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Spanien: Wahlbetrugsvorwürfe gegen INDRA nach der Wahl am 23. Juli
Nach den spanischen Parlamentswahlen vom 23. Juli kursieren Vorwürfe des Wahlbetrugs durch die IT-Firma INDRA. Gerichtliche Beweise für diese Behauptungen fehlen jedoch.
Der angebliche Wahlbetrug bei den Wahlen in Spanien und die Rolle von INDRA
Kurz nach 21 Uhr, nachdem die Wahllokale geschlossen sind, fotografieren Wahlbeobachter die Protokolle mit ihren Handys. Dieses Vorgehen deutet laut Online-Beschwerden auf Betrug hin: Die Stimmen würden nicht von den Provinz-Wahlkommissionen ausgezählt, sondern direkt aus den Daten von INDRA übernommen. Keine gerichtliche Entscheidung stützt diesen Vorwurf. Dennoch hat sich das Narrativ verbreitet und wirft immer wieder dieselbe Frage auf: Warum werden die Stimmen nicht mehr manuell ausgezählt?
Warum findet keine allgemeine Auszählung statt?
Das Wahlgesetz schreibt vor, dass jede Provinz-Wahlkommission eine offizielle Auszählung basierend auf den unterschriebenen Protokollen der Wahlurnen durchführt. Kritiker behaupten, dass mehrere Kommissionen – ausdrücklich wird Burgos genannt – dies verweigern und stattdessen die Ergebnisse von INDRA übernehmen. Der Begriff „Wahldelikt“ fällt häufig, obwohl keine Verurteilung oder gerichtliche Bestätigung vorliegt.
Ein juristisches Argument besagt, dass die Zentrale Wahlkommission (Junta Electoral Central) und der Oberste Gerichtshof von Kastilien-La Mancha klargestellt hätten, dass INDRA-Daten keinen offiziellen Charakter haben und die Auszählung durchgeführt werden muss. Dies ist ein heikler Punkt vor Gericht: Oft entscheidet diejenige Stelle über die Zulässigkeit einer Beschwerde, gegen die sie selbst gerichtet ist.
Was genau macht INDRA bei der Auszählung?
Hier widerspricht die Darstellung der Systemmechanik. Jeder Wahlhelfer gibt die Daten einiger weniger Protokolle – vier, zehn, fünfzehn – in die INDRA-Anwendung ein, die diese summiert, um erste Ergebnisse nach 21 Uhr zu liefern. Die Vertreter jeder Partei erhalten eine unterschriebene Kopie dieser Protokolle und können die digitalen Ergebnisse mit den Papierdokumenten abgleichen. Es wird daran erinnert, dass der Vorsitzende des Wahlvorstands ein per Losverfahren ausgewählter Bürger ist.
Das Fazit ist unbequem für die These eines massiven Betrugs: Damit der Schwindel funktionieren würde, müssten gleichzeitig Wahlhelfer, Beisitzer, Vorsitzende und alle Parteien beteiligt sein. Als Antwort darauf heißt es, Betrug sei dort leichter und diskreter, wo kein Beobachter anwesend ist.
Briefwahl als Schwachstelle des Systems
Die Hypothese mit der größten Resonanz richtet sich nicht gegen die Bildschirme, sondern gegen die Umschläge. Manche behaupten, dass betrügerische Massenstimmen als Briefwahl von Personen im CERA-Wählerverzeichnis (Auslandsregister) verschickt werden, die nicht persönlich wählen, da CERA-Wähler ihre Stimme in Spanien nicht persönlich abgeben können. Nichtwähler seien der Schlüssel: Niemand prüft, ob ihre Identität missbraucht wurde.
Auf dieser Basis wird behauptet, der Algorithmus „passe“ die Stimmen so an, bis das gewünschte Endergebnis erreicht ist. Diese Theorie bleibt ohne Beweis. Was jedoch als Anomalie hervorgehoben wird, ist die Verteilung der Briefwahlstimmen: Eine Differenz von 17 % zwischen den Blöcken, wobei der unterlegene Block einen höheren Anteil an Briefwahl- als an Urnenstimmen hatte – etwas, das angeblich noch nie vorkam.
Eine halbe Million Stimmen kosten 100 Millionen
Die Rechnung, die die Betrugsthese am meisten erschüttert, basiert auf Arithmetik. In den zerschlagenen Netzwerken in Mojácar oder Melilla lag der Preis pro Stimme zwischen 100 und 200 Euro. Um eine halbe Million Stimmen zu bewegen, wären illegal zwischen 50 und 100 Millionen Euro nötig. Bei einer Erfolgsquote von 50 % müsste man zudem eine Million Menschen kontaktieren.
Niemand hat bewiesen, dass ein solches Netzwerk auf nationaler Ebene existiert. Skeptiker erinnern daran, dass dokumentierter Wahlbetrug in Spanien meist kommunaler Natur ist: Hier werden kleine Mengen gekauft, weil wenige Stimmen entscheidend für einen Stadtratssitz sind. Der Sprung zum Raub von Mandaten bei allgemeinen Wahlen ist bisher eine Brücke ohne Fundament.
Warum schweigen die Parteien, die sich bestohlen fühlen?
Die andere Front ist politisch. Wenn der Betrug real wäre, wäre die Opposition die Erste, die ihn anprangert. Genau hier setzen die Kritikpunkte an: Dass PP und VOX sich nicht den langjährigen Beschwerden von Plattformen wie Elecciones Transparentes anschließen. Manche lesen dieses Schweigen als Komplizenschaft; andere interpretieren es einfach als Mangel an Beweisen.
Im bittersten Tonfall taucht der Vergleich Spaniens mit Venezuela auf. Und ein seitlicher Verdacht: Dass immer weniger bekannte Persönlichkeiten per Los zum Wahlvorstandsvorsitzenden bestimmt werden, als wäre das Losverfahren nicht ganz zufällig. Auch dafür gibt es keinen Nachweis.
Es gibt eine Tatsache, die Freunde wie Feinde verwirrt und die niemand vollständig erklärt hat: Der unterlegene Block erhielt einen höheren Prozentsatz an Briefwahlstimmen als an Urnenstimmen. Mit diesem Puzzlestück auf dem Tisch wird die Debatte darüber, ob das System gebrochen oder nur falsch gezählt ist, offen bleiben, bis jemand die Stimmen erneut manuell auszählt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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