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Spaniens Palästina-Streik: Scheitern und Kritik an Gewerkschaften
Der für Spanien ausgerufene Streik zur Unterstützung Palästinas scheiterte. Nur Beamte und Studenten folgten dem Aufruf, während die Gewerkschaften scharf kritisiert wurden.
Palästina-Streik in Spanien: Der Aufruf, dem niemand folgte
Der für ganz Spanien ausgerufene Generalstreik zugunsten Palästinas ist ein Beteiligungsdesaster. Das Stimmungsbild zeigt deutlich, dass sich die Debatte vom Gaza-Konflikt gelöst hat und stattdessen zu einer totalen Abrechnung mit den Gewerkschaften und der politischen Linken geworden ist. Der als Generalstreik konzipierte Ausstand fand im privaten Sektor kaum Anklang und hinterließ das Bild einer gespaltenen Gewerkschaftsbewegung.
Handel und Gastronomie legten nicht die Arbeit nieder
Die vorliegenden Eindrücke sind eindeutig: Lokale Geschäfte, Döner-Imbisse und die Gastronomie öffneten wie gewohnt. „Alle Döner-Läden haben geöffnet“, fasst ein Teilnehmer zusammen und stellt klar, dass der Streik im kleinen Handel keine Wirkung zeigte. Die allgemeine Wahrnehmung ist, dass die Beteiligung minimal war, selbst unter den Organisatoren, und dass der Tag mehr Lärm als Substanz produzierte.
Laut mehreren Kommentaren kam der Aufruf zu spät und war schlecht vorbereitet. „Sie hatten zwei Jahre Zeit für diesen Streik. Sie machen ihn jetzt, weil sie gerade emotional aufgeputscht sind“, lautet eine Nachricht, die das Gefühl des politischen Opportunismus widerspiegelt. Der Streik wird eher als emotionale Reaktion auf den Gaza-Konflikt wahrgenommen denn als ernsthafte arbeitsrechtliche Forderung.
Nur Beamte und Studenten beteiligten sich
Die Beteiligung am Streik war sehr ungleichmäßig. Während Beamte und Studenten die sichtbarsten Gruppen waren, lief der Privatsektor normal weiter. „Morgen legen nur die Beamten die Arbeit nieder“, urteilt ein Teilnehmer und fasst damit die Wahrnehmung zusammen, dass der Streik Sache einer Minderheit sei. Die Kritik richtet sich auch gegen Studenten, denen vorgeworfen wird, jede Gelegenheit zu nutzen, um dem Unterricht fernzubleiben: „Schüler melden sich bei allem Möglichen an, nur um nicht zur Schule gehen zu müssen.“
Diese Spaltung hat bei Selbstständigen und Angestellten im Privatsektor tiefe Unzufriedenheit ausgelöst. Für sie ist der Streik Zeitverschwendung und eine Bedrohung ihrer Einkünfte. „Der Selbstständige, der seinen Laden öffnen muss, derjenige ohne Wohnung oder kurz vor der Kündigung... den interessiert Palästina, Hamas, Israel etc. wenig bis gar nichts“, heißt es, was die Kluft zwischen alltäglichen Sorgen und internationalen Anliegen verdeutlicht.
Kritik an den Gewerkschaften: Vom Arbeiterkampf zum internationalen Aktivismus
Die Debatte kanalisiert einen tieferen Unmut: den Richtungsverlust der Gewerkschaften. Viele sehen darin, dass die Dachverbände ihre Kernfunktion – die Verteidigung der Arbeitnehmerrechte – zugunsten politischer und medialer Themen aufgegeben haben. „Die Gewerkschaften sind nur noch Dekoration. Früher gab es harte Arbeitskämpfe für 60 Tage Abfindung pro Arbeitsjahr, keine Leiharbeit, keinen freien Kündigungsschutz. Jetzt, wo sie Fahnen schwenken können, gibt es freie Kündigungen, 20 Jahre pro Jahr, befristete Verträge über Leiharbeitsfirmen“, kritisiert eine Nachricht und bringt das Gefühl zum Ausdruck, dass der Streik eine Nebelkerze ist.
Viele betrachten den Palästina-Streik als Manöver, um von den realen Problemen der spanischen Arbeiterklasse abzulenken. „Warum gibt es keinen Streik wegen steigender Lebensmittelpreise? Oder wegen der Wohnkosten?“, fragt ein Teilnehmer und legt den Finger in die Wunde hinsichtlich der Prioritäten der Gewerkschaften.
Das Absurde als Strategie: Internationale auf Arabisch und leere Kundgebungen
Der Tag hat kontroverse Bilder hervorgebracht, wie die Darbietung der „Internationale“ auf Arabisch in Bilbao oder Kundgebungen mit geringer Beteiligung. „In Bilbao wurde während des fingierten Generalstreiks für Palästina die Internationale auf Arabisch gesungen“, wird kritisiert und die Aktion als „lächerlich“ bezeichnet. Von Gegnern wurde der Streik als „Fake“ und „Inszenierung“ abgetan, da er angeblich keiner echten Forderung der Arbeitnehmer entspringt.
Der Aufruf wurde zudem wegen seiner möglichen Illegalität kritisiert, da Generalstreiks nach Ansicht einiger nur aus arbeitsrechtlichen Gründen erfolgen dürfen. „War es nicht illegal, Streiks aus Nicht-Arbeitsgründen auszurufen?“, fragt ein Teilnehmer und entzieht dem Vorgang damit eine weitere Legitimationsgrundlage.
Der politische Hintergrund: Eine Linke, die den Kontakt verliert
Die Diskussion offenbart eine tiefe Entfremdung gegenüber der politischen und gewerkschaftlichen Linken. „Wenn die Linke regiert, werden sie schon sehen...“, heißt es in einem bedrohlich-frustrierten Tonfall. Viele interpretieren den Streik als weiteres Beispiel dafür, dass die Linke die realen Probleme der Menschen nicht versteht. „Natürlich NEIN, und das obwohl ich die palästinensische Sache unterstütze, aber ich habe keine Lust, den verdammten roten Spaniern nach dem Mund zu reden“, schreibt jemand und illustriert die Komplexität der Gefühle.
Zusammenfassend hat der Palästina-Streik eine Spur der Kritik hinterlassen, die weit über den Gaza-Konflikt hinausgeht. Er hat den Riss zwischen den Gewerkschaften und Teilen der Arbeiterschaft offengelegt und die Debatte über die Rolle der Linken im heutigen Spanien neu entfacht. Mit dieser Ausgangslage ist zu erwarten, dass der nächste politisch motivierte Streikaufruf wieder floppt. Aber in diesem Land weiß man nie.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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