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Spaniens Abstieg: Die Verelendung ist nicht mehr zu leugnen
Geschlossene Läden, billige Landmieten und Rekordwerte bei Antidepressiva: Spaniens Verfall zeigt deutliche Symptome, doch niemand greift ein.
Spanien auf dem Weg zum Entwicklungsland: Schmerzhafte Symptome
Gibt es eine unangenehmere Depression als die, wenn man in das Dorf der Kindheit zurückkehrt und alle Geschäfte geschlossen vorfindet, wo einst die Großeltern ihre Ferien verbrachten? Wer über die „Verelendung“ Spaniens nachdenkt, findet auf einem einzigen Spaziergang reichlich Material: überfüllter Tourismus, Straßen, die nach Urin stinken, schmale Gehwege und Backsteinviertel aus den Sechzigern ohne Sanierungsplan. Das derzeit kursierende Diagnosebild misst städtebauliche, arbeitsmarktliche und demografische Daten und lässt niemanden ganz unbefleckt.
Das Bild des Landes, das entsteht, ist das einer Dienstleistungswirtschaft mit geringer Wertschöpfung. Kleine Läden sterben aus, Dörfer werden zu touristischen Kulissen, und ländlicher Wohnraum wirft lächerliche Preise ab – 200 Euro für 150 Quadratmeter Miete sind eine Illusion, die neben unmöglichen Städten koexistiert. Gleichzeitig war der Konsum von Antidepressiva nie so hoch. Etwas passt zwischen dem Narrativ eines modernen Landes und der Realität des Territoriums nicht zusammen.
Schuld ist das Wahlverhalten oder das System?
Hier öffnen sich zwei Gräben. Eine Strömung behauptet, der Verfall sei die direkte Folge jahrzehntelanger Politik, die ohne allzu viele Fragen gewählt wurde. Es wird daran erinnert, dass Parteien aller Couleur Massenregularisierungen beschlossen haben oder auf Tourismus als einzige Industrie setzten. Die andere Strömung kontert: Das gleiche kapitalistische Modell Spaniens braucht billige Arbeitskräfte, prekäre Beschäftigung und Lohn-Dumping, um sich zu halten. Migranten einzustellen, damit sie mehr Stunden arbeiten, schwarz und ohne Rechte, ist kein sozialistisches Gesetz: Es ist die Essenz des Tourismus- und Immobiliengeschäfts.
Der Fall Ungarns wird als Gegenmittel gegen Klischees zitiert: Die Wahl rechtsradikaler Optionen stoppte die Migration nicht, sondern leitete sie nur auf asiatische Arbeitnehmer mit weniger Rechten um. Die Grenze, scheinen die Zahlen zu sagen, ist ein dekoratives Objekt, wenn der Markt Kanonenfutter verlangt.
Korruption, der Klebstoff des Regimes
Die zweite große Achse der Diagnose ist die politische Degradierung. Alle Regierungen, unabhängig vom Parteibuch, waren durch Skandale illegaler Finanzierung belastet. Man spricht von systemischer Korruption und einer Bürgerschaft, die wählt wie ein Spektakel: Toreros, Humoristen, Medienmillionäre, separatistische Parteien oder Erben politischer Gewalt besetzten Sitze selbstverständlich. Die am häufigsten wiederholte Schlussfolgerung, und die unbequemste für die Kaste, ist, dass Spanien Korrupte nicht bestraft, weil es die Wahl zu einer Form der Unterhaltung gemacht hat und nicht zur Kontrolle.
Demgegenüber präsentiert sich das „Regime von 78“ (das post-francoistische Konsenssystem) als erschöpfter Konsens: Der Vergleich mit den Achtzigern, mit all ihren Fehlern, beschreibt ein gesellschaftlich bewohnbareres Leben als das aktuelle. Nostalgie hat einen Haken, aber es ist ein Faktum, das keine offizielle Umfrage erfasst.
Eine ganze Generation im Fadenkreuz
Es gibt zudem eine generationelle Lesart, die die Stimmung anheizt: Die in den Sechzigern und Siebzigern Geborenen hatten vergleichsweise leichtes Spiel und glaubten, dies sei die Folge ihrer Anstrengung. Diese Kohorte, sagt die härteste Analyse, ist jene, die das Land verwaltet hat und es an den Strand des Verfalls geführt hat. Kinder unter fünf Jahren erben ein Land, das weit entfernt ist von dem, was ihre Urgroßeltern empfingen. Und die Frist ist nicht ewig: Einige Prognosen deuten darauf hin, dass es bis 2060 nichts mehr zu beklagen geben wird.
Die letzte Ironie besteht darin, dass niemand massive Demonstrationen gegen den Verfall erwartet. Demokratische Ermüdung bemisst sich in Stille, in Rezepten für Anxiolytika und in der Resignation dessen, der nicht mehr daran glaubt, dass der Wahlzettel etwas ändert. Es ist möglich, dass das Land verdient, was es wählt; aber die Nachkommenden nicht. Ihnen wird es obliegen, die Rechnung für ein Projekt zu bezahlen, das erschöpft war, ohne dass jemand eine alternative Erzählung lancierte.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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Kabul fiel binnen Stunden an 75.000 Taliban, trotz 300.000 afghanischer Soldaten. Die Armee hatte sieben Monate keinen Sold erhalten und leistete kaum Gegenwehr.