Stadtwohnungen werden obsolet: Das Land gewinnt wieder an Bedeutung
Eine Kommune mitten im Gebirge, ein Windrad im Westernstil und ein Netzwerk aus Autobatterien, die 12-Volt-Glühbirnen betreiben. Das war der technologische Stand des Landlebens in den Neunzigern. Für jede dringende Erledigung musste man eines der alten Geländewagen der Flotte starten, mit einem Verbrauch von 15 bis 20 Litern pro 100 Kilometer. Das Land war damals eine energetische Belastung.
Die heute vertretene These ist das Gegenteil: Photovoltaik, Mikro-Windkraft und Internet haben das Gleichgewicht umgekehrt. Die städtische Wohnung würde auf dieselbe Weise veralten wie ein teurer Videorekorder, der heute nur noch eine Kuriosität auf dem Flohmarkt ist. Und es ist keine abgeschlossene Debatte: Es gibt Berechnungen, Zahlen und ernsthafte Widerlegungen auf dem Tisch.
In den Neunzigern war das Land ein schlechteres Geschäft als die Stadt
Jahrzehntelang argumentierte die Umweltbewegung andersherum. Modernes Leben auf dem Land erforderte viel mehr Energie: Auto selbst für den Brötchenkauf, Geländewagen in unwegsamem Gelände, Transport von Strom und Brennstoff zu abgelegenen Häusern sowie ein Dach, das eine einzelne Familie instand halten musste, im Gegensatz zum Dach eines Mehrfamilienhauses, dessen Kosten sich auf 30, 40 oder 50 Haushalte verteilen.
Hinzu kam die Wohnung, eingeklemmt zwischen Nachbarn, die die Trennwände fast kostenlos beheizen. Bei null Grad Außentemperatur kostet das Heizen einer Wohnung, die von Räumen mit 21 Grad umgeben ist, deutlich weniger als das Heizen eines Hauses, bei dem oben und unten kalte Luft herrscht.
Diese Erzählung hatte ihre eigene Epik: Sowjetische „Waben“ schienen das sichere Modell für eine Welt knapper Energie, im Gegensatz zur Verschwendung des amerikanischen Urban Sprawl und seinen Einfamilienhäusern mit Garten, die von spritfressenden Autos abhängig waren.
Ein Elektroauto mit Solarmodulen laden: Die Rechnung geht nicht auf
Der am meisten diskutierte Punkt ist genau der, der die größten Versprechen birgt. Die Zahl für Optimismus: Ein Photovoltaikmodul hat eine Lebenserwartung von 40 bis 50 Jahren, mit einem Effizienzverlust von nur 1-2 % pro Jahrzehnt, und Module, die seit 30 Jahren laufen, funktionieren wie neu. Ein Modul zu kaufen bedeutet, eine Energiequelle für fast den Rest des Lebens zu erwerben.
Der Haken kommt mit der Arithmetik. Ein Tesla Model S mit 80 kWh verbraucht 24 kWh pro 100 Kilometer. Ein gut ausgerichtetes Modul liefert, unter Berücksichtigung aller Verluste der Anlage, je nach Investition zwischen 8 % und 20 %. Die durchschnittliche tägliche Strahlung im tiefsten Winter in einer beliebigen Region Galiziens liegt bei 1,5 kWh pro Tag. Die vollständige Aufschlüsselung, Posten für Posten, ergibt ein Ergebnis, das den Enthusiasmus dämpft: Das Bild des sonnenbetriebenen Autos taugt zum gelegentlichen Nachladen, nicht als System.
Daher das oft wiederholte Urteil der Skeptiker: Mit Photovoltaikmodulen kann man nicht einmal einen Moped laden, und man bräuchte eine 15 Meter hohe Windkraftanlage, um überhaupt darüber zu sprechen. Darauf wird geantwortet, dass sich die Zahlen bewegen: Ein Renault Zoe schafft 300 Kilometer auf der Autobahn, und der BMW i3 mit Range Extender fällt von 170 auf 34 PS, wenn die Batterie leer ist.
Das Modul, das 50 Jahre hält, und der Nachbar, der kostenlos heizt
Die andere Front ist thermischer Natur. In einer Hochhauswohnung berühren selten mehr als zwei Fassaden die Außenluft; der Rest grenzt an andere Wohnungen, was hinsichtlich Wärmeverlusten besser ist als eine Umgebungstemperatur von null Grad. Bei einem freistehenden Einfamilienhaus gibt es diesen Puffer nicht.
Befürworter des ländlichen Modells kontern mit der Trägheit des Bodens: Ein flaches Haus ist im Winter wärmer und im Sommer kühler, weil es an der Erde liegt, und die Temperatur des Untergrunds sinkt etwa um ein Grad pro 100 Meter Tiefe. Der häufigste Fall ist der eines Umziehers von Madrid in ein Dorf in Segovia, der drei Stockwerke über Fußbodenheizung beheizt, gespeist durch Holz und eine Wärmepumpe, alles gepuffert durch einen 750-Liter-Tank Wasser, aus dem auch das Warmwasser stammt. Sein Fazit ist ein einziger Satz: Das große Geheimnis des Erfolgs ist die Dämmung.
Vom Dach zur 3,5-kWh-Turbine: Was bereits im Katalog steht
Günstige Technologie macht Fortschritte. Eine indische Turbine produziert 3,5 kWh pro Tag und kostet so viel wie ein High-End-Smartphone, genug, um einen Inverter-Klimaanlagen ohne Sorgen zu betreiben. Der gesamte Katalog — Module, Powerwall-Batterien, 12-Volt-LED-Beleuchtung, sogar Fernseher für Gleichstrom — existiert bereits. Die Lücke liegt in administrativen Hürden und der Amortisation.
Der Aspekt, den kaum jemand bestreitet, ist digitaler Natur. Eine ländliche Verbindung mit 20,57 Mbps Download und 3 Mbps Upload ermöglicht Homeoffice ohne Probleme. Das Internet verwandelt das Dorfhaus in eine Basisstation und nicht in einen Rückzugsort.
Der Energieversorger nennt es bereits „Risiko“
Ein Detail, das oft übersehen wird. Ein großer Energieversorger hat in den USA zugegeben, dass Eigenverbrauch ein Risiko darstellt aufgrund möglicher Kundenabwanderung. Der gezogene Parallelismus ist die Musikindustrie: Ein Geschäft, das als unangreifbar galt und das durch technologischen Fortschritt ins Wanken geriet. Wenn sich dies bestätigt, wäre der Vorteil des Landes nicht nur häuslicher Natur.
Die Einwände bleiben bestehen und sind nicht gering. Heizen mit Sonne und Wind ist ineffizient, eine seriöse Installation ist extrem teuer, und Geothermie, das teuerste System überhaupt, dient kaum als Unterstützung. Es fehlen technische Sprünge, sagen sie, und es gibt zu viele Hindernisse.
Die Zahl, die überrascht
Spanien ist das europäische Land, in dem die meisten Menschen in Mehrfamilienhäusern leben, gestapelt in Waben, die einem Modell entstammen, das nun infrage gestellt wird. Angesichts der genannten Energiedifferenzen sollte die Abwanderung aufs Land massiv sein. Sie bleibt marginal. Und dort, vorerst, geht niemandem die Rechnung ganz auf.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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