Spaniens Mieten steigen um 40,7%, während junge Löhne stagnieren

In Spanien erreicht die Durchschnittsmiete 968 € (+40,7%), das Jugendeinkommen liegt bei 1.055 €. Mit 163 € Nebenkosten verzögert sich der Auszug auf 30,4 Jahre.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Mieten steigen um 40,7%, während junge Löhne stagnieren
Miete von 968 € vs. Jugendlohn von 1.055 €: Die Rechnung geht nicht auf

Laut Berechnungen, die in der öffentlichen Debatte kursieren, ist der durchschnittliche Mietpreis nach einem historischen Anstieg von 40,7 % auf 968 Euro explodiert, während das Durchschnittsgehalt unter 30-Jähriger kaum 1.055 Euro erreicht – ein Plus von nur 6,10 % gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kommen monatlich 163 Euro für Grundversorger. Mit diesen Zahlen hat sich das durchschnittliche Alter des Auszugs aus dem Elternhaus in Spanien auf 30,4 Jahre verlängert. Die Kluft zwischen den Kosten für Wohnraum und dem Einkommen derer, die ihn brauchen, ist keine Frage der Wahrnehmung: Es ist Arithmetik.

Das Thema rückte ins öffentliche Bewusstsein, als eine TV-Kommentatorin das Problem als „sehr ernst“ anerkannte und ihre Redezeit sofort nutzte, um Demonstranten anzugreifen. Dieser Schwenk – dramatische Diagnose gefolgt von Verachtung für Protestierende – fasst einen Teil des Tons zusammen, mit dem über Wohnraum in Spanien diskutiert wird. Er wirft eine unbequeme Frage auf: Wer profitiert davon, dass der Fokus auf protestierenden Mietern liegt und nicht auf den Preisen, die sie zahlen?

Warum steigen die Mieten, wenn es mehr Mieter denn je gibt?

Die am häufigsten genannte Erklärung in Wirtschaftsforen verweist auf einen doppelten Effekt. Einerseits schrumpft das Angebot: Ein Teil des Wohnungsbestands verschwindet vom Markt, wenn Eigentümer ein höheres Risiko wahrnehmen. Andererseits geben jene, die weiterhin vermieten, diese Risikoprämie an den Preis weiter. Offen formuliert bedeutet dies, dass das gestiegene wahrgenommene Risiko – Mietausfälle, Schäden, rechtliche Änderungen – viele kleine Vermieter dazu bringt, ihre Wohnungen zurückzuziehen.

Globale Daten widerlegen diese Spannung nicht. Zwischen 2015 und 2024 sind die Mietpreise laut den in der Debatte zirkulierenden Materialien **um 54 % in den USA**, **um 32 % in China** und **um fast 15 % in der EU** gestiegen. Dies ist kein rein spanisches Phänomen; es ist eine internationale Plage. Zuvor erschwingliche Städte haben sich so verteuert, dass sie unhaltbare Niveaus erreichen, und politische Maßnahmen zur Angebotssteigerung und Regulierung der Mieten hatten bisher nur begrenzte Wirkung.

Mietobergrenzen und ihre rechtlichen Schlupflöcher

Das Gesetz, das Mieten in sogenannten „angespannten Gebieten“ (Zonen mit hoher Nachfrage und geringem Angebot) deckelt, ist nicht das Allheilmittel, das manche verkauft haben. Obergrenzen gelten nur für Wohnungen, die in den letzten fünf Jahren nicht vermietet wurden oder erstmals auf den Markt kommen. Eine Wohnung, die in diesem Zeitraum bereits vermietet war, kann ihren letzten Vertragspreis ohne Erhöhung beibehalten. Kurz gesagt: Die Deckelung senkt nicht das, was ohnehin schon astronomisch hoch war.

