Spaniens Mindesteinkommen wächst um 16,9 % auf 879.225 Haushalte

879.225 Haushalte beziehen im Juli das Ingreso Mínimo Vital (IMV), 16,9 % mehr als vor einem Jahr. Licht und Schatten einer Leistung, die niemanden gleichgültig lässt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

879.225 Haushalte beziehen nun das IMV: Die Sozialausgaben wachsen um 16,9 %

Das Ingreso Mínimo Vital (IMV, Spaniens bedarfsgeprüfte Mindesteinkommensleistung) ist kein provisorisches Flickwerk mehr, sondern zum zentralen Pfeiler der sozialen Sicherung in Spanien geworden. Die Julizahlen lassen keinen Spielraum für Deutungen: 879.225 Haushalte erhalten die Leistung, 16,9 % mehr als vor einem Jahr. Befürworter sprechen von geretteten Leben; Skeptiker sprechen von Abhängigkeit. Die Zahl allein gibt beiden recht.

Die Kälte der Zahlen und der politische Lärm

Der Ausbau des IMV hält unaufhörlich an. Im Juli stieg die Zahl der empfangsberechtigten Haushalte um 16,9 % im Jahresvergleich, ein Tempo, das darauf hindeutet, dass sich die Leistung als Ersatzeinkommen für einen Teil der Bevölkerung normalisiert. Schätzungen der Analysten beziffern die Zahl der abgedeckten Personen auf 2,7 Millionen, rund 5 % der Bevölkerung. Das sind keine abstrakten Individuen: Es sind Haushalte, die von einer staatlichen Transferleistung abhängig sind, um über die Runden zu kommen.

Gleichzeitig zeichnen die Beschäftigungszahlen ein Paradox. Offiziell liegt die Arbeitslosigkeit bei rund 10 %, doch rechnet man die Schwarzarbeit hinzu, läge der tatsächliche Wert näher bei 15 %. Und das Volumen der geleisteten Arbeitsstunden ist weiterhin dasselbe wie 2008, obwohl die Zahl der Sozialversicherungsbeitrager um drei Millionen gestiegen ist. Das heißt: Es sind mehr Menschen als beschäftigt gemeldet, aber es gibt keine höhere Produktivität.

Das IMV: Rettungsring oder Falle?

Eine Strömung vertritt die Auffassung, das IMV hätte vor Jahrzehnten eingeführt werden sollen, als Sicherheitsnetz, das verhindert, dass Menschen gezwungen sind, jede Arbeit unter unwürdigen Bedingungen anzunehmen. Demgegenüber besteht eine andere Lesart darauf, dass ein Teil der Empfänger die Leistung einer Beschäftigung vorzieht und das System die Vermeidung von Anstrengung belohnt. Ein dritter, zynischerer Ansatz sieht im Anstieg der Empfängerzahl eine soziale Kosmetikoperation: Der Konflikt wird mit einem Mindesteinkommen aufgeschoben, das die strukturellen Ursachen der Ungleichheit nicht berührt.

Die vernünftigste Prognose ist, dass das IMV weiter wachsen wird, solange der Arbeitsmarkt keine qualitativ hochwertigen Arbeitsplätze schafft. Die eigentliche Prüfung kommt, wenn der Staat entscheiden muss, ob er die Zahl der Empfänger ausweitet oder einfriert. Dann werden 879.225 Haushalte keine Statistik mehr sein: Sie werden eine Wählerschaft sein.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (26 Antworten).

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