Spaniens Geburtenrückgang und Verachtung für Neugeborene

In Spanien sinkt die Geburtenrate von 12,64‰ (2017) auf 7,52‰ (2021), während abwertende Begriffe für Babys zunehmen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Geburtenrückgang und Verachtung für Neugeborene
Geburtenrate im Tiefstand und Verachtung für Babys in Spanien

Ein Neugeborenes mit dem Namen einer Insektenlarve zu bezeichnen, ist nicht nur eine Marotte weniger Nachtschwärmer. Es ist das Symptom eines Landes, das aufgehört hat, sich fortzupflanzen, und das gelernt hat, über seine Kinder wie über eine Plage zu sprechen. Die Frage lautet: Warum hat sich dieser abwertende Begriff genau dort durchgesetzt, wo am wenigsten Kinder geboren werden? Die Antwort ist eher ökonomisch als biologisch.

Warum wecken Babys bei fast jedem Erwachsenen Empathie?

Die erste Erklärung ist instinktiv. Ein menschliches Baby ist darauf ausgelegt, Fürsorge auszulösen: Es schreit, um Dringlichkeit zu erzeugen, lächelt, um Zärtlichkeit zu wecken, und seine absolute Abhängigkeit aktiviert einen schwer deaktivierbaren Reflex. Dieser Mechanismus beschränkt sich nicht auf Eltern: Jeder, der Zeit mit einem Baby verbringt, entwickelt ein Gefühl des Beschützens, selbst wer zuvor kein Interesse an Kinderwagen hatte.

Es wird auch argumentiert, dass dieser Effekt messbare Spuren hinterlässt. Studien mit Elektroden zeigen Veränderungen in den Gehirnstrukturen von Betreuern, nicht nur der Mutter. Dass andere Spezies fremde Jungtiere adoptieren, beweist, dass der Mechanismus auch ohne biologische Bindung funktioniert. Die These lautet: Empathie gegenüber Kindern ist angeboren, keine Wahl.

Vom Fürsorgeinstinkt zur Ablehnung: Was erklärt den abwertenden Begriff?

Dennoch hat die Umgangssprache einen Shortcut gefunden, um Kinder zu benennen, der nach Schädlingsbekämpfung klingt. Der Begriff Larven, angewandt auf Babys und Kleinkinder, steht im Zentrum dieser Debatte, wobei die Erklärungen auseinandergehen. Manche sehen die Verachtung nicht gegen das Kind, sondern gegen die Mutter gerichtet, der der Konflikt zugeschrieben wird; andere lesen es als reine Leugnung – von denen, die Kinder wollten, aber keine bekamen oder sich nicht trauten.

Ein dritter Weg ist soziologischer statt psychologischer: Der Kontakt mit Babys ist stark zurückgegangen. Familien sind kleiner, es gibt weniger Geschwister und Cousins, und Schule sowie Kita füllen die Zeit, die früher in den Armen der Familie verbracht wurde. Wenn der Instinkt durch Exposition aktiviert wird, bedeutet weniger Exposition weniger verfügbare Zärtlichkeit. Andere nennen es das Symptom einer kranken Gesellschaft, während manche entgegnen, es sei nur ein Wort, dessen Bedeutung vom Tonfall abhängt.

Studium bis 30, decentes Gehalt erst mit 40?

Das häufigste Gegenargument betrifft nicht die Empathie, sondern materielle Fakten. Fehlende wirtschaftliche, berufliche und politische Stabilität wird als reale Hürde genannt. Das Argument ist brutal konkret: Wer sein Studium mit 30 beendet und keinen anständigen Job vor 40 findet – falls überhaupt –, kann keinen Lebensplan jenseits des Überlebens schmieden. Ohne gesichertes Leben, so das Fazit, ist es vernünftig, keine Kinder zu haben.

Historisch kontert man: Niemand hat jemals Kinder mit geklärten Lebensverhältnissen bekommen. Die Menschheit hat sich unter unendlich schlechteren Bedingungen fortgepflanzt. Im Mittelalter erreichten etwa 50% der Säuglinge nicht ihr erstes Lebensjahr, oft wegen Fieberkrankheiten, und Kindstötung – wegen Unehelichkeit oder extremer Armut – war eine häufige Todesursache. Diese unbequeme Tatsache widerlegt die Idee, dass Aufziehen ein geordnetes Leben voraussetze.

Spaniens Geburtenraten Jahr für Jahr: von 12,64‰ auf 7,52‰

Die Zahlen sind alarmierend. Die zitierte Roh-Geburtenrate zeigt einen ununterbrochenen Rückgang:

  • 2021: 7,52‰
  • 2020: 8,52‰
  • 2019: 10,41‰
  • 2018: 10,86‰
  • 2017: 12,64‰

Fünf Jahre, fast fünf Punkte Verlust. Die gesamte Serie mit ihren Indikatoren zeigt eine Kurve, die kein Geburtenförderungsprogramm bisher brechen konnte. Dass der Einbruch mit der Verbreitung abwertender Begriffe für Kinder zusammenfällt, ist zumindest eine suggestive Koinzidenz.

Mehr Geld, mehr Kinder? Was Japan und Indien zeigen

Das Muster wiederholt sich international. Je reicher ein Land, desto weniger Kinder, heißt es; der Trend sei global. Japan, eine der drei größten Volkswirtschaften, hat seit Jahrzehnten eine minimale Geburtenrate; Indien hat mit sinkender Fruchtbarkeit sein Bruttoinlandsprodukt gesteigert. Die Schlussfolgerung ist unbequem für das Narrativ, das Prekarität beschuldigt: Länder mit hohem BIP sind nicht unbedingt die kinderreichsten.

Dagegen steht Misstrauen gegenüber den Daten. Manche behaupten, Zahlen aus Ländern wie Iran – 1,8 Kinder pro Frau – oder China seien aufgebläht, und die Abschaffung der Ein-Kind-Politik habe weniger geändert als behauptet. Die Diskussion endet in einer Sackgasse: Einige sehen ein ökonomisches Gesetz, andere demografische Propaganda.

Schuld beim Staat, Schuld bei Frauen?

Die politische Wendung kommt schnell. Manche führen den Geburtenrückgang auf konkrete staatliche Politiken und einen Kulturwandel zurück, der die Prioritäten einer Generation neu ordnete; andere sagen, das Problem sei fehlende Stabilität, und ohne diese Zahlen gebe es keine Diagnose. Parallel driftete ein Teil der Debatte Richtung Ablehnung von Migration – ein Argument, das die Ausgangsfrage nicht beantwortet und hier eher als Ventil denn als Analyse dient.

Mit fallender Geburtenrate und minimalem Babykontakt wird der abwertende Wortschatz wohl nicht verschwinden, sondern sich recyceln. Bleibt abzuwarten, ob öffentliche Pläne die echten Kosten der Kindererziehung angehen, oder ob wir weiter über Namen diskutieren, während die Kinderbetten leer bleiben.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (469 Antworten).

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