Diese rechtliche Architektur schließt einen großen Teil des bestehenden Bestands aus und erklärt, warum die Maßnahme die Eskalation nicht gestoppt hat. Manche argumentieren, das Problem sei nicht mangelnde Regulierung, sondern fehlender Baubestand: Ohne ausreichenden öffentlichen Wohnungsbestand – dessen Aufbau Jahrzehnte dauern würde – greift jede Obergrenze zu kurz. Der optimistische Blick geht davon aus, dass das Angebot reagiert; das pessimistische Szenario geht davon aus, dass kleine Vermieter weiterhin den Markt verlassen werden.

„Weder diese Regierung noch eine zukünftige wird das Privateigentum beenden“

Die Diskussion schnellte bald in einen Grabenkrieg. Eine Strömung behauptet, das eigentliche Ziel bestimmter linker Gruppen sei nicht, große Fonds gesetzlich zu niedrigeren Mieten zu zwingen, sondern Eigentümern mit zwei oder drei Wohnungen deren Besitz wegzunehmen und sie denen ohne Wohnung zu geben. Sie fügen hinzu, dass gegen Großvermieter wenig auszurichten sei und der Fokus auf kleinen Vermietern – mit deklarierten Durchschnittseinkommen von 40.000 bis 45.000 Euro jährlich – ein Rauchvorhang sei.

Gegenüber antwortet eine andere Strömung, dass Parteien mit rechtsgerichteten Labels Vertreter großer Rentiers und Entwickler seien und dass die PSOE sich faktisch den Forderungen dieser Akteure beuge, auch wenn sie rhetorisch etwas anderes sage. Solange diese drei Säulen die Führung innehaben, so ihr Schluss, bleibt Wohnraum in Spanien eher ein Anlagegut als ein Bürgerrecht.



Ein historisches Detail verwirrt oft die glühendsten Verteidiger des freien Mietmarkts: Während der Franco-Diktatur wurden Mieten eingefroren, Verträge unbefristet und vererbbar gemacht, wobei alte Mieten von Eltern auf Kinder übergingen. Wer dies in einer Wohnraumdiskussion erwähnt, stößt meist auf zwei Reaktionen: Schweigen oder Entsetzen. Das selektive Gedächtnis bezüglich Interventionismus funktioniert so.

Kann man den protestierenden Mieter beschuldigen?

Nein. Dennoch hat ein Teil der öffentlichen Erzählung nahegelegt, dass Protestierende privilegierte Menschen seien, die sich als Opfer ausgeben. Die übliche Antwort in Wirtschaftsforen lautet, dass jemand, der sich um Wohnungspreise sorgt, aber seine Zeit damit verbringt, den Bau neuer Wohnungen rechtlich zu sabotieren, nicht besorgt über Preise ist: Er ist besorgt über etwas anderes. Mindestens lädt dieser Widerspruch dazu ein, zu fragen, was er stattdessen vorschlägt.

Das Angebotsargument hat seine eigene Falle. Wenn kleine Vermieter den Markt verlassen, hat jeder ohne eigenes Zuhause, der mieten möchte, extreme Schwierigkeiten. Den Aufbau eines ausreichenden Bestands würde Jahrzehnte dauern. In der Zwischenzeit wählen die verbleibenden Vermieter – zunehmend informiert – Mieter nach Kriterien aus, die Profile ausschließen, die sie als verletzlich empfinden.

Wo die Analyse an eine Sackgasse stößt

Mit diesen Differenzialen – 968 Euro Miete vs. 1.055 Euro Jugendlohn, plus 163 Euro Nebenkosten – sollte der Auszug im Alter von 30,4 Jahren ein großes Wahlkampfthema sein. Ist es aber nicht. Die Debatte hat sich in Gräben festgesetzt: Einige zeigen auf Rentiers, andere auf Hausbesetzer, wieder andere auf die Regierung und andere auf Protestierende. Niemand hat bisher eine Berechnung vorgelegt, die die Bilanz ausgleicht. Und ohne diese Bilanz werden die Mieten nächstes Jahr erneut steigen, und die Jugendlöhne hoffentlich um 6,10 %.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (110 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver