Spaniens Ferdinand VII: Historische Revision stellt das Bild infrage

Die Herrschaft des spanischen Königs Ferdinand VII wird neu bewertet und hinterfragt die traditionelle Karikatur als Verräter und unfähiger Monarch.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Ferdinand VII: Historische Revision stellt das Bild infrage
Ferdinand VII: Jenseits der Schulbuch-Karikatur

Jahrzehntelang wiederholten Klassenzimmer und Lehrbücher eine Karikatur von Ferdinand VII – körperlich abstoßend, wenig intelligent und als Verräter seiner Verpflichtungen dargestellt – sowie seines Vaters Karl IV., der als von seiner Frau getäuscht gezeigt wurde. Viele Schüler nahmen diese Version ohne Kontext oder Erklärung auf. Gegen diese Erzählung argumentiert eine revisionistische Strömung, dass die Figur des Monarchen einer orchestrierten Verleumdungskampagne zum Opfer fiel. Die Fakten laden zumindest zur Differenzierung ein: Der König, der 1814 zurückkehrte, regierte kein prosperierendes Spanien, sondern ein Land, das vom Unabhängigkeitskrieg verwüstet und anschließend von einer fast unterbrechungslosen Abfolge von Staatsstreichen erschüttert wurde. Darum geht es im Kern.

Was stützt die Neubewertung der Herrschaft Ferdinands VII.

Die Ausgangsthese stellt Karl III. als einen der besten Könige in der Geschichte Spaniens dar, nicht wegen imperiale Glorien, sondern wegen einer Regierungsleistung, die laut diesem Ansatz mit der eines „alten Franco“ vergleichbar sei: Ein Netzwerk königlicher Manufakturen im ganzen Land hätte das Land zum industriellen Pionier gemacht. Sein Sohn Karl IV. soll diesen Impuls in einer Herrschaft von weniger als zwanzig Jahren fortgesetzt haben, mit der Malaspina-Expedition und maximaler territorialer Expansion in Nordamerika, einschließlich Siedlungen bis nach Alaska. Ihm wird zudem das totale Verbot von Stierkämpfen zugeschrieben.

Die verbreitetste Darstellung hat jedoch zwei schwer zu entkräftende Etiketten fixiert: die eines unfähigen Karl IV., der von der Königin getäuscht wurde und mehr an Jagd als an Staatsgeschäften interessiert war, und die eines Günstlings, Manuel Godoy, einem ehemaligen Leibwächter, dessen einziges Verdienst angeblich seine Beziehung zur Königin war. Auf dieser Grundlage wurde die Karikatur des Sohnes konstruiert.

Bayonne: Die Entführung, die die Dynastie veränderte

Mit der Französischen Revolution zuerst und dann mit Napoleon schwebte das Schwert über dem Kopf Spaniens. Der Konflikt zwischen Karl IV. und seinem Sohn Ferdinand ist, laut verfügbarem Material, eine jener Episoden, deren wahre Motive nie geklärt wurden: Verschwörungen von Leuten mit Geld, bereit zu bestechen, zu erpressen oder Fraktionen gegeneinander auszuspielen, gab es immer in der Macht. Das Ergebnis ist bekannt. Ferdinand reist nach Bayonne, um Napoleon zu treffen, wird festgenommen und in ein Schloss im Loire-Tal gebracht, wo er gezwungen wird, auf die Krone zugunsten seines Vaters zu verzichten, ohne zu wissen – laut dieser Lesart –, dass Karl IV. selbst gezwungen worden war, seine Rechte an den Kaiser abzutreten.

Wie viel Wahrheit steckt darin? Laut dieser Version gaben vielleicht beide niemals Macht ab, und die vermeintlich unterzeichneten Verträge waren falsch, da beide Monarchen entführt und gefangen gehalten wurden. Genau auf diesem Riss stützt sich ein Großteil des Revisionismus.

