Der beste Anime aller Zeiten: Akira im Konflikt mit modernen Rankings
Ein Ranking der 32 besten Animes auf MyAnimeList, angeführt von Sousou no Frieren, hat einen generationellen Krieg entfacht. Veteranen werfen der Liste vor, von „Millennials“ erstellt worden zu sein, die die Geschichte des Mediums ignorieren. Die Kombination aus den am besten bewerteten, beliebtesten und meistfavorisierten Serien lässt Titel außen vor, die ganze Generationen prägten: Weder Akira, noch Mazinger Z, Astroboy oder Heidi finden sich in einer der drei Kategorien. Die Kluft ist nicht nur geschmacklich, sondern auch eine Frage des Gedächtnisses.
Die Liste, die das Fundament des Anime ignoriert
Das Ranking beginnt mit Sousou no Frieren, einer kürzlich ausgestrahlten Serie, gefolgt von modernen Klassikern wie Fullmetal Alchemist: Brotherhood, Steins;Gate und Shingeki no Kyojin. Die drei Kategorien – Bestwertung, Popularität und Favoriten – umfassen 64 Titel, lassen aber Akira, Ghost in the Shell, Mazinger Z, Astroboy, Heidi, Marco, Hellsing, Ranma, Berserk, Candy Candy und Saint Seiya unter anderen aus. Der häufigste Kritikpunkt ist, dass das Ranking Neuheiten und Massenphänomene belohnt, nicht wegweisende Werke.
Manche argumentieren, dass Akira in Europa einen Wendepunkt markierte: „Wir gingen von Hanna-Barbera-Cartoons über Disney und Warner Bros. zu etwas über, das uns buchstäblich den Kopf sprengte“, fasst ein Veteran zusammen. Für die, die die 90er erlebten, war der Film von Katsuhiro Otomo nicht nur ein Film, sondern die Volljährigkeit des Anime in Europa. Ghost in the Shell und Cowboy Bebop vervollständigen dieses Pantheon ernsthafter Animation, das das moderne Ranking scheinbar vergessen hat.
Evangelion, Monster und der zeitlose Kanon
Unter den gelisteten Titeln führt Evangelion bei den Favoriten an, gefolgt von Violet Evergarden, Madoka Magica und Chainsaw Man. Doch die Diskussion dreht sich schnell um das Fehlende: Monster, Paranoia Agent, Serial Experiments Lain, Ergo Proxy, Kaiba, Trigun und Kino's Journey werden als unverzeihliche Auslassungen genannt. „Die Anime-Produktion ist fast unendlich, und einige der hier aufgeführten Titel sind praktisch eine Beleidigung für die Intelligenz“, urteilt ein Analyst.
Die Debatte um Shingeki no Kyojin füllt mehrere Diskussionsrunden. Ein Teil verteidigt es als „die Nummer 1 Anime“ aufgrund seiner Epik und Fähigkeit, erwachsene Zuschauer anzusprechen. Andere entgegnen, es sei „der modische Shonen jeder Generation“ und Fullmetal Alchemist sei innerhalb desselben Genres „das reifere Werk“. Die Diskussion eskaliert zu einem Alterskonflikt: Ältere beschuldigen Jüngere, nichts vor 2010 gesehen zu haben; Jüngere kontern, Veteranen verwechselten Nostalgie mit Qualität.
Das Problem, den besten Anime anhand einer einzigen Plattform zu messen
Die Wahl von MyAnimeList als einzige Quelle ist ein weiterer Streitpunkt. Die Plattform gewichtet die Durchschnittsbewertung ihrer Nutzer, deren Demografie jedoch stark auf junge und anglophone Zielgruppen ausgerichtet ist. Daher erscheint Gintama 17-mal (einmal pro Staffel), Shingeki no Kyojin wird in mehrere Einträge aufgeteilt, während Dragon Ball Z als einzelne Serie geführt wird, obwohl es eigentlich zwei verschiedene Phasen umfasst. Der Vorschlag, „das gesamte Werk“ zu bewerten, kollidiert mit der Mechanik der Plattform, die Fragmentierung belohnt.
Das Ergebnis ist ein Ranking, das Popularität und Durchschnittswertung misst, nicht historischen Einfluss. One Piece, Naruto und Bleach belegen hohe Plätze aufgrund der Stimmenzahl, während Werke, die das Medium definierten – Ashita no Joe, Mushishi, Great Teacher Onizuka – auf die letzten Plätze verwiesen oder ganz ausgeschlossen werden. Das Paradoxon besteht darin, dass der beste Anime aller Zeiten, falls er existiert, wahrscheinlich in keiner durch öffentliche Abstimmung erstellten Liste zu finden ist.
Die Generation, die mit Akira aufwuchs, stimmt nicht auf MyAnimeList ab
Die Generationenkluft ist der eigentliche Kern des Dissenses. Wer den Anime-Boom der 90er erlebte, nimmt nicht an digitalen Wahlen teil, und wer abstimmt, hat die prägenden Werke oft nicht gesehen. „Wenn du unter 40 bist, kannst du dir kaum vorstellen, was Akira für den Westen bedeutete“, resümiert ein Veteran. Von der anderen Seite kommt eine ebenso klare Antwort: „Ich bin über 15, deshalb kann ich verstehen, dass Menschen unterschiedlichen Geschmack haben, ohne dass die Welt untergeht.“
Die Stimmung heizt sich auf, wenn Vorwürfe der Unreife laut werden. Ein Teil behauptet, Dragon Ball Z sei „eine Show für vorpubertäre Kinder“ und es als Erwachsener zu schauen, lächerlich. Ein anderer entgegnet, Fullmetal Alchemist sei „eine Kinderserie mit erwachsenen Themen und Emotionen“ und Shingeki no Kyojin „der Holocaust, erklärt für Kinder“. Keine Seite gibt nach, und die Debatte mündet in die alte Frage: Kann man Qualität durch eine Umfrage messen?
Die Liste bleibt derweil bestehen. Sousou no Frieren an der Spitze, Akira nirgendwo. Ist dies ein treues Bild des aktuellen Geschmacks oder kollektive Amnesie, getarnt als Ranking?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (115 Antworten).