Spaniens pro-natalistische Rhetorik, die keine Kinder bringt

Eine Forumsdebatte zeigt, wie pro-natalistische Rhetorik an der Realität scheitert. Kein Gesetz in Spanien verbietet Kinder zu bekommen, und manche weisen auf Widersprüche hin.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens pro-natalistische Rhetorik, die keine Kinder bringt
Die pro-natalistische Rhetorik, die niemand in Kinder übersetzt

Es gibt eine Szene, die nach Aussage mehrerer Teilnehmer des Threads sich in jedem Stadtviertelpark wiederholt und eine ganze Erzählung widerlegt: Die Familien, die den Kinderwagen schieben, sind gerade nicht diejenigen, die die sozialen Medien mit Tiraden über Tradition und kulturelles Erbe füllen. Das Gespräch beginnt mit einem konkreten Vorwurf —„die Proge haben ein Gesetz geschrieben, deshalb werde ich keine Nachkommen haben“— und zeichnet am Ende, so die Beteiligten, einen Widerspruch nach, der weit über ein Gewaltschutzgesetz hinausgeht. Das Ergebnis, das sie beschreiben: ein pro-natalistischer Diskurs, der im Ernstfall an der Theke und in der WhatsApp-Gruppe endet.

Die rechtliche Ausrede hält nicht stand

Das erste Argument, das auf den Tisch kommt, ist, dass es in Spanien und Europa ein ausdrückliches Verbot gibt, Kinder zu bekommen. Davon keine Spur. Weder das spanische Staatsgesetzblatt (BOE) noch das Amtsblatt der Europäischen Union enthalten einen einzigen Artikel, der die Fortpflanzung verhindert, und wer das behauptet, kann die konkrete Norm nicht zitieren, weil es sie nicht gibt. Was es laut dem Thread tatsächlich gibt, ist ein Umfeld, das abschreckt: prekäre Arbeitsverhältnisse, unbezahlbare Wohnungen, Kita-Preise auf Hypothekenniveau und gesplittete Dienstage, die den Tag auffressen. Das ist kein Verbot, das ist wirtschaftliche Erstickung. Und der Unterschied ist wichtig, denn das eine bekämpft man an der Wahlurne, das andere verlangt, dass man in den Spiegel schaut.

Wenn man nach dem konkreten Gesetz gefragt wird, weicht die Antwort aus: „alle nationalen und kontinentalen Gesetze“. Das heißt: keines. Der rechtliche Rahmen wird so zum vagen Schirm, unter dem man eine Entscheidung versteckt, die nach Ansicht der Kritiker im Thread auf weit banalere Gründe zurückgeht.

Die wahren Kosten der Kindererziehung und der Preis, es nicht zu tun

Die unbequemste Analyse kommt, wenn der Blick auf das Materielle fällt: Kinder bekommen ist teuer, anstrengend und frisst Zeit, die man lieber in Padel oder Craftbeer investieren würde. Das ist keine sarracena Kritik, das ist Haushaltsarithmetik, so diejenigen, die diese Lesart vertreten. Und diese Arithmetik kennt keine Ideologie: Sie trifft den Wähler rechts genauso wie den links. Der Unterschied, so heißt es, sei, dass die einen es zugeben und die anderen es als kulturellen Widerstand verkleiden.

Dort liegt der Kern der Sache, so diese Deutung. Während ein Teil der konservativen Wählerschaft sich einredet, dass Kinderlosigkeit ein Opferakt sei —keine Kinder in eine Welt setzen, die der Gegner vergiftet hat—, bekommen die anderen weiterhin Kinder: Arbeiterfamilien, Ein-Eltern-Haushalte und Zugezogene aus dem Ausland. Über den demografischen Nachwuchs entscheidet kein Gesetz, sondern wer sich exponiert.

Der kinderlose Influencer um die Vierzig

Das Gespräch driftet zu einer wiedererkennbaren Figur: der traditionalistische Content-Creator, kurz vor vierzig, ohne ein einziges Kind, der die Botschaft verkauft, er und die Seinen seien die letzten Verteidiger der westlichen Zivilisation. Das sei ein lukratives redaktionelles Produkt, so die Teilnehmer. Man baut einen abstrakten Feind auf, verspricht Widerstand und vermeidet den unbequemen Teil: die Verantwortung der Kindererziehung. Der Märtyrer ohne Nachkommen ist die perfekte Paradoxie: Er opfert sich für ein Vermächtnis, das niemand antreten wird.

„Es lohnt sich nicht“: das ungeschminkte Geständnis

Nicht alle verbergen den wahren Grund. Mancher sagt es ohne Betäubung: Kinder mit einer modernen Frau zu bekommen, hieße sein eigenes Grab zu schaufeln, und mit Einsamkeit und Hobbys lebe es sich gut. Das ist zumindest eine konsequente Haltung — und kurioserweise deckt sie sich mit der, die sie den verachteten Gegnern zuschreiben. Wenn man sie auf den Widerspruch hinweist, lautet die Antwort, jeder sei frei. Stimmt. Aber dann ist die Predigt überflüssig.

Die Frage, die in der Luft bleibt, ist nicht, warum sie keine Kinder haben. Sondern warum sie ein Gesetz für eine Entscheidung verantwortlich machen müssen, die sie im Grunde schon lange getroffen haben.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (51 Antworten).

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