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Spanien vs. Deutschland: Wohlstandsunterschied jenseits von Jules Vernes Klischees
Jules Vernes Theorie über ernste und lustige Länder kollidiert mit Wirtschaftsdaten. Spaniens BIP pro Kopf von 25.000 Euro steht den 50.000 Euro Deutschlands gegenüber.
Die Vorstellung, dass reiche Länder ernst und arme Länder lustig sind, hält als wirtschaftliche Regel nicht stand: Weder misst das BIP die Freude noch erklärt der Spaß den Reichtum. Statistiken zeigen, dass das Pro-Kopf-Einkommen die Länder viel stärker unterscheidet als ihr Charakter.
Jules Vernes Idee, dass es Länder gibt, die dem Vergnügen zugetan sind, und solche, die ernst und praktisch sind, ist eher eine literarische Beobachtung als ein Wirtschaftsgesetz. In seinem Roman *Die geheimnisvolle Insel* (1879) stellt der französische Schriftsteller ein vergnügungssüchtiges Frankreich einem industriellen, disziplinierten Deutschland gegenüber. Die schwebende Frage ist, ob dieses Porträt erklärt, warum einige Nationen reich und andere arm sind. Die kurze Antwort lautet nein: Der Spaß taucht in keiner volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung als Produktionsfaktor auf.
## Einkommenslücke gemessen in Euro, nicht im Charakter
Reiche Länder sind nicht reich, weil sie langweilig sind. Sie sind reich aufgrund von Produktivität, Institutionen und akkumuliertem Kapital. **Deutschland** schloss das Jahr 2023 mit einem BIP pro Kopf von rund **45.000 Euro** ab, während **Spanien** bei etwa **25.000 Euro** lag, laut Eurostat. Dieser fast doppelt so hohe Unterschied lässt sich nicht dadurch erklären, dass die Deutschen auf Partys verzichten oder die Spanier in einem permanenten Volksfest leben. Er erklärt sich durch Industriesektoren, Berufsausbildung und unterschiedliche Arbeitsmärkte.
Die Korrelation zwischen "Ernsthaftigkeit" und Reichtum ist bestenfalls ein erzählerischer Zufall. Es gibt nordische Länder, die für ihre Nüchternheit und hohen Einkommen bekannt sind, aber auch **Italien**, das für das Gegenteil bekannt ist, übertrifft Spanien beim BIP pro Kopf. Und die **USA**, die Verne als praktische Macht zitierte, haben Freizeit- und Luxusausgabeniveaus, die nicht zum Klischee des sparsamen Puritaners passen.
## Ausgaben für Freizeit treiben ebenfalls die Wirtschaft
Man sollte Spaß nicht mit Verschwendung verwechseln. Die Freizeitbranche ist ein wichtiger Wirtschaftssektor. In Spanien trug der Tourismus 2023 laut INE rund **12,8 % des BIP** bei und beschäftigt mehr als **2,5 Millionen Menschen**. Das berühmte "lustige Leben" in Spanien ist also keine wirtschaftliche Last: Es ist eine Branche, die Umsatz generiert und exportiert.
Anders sieht es bei individuellen Ausgaben für Launen aus. Wenn jemand sein Gehalt für eine Grafikkarte oder Streaming-Abos ausgibt, macht ihn das als Land weder reicher noch ärmer. Der private Konsum ist tatsächlich der Hauptmotor des BIP in entwickelten Volkswirtschaften. Die Grenze zwischen gesundem Spaß und zwanghaftem Ausgeben ist persönlich, nicht makroökonomisch.
## Verne beschrieb seine Epoche, nicht unsere
Vernes Porträt spiegelt das industrielle Europa des 19. Jahrhunderts wider, als die Ethik der Arbeit und des Sparens mit dem aufstrebenden Bürgertum assoziiert wurde. Diese Welt existiert nicht mehr. Heute konzentriert sich der Reichtum auf Dienstleistungs-, Technologie- und Wissensökonomien, in denen Freizeit Teil des Produkts ist. **Ortega y Gasset**, im Diskurs erwähnt, schrieb über das Spanien seiner Zeit, nicht über ein Wirtschaftsmodell.
Die Grundfrage "Was ist deine Quelle des Spaßes?" ist interessant für die Soziologie, nicht für die Buchhaltung. Ein Land kann reich und langweilig oder arm und festlich sein, aber auch reich und festlich oder arm und grau. Die Statistik unterstützt das Klischee nicht.
## Was wirklich Reich und Arm trennt
Die Kluft zwischen Ländern wird mit Daten gemessen, die nichts Literarisches haben: Pro-Kopf-Einkommen, Lebenserwartung, Arbeitslosenquote, F&E-Investitionen. **Spanien** widmete 2022 **1,44 % des BIP** Forschung und Entwicklung, im Vergleich zu **3,1 %** in Deutschland, laut Eurostat. Dort liegt die Distanz, nicht im Feiertagskalender.
Keineswegs bedeutet dies, dass Spaß irrelevant ist. Es bedeutet, dass er keine ökonomische Variable ist. Den Charakter eines Volkes mit seinem Einkommensniveau zu verwechseln, ist ein Kategorienfehler. Verne schrieb Romane, keine IWF-Berichte.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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