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Spaniens Modernitätsmüdigkeit: Bis 80 im Job schuften
Ein Online-Debatte in Spanien führt moderne Langeweile auf die Unvereinbarkeit des Menschen mit der heutigen Arbeitswelt zurück.
Die Müdigkeit des modernen Lebens: Bis 80 in einem Scheißjob schuften
Das moderne Leben ist langweilig. Zu diesem Schluss kommt eine Debatte, die weit mehr als eine einzelne Beschwerde darstellt: Sie spiegelt ein tiefgreifendes Unbehagen wider – das Gefühl, dass der Mensch nicht für die Welt gemacht ist, in der er leben muss. „Der Mensch ist nicht für die moderne Welt gemacht, es sei denn, man ist ein Intellektueller, der philosophierend oder durch die Erforschung von Physik und Mathematik leben kann. Der Rest von uns ist dafür gemacht, Jäger/Sammler zu sein und eines Tages in einem Krieg gegen den anderen Stamm zu sterben. Das bis zum 80. Lebensjahr in einem Scheißjob zu schuften, ist Folter“, lautet das Urteil eines Teilnehmers. Dieser Satz verdichtet den Kern einer Unterhaltung, die sich in Richtung Politik, Geopolitik und der menschlichen Kondition entwickelt.
Das Leben als Simulation mit schlechtem Drehbuch
Die Idee, dass das Leben eine schlecht geschriebene Simulation ist, taucht früh auf. „Wenn das Leben eine Simulation ist, sind die Grafiken eine 10, aber das Drehbuch ist scheiße“, fasst eine Nachricht zusammen. Der halb scherzhafte Einfall greift eine wiederkehrende Klage auf: Sinnlosigkeit, Wiederholung und das Fehlen von Abenteuer. „Ihr jungen Leute, erlebt Abenteuer, Hamijos [Anrede in spanischen Foren], lasst euch nicht vom Hamsterrad einfangen“, rät der Autor der ersten Nachricht, ein Vierzehnjähriger, der gesteht, dass das Aufregendste an seiner Woche das Ausweichen vor einer Kollegin ist. Die Paradoxie besteht darin, dass viele trotz Anerkennung der Langeweile keinen Ausweg sehen: „Wer keine Abenteuer hat, will sie auch nicht“, antwortet ein anderer, schränkt dann aber ein: „Ah, ich weiß nicht, ich erlebe sie auch nicht, aber ich beschwere mich nicht. Ich füge mich.“
Krieg als wiederkehrende Fantasie
Der Wunsch nach einem Krieg zieht sich durch mehrere Nachrichten. „Wir Männer sind für den Krieg vorbereitet, für das Getümmel der Schlacht... ich möchte Abenteuer wie Capitán Alatriste erleben... ich werde 45 und habe noch nie an der Front gedient“, schreibt der ursprüngliche Autor. Die kriegerische Nostalgie vermischt sich mit Geopolitik: „Zumindest haben die Russen regelmäßig Kriege, ich beneide sie.“ Die Antwort lässt nicht auf sich warten: „Ich hoffe, dass du dich nicht versteckst, wenn die Rekrutierungen für den nächsten künstlich erfundenen/provozierten Krieg beginnen.“ Die Diskussion lenkt auf die Ukraine und Selenskyj, mit Korruptionsvorwürfen und einer expliziten Ablehnung, „für einen Inkompetenten, Korrupten und Kokainabhängigen in den Tod zu gehen“. Der Krieg ist hier keine Lösung, sondern eine imaginäre Flucht.
Langeweile als Klassenproblem
Nicht alle teilen diese Diagnose. „Wenn dir das Leben langweilig vorkommt, warte nur den Tod ab“, lautet die Antwort einer Nachricht. Ein anderer weist darauf hin: „Es gibt viele Möglichkeiten, Abenteuer zu erleben. Du kannst deine Freizeit nutzen, um dich weiterzubilden, etwas Neues zu lernen, ein kleines Online-Geschäft aufzubauen... Sich zu langweilen ist der einfache Weg. Fülle dein Leben mit Dingen, die du tun kannst.“ Die Spaltung ist deutlich zwischen denen, die Langeweile als Wahl betrachten, und denen, die sie als strukturell ansehen. „Der Calopez-Plan ist der Traum jedes vernünftigen Menschen: ein Einkommen generieren, das die Grundkosten deckt, und aus dem System aussteigen“, wirft ein Teilnehmer ein, warnt jedoch: „Leicht gesagt, schwer zu machen, wenn man halblebenslang in einer Fischfabrik mit eiskalten Händen gearbeitet hat.“
Das kontemplative Leben und seine Grenzen
Die Sehnsucht nach einem kontemplativen Leben erscheint in mehreren Beiträgen. „Ich könnte 20 Jahrhunderte im kontemplativen Leben verbringen, philosophieren, mein Leben nur der Weisheit und dem Denken widmen. Nichts tun und schlafen gehört zu meinen größten Vergnügen“, schreibt ein Teilnehmer. Die Erwiderung kommt skeptisch: „Das mit dem Philosophieren über 20 Jahrhunderte klingt auf dem Papier schön. Aber in Wirklichkeit ermüdet das echte kontemplative Leben mehr als acht Stunden Kartons in einem Kühlraum zu stapeln.“ Der Austausch hinterlässt eine offene Frage: Ist Langeweile ein Luxus oder ein Verhängnis?
Die Debatte endet nicht. Manche geben dem System die Schuld, andere dem Mangel an Initiative. Währenddessen bleibt das Leben für viele eine Simulation mit schlechtem Drehbuch. Gibt es einen Ausweg, der nicht über Krieg, Resignation oder Ignoranz führt?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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