemokratisches Modell verteidigt, ohne die finanziellen Mittel, die dieses Modell erfordert.

Der öffentliche Wohnungsbau ist in Spanien seit Jahrzehnten das Stiefkind des Sozialstaats. Das Gesundheitswesen verschlingt rund **7 % des BIP**, das Bildungswesen etwa **4 %**. Für Wohnen bleiben dagegen nur etwa **0,3 % des BIP**. Diese Asymmetrie ist kein Zufall: Sie ist das Ergebnis politischer Entscheidungen über Jahrzehnte hinweg, kein Haushaltsunfall.

## Das Wiener Modell als Vorbild

Wien baut seit einem Jahrhundert öffentliche Mietwohnungen. Heute lebt mehr als die Hälfte der Einwohner der österreichischen Hauptstadt in irgendeiner Form kommunal geförderter Wohnung. Finanziert wird das System über allgemeine Steuern und einen eigenen Wohnungsfonds, der Arbeitgeber und Arbeitnehmer belastet. Das ist keine Magie: Es ist öffentliches Geld, das über Generationen hinweg gebunden wird.

Der Plan **Casa 47** will diese Logik nach Spanien importieren. Das öffentliche Unternehmen wurde gegründet, um einen erschwinglichen Mietwohnungsbestand zu schaffen, bei dem die Miete inklusive Nebenkosten und Versorgungskosten **30 % des Nettoeinkommens** des Mieters nicht übersteigt. Auf dem Papier klingt das vernünftig. Das Problem zeigt sich, wenn man in die Kasse schaut.

Finnland gibt rund **1 % des BIP** für den öffentlichen Wohnungsbau aus. Spanien ein Drittel davon. Und es ist nicht nur eine Frage der Zahlen: Die territoriale Finanzstruktur lässt die Autonomen Gemeinschaften und Gemeinden ohne die finanzielle Kraft, um Investitionen dieses Ausmaßes zu stemmen. Aus Gründen der Skaleneffekte, so die Experten, müsste der Zentralstaat den öffentlichen Bestand führen, während die Gebietskörperschaften bebaubares öffentliches Land beisteuern.

## Was es wirklich kosten würde

Damit Casa 47 ambitioniert wäre und **40 % des gesamten Mietwohnungsbestands** in acht Jahren abdecken könnte, müsste Spanien jährlich rund **2 % des BIP** investieren. Diese Summe entspricht dem Verteidigungshaushalt. Das ist kein Kleingeld.

Es gibt drei Wege, dieses Geld aufzubringen, und keiner ist schmerzfrei: mehr öffentliche Schulden machen, direkte oder indirekte Steuern erhöhen oder die öffentlichen Ausgaben mit neuen Prioritäten umschichten. Alle drei haben politische Kosten. Die klassische Sozialdemokratie finanzierte Gesundheit und Bildung mit kräftigen Haushalten und hohen Steuersätzen. Beim Wohnen kam dieser Pakt nie zustande.

Der Widerspruch der **PSOE** (Spaniens sozialistische Partei) ist offensichtlich. Sie verteidigt ein sozialdemokratisches Wohnungsmodell, legt aber nicht das Geld auf den Tisch, das dieses Modell erfordert. Der durchschnittliche sozialistische Wähler besitzt seine Wohnung, und ein erheblicher Teil vermietet weitere. Steuern zu erhöhen, um einen öffentlichen Mietwohnungsbestand zu finanzieren, ist kaum ein siegreiches Wahlrezept.

## Das Mietrecht und der gegenteilige Effekt

Die Reform der Ley de Arrendamientos Urbanos (Spaniens städtisches Mietrecht), eine Zuständigkeit des Staates, sollte die Mieter schützen. Das Ergebnis war laut mehreren Analysen das Gegenteil: ein schrumpfendes Angebot an Mietwohnungen auf dem Gebrauchtmarkt, Vermieter, die strengere Kautionen und Bürgschaften gegen Zahlungsausfälle verlangen, und ein erschwerte Zugang für niedrige Einkommen. Der Staat schiebt die gefährdeten Familien den Vermietern zu, doch der Vermieter schützt sich, wie er kann.

Der öffentliche Mietwohnungsbestand kommt nicht in Fahrt. Währenddessen wächst die Nachfrage durch neue Haushalte weiter, angetrieben durch Zuwanderung und Veränderungen in der Familienstruktur. Städtebauliche Pläne werden auf Grundlage künftiger Bevölkerungsschätzungen entworfen, um Infrastruktur bereitzustellen: Stromnetz, Abwasser, Schulen, Gesundheitszentren. Wächst die Bevölkerung schneller als erwartet, bricht jede Planung zusammen.

## Alternativen auf dem Tisch

Das Modell **Singapur** erscheint als Kontrast. Dort ermöglicht das **99-jährige** Erbbaurecht, dass Wohnungen an den Staat zurückfallen, mit öffentlichen Wohnungen im Eigentum. In Spanien erkunden einige Autonome Gemeinschaften bereits Formen dauerhaften öffentlichen Eigentums: **Galicien** wendet seit **2025** Festpreise bei neuen Bauten des sozialen Wohnungsbaus an, sodass nur innerhalb dieser Grenzen verkauft oder vermietet werden darf.

Die eigentliche Frage ist, ob Spanien einen öffentlichen Mietwohnungsbestand nach Wiener Art oder ein geschütztes Eigentumsmodell nach Singapurer Art will. Oder beides. Was nicht tragfähig erscheint, ist, Casa 47 zu verkünden, ohne zu erklären, woher die **2 % des BIP** jährlich über acht Jahre kommen sollen. Ohne dieses Geld ist der Plan ein Prospekt. Mit ihm ist er eine Steuerrevolution, die niemand den Wählern erklärt hat.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (5 Antworten).

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