Das Liberale Triennium und der Verlust des amerikanischen Imperiums

Die klassische Version wirft Ferdinand vor, die Verfassung 1814 aufgehoben und das Alte Regime wiederhergestellt zu haben. Die revisionistische Lesart antwortet mit einem Wort: Lehre gezogen. Nach dem Hören auf die sirenenhaften Gesänge der Liberalen hatte der König Entführung, Absetzung, Invasion und Zerstörung des Landes erlitten, weshalb er sich entschied, das System von fünf Jahre zuvor wiederherzustellen. 1820 zwang Riegos Pronunciamiento den Monarchen zum Nachgeben. Während des Trienniums anerkannte Spanien die amerikanischen Unabhängigkeiten: Das Imperium zerfiel.

Die liberale Regierung fiel 1823 durch die Intervention der Hunderttausend Söhne des Heiligen Ludwig, und das Erste, was Ferdinand bei der Wiedererlangung absoluter Macht tat, war das Verbot der Freimaurerei und geheimer Gesellschaften. In dieser Zeit wurde die Schließung der Universitäten für zwei Jahre angeordnet, Generationen lang als Beweis für seinen Wunsch, das Volk unwissend zu halten, dargestellt. Die alternative Erklärung weist darauf hin, dass die Hörsäle laut dieser Strömung zu Brutstätten für Putschpläne geworden waren.

Das Prado-Museum, die Provinzteilung und vier Versuche, ihn zu stürzen

Es passt nicht gut zum Porträt des unkultivierten Königs, dass Ferdinand VII. persönliches Geld nutzte, um das Museo del Prado zu gründen, und seine eigenen Kunstsammlungen dem Museum schenkte. Auch die Teilung Spaniens in Provinzen passt nicht zum Bild eines unfähigen Königs. Und bezüglich des Charakters gibt es ein kaum diskutierbares Faktum: Zwischen 1824 und 1831 folgten vier Versuche, ihn zu stürzen – 1824, 1826, 1830 und 1831. Wenn jemand Gründe hatte, bestimmten Umgebungen zu misstrauen, hier sind vier Putschversuche in weniger als einem Jahrzehnt. Das feine Detail der Zählung und der Kontext jedes Versuchs verdient eine ruhigere Lektüre, als sie hier möglich ist.

Die kritische Antwort: Das Buch von Emilio La Parra

Die Revision ist keineswegs einstimmig. Im Thread wird die Biografie von Emilio La Parra über Ferdinand VII. zitiert, und wer sich dieser Arbeit genähert hat, merkt an, wie in der Debatte selbst aufgegriffen, dass der Autor entschieden kritisch gegenüber dem Monarchen eingestellt ist, was einen Quellenvergleich erfordert, bevor man jede Erzählung, ob offiziell oder alternativ, akzeptiert.

Es gibt auch Stimmen, die unbequeme Nuancen hinzufügen: Ferdinand VII. sah sich zu vielen Fronten gleichzeitig gegenüber, zuerst gegen Liberale und Francófilos, und am Ende seines Lebens verkaufte er das Land an den Liberalismus, was ihm auch die Feindschaft der reaktionärsten Sektoren einbrachte. Die Figur Ferdinands VII. hat weiterhin keinen klaren Besitzer.

Das letzte Wort ist noch nicht geschrieben

1829 versuchte eine militärische Expedition nach Mexiko, verlorenes Territorium zurückzugewinnen; die mexikanische Unabhängigkeit wurde erst 1834 anerkannt, bereits unter liberaler Herrschaft. Der General, der diesen Versuch vereitelte, war Antonio López de Santa Anna, derselbe, der später am Alamo und San Jacinto kämpfen würde. Es war, laut dieser Lesart, die letzte Episode einer wirklich unabhängigen Außenpolitik. Ob Ferdinand VII. ein König war, der seine Versprechen brach, der Unklarheit litt oder einfach von seiner Epoche überfordert war, bleibt der Konsens aus.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (108 Antworten).

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