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Spanien verzeichnet mehr Hochgeschwindigkeitszug-Tote als alle anderen Länder zusammen
Spanien zählt seit 1992 insgesamt 194 Tote in Hochgeschwindigkeitszügen, mehr als die 163 im Rest der Welt. Urda, Adamuz und Angrois erklären die Zahl.
Spanien hat seit 1992 194 Tote in Hochgeschwindigkeitszügen verzeichnet, mehr als die 163, die alle übrigen Länder der Welt bei derselben Art von Dienst zusammen verbuchen. Die Unfälle von Angrois (80), Adamuz (46) und Urda (68) machen diese Bilanz aus.
Der spanische Hochgeschwindigkeitsverkehr wurde 1992 mit der Strecke Madrid-Sevilla eröffnet und verlief über mehr als drei Jahrzehnte ohne einen einzigen tödlichen Unfall auf seinen Trassen. Diese Bilanz riss am 24. Juli 2013, als ein Alvia auf der Strecke Madrid-Ferrol in einer Kurve mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h nahe Santiago de Compostela entgleiste. Der Zug fuhr mit mehr als doppelt so hoher Geschwindigkeit wie erlaubt. 80 Menschen starben. Es ist der Unfall von Angrois, der tödlichste der jüngeren Eisenbahngeschichte Spaniens.
Seitdem wächst die Bilanz stetig. Zu den 80 Opfern von Angrois kamen die 46 von Adamuz an der Strecke Madrid-Andalusien und die rund 68 des Zusammenstoßes zweier Züge in Urda bei Toledo. Insgesamt 194 Tote in Hochgeschwindigkeitszügen. Die Zahl übersteigt für sich allein die Summe der getöteten Fahrgäste bei Hochgeschwindigkeitsunfällen im Rest der Welt der letzten Jahrzehnte, die bei 163 liegt, einschließlich des Entgleisens von Eschede (Deutschland, 1998, 101 Tote).
## Ein riesiges Netz mit einer Bilanz, die nicht dazu passt
Spanien besitzt das zweitgrößte Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt mit rund 4.000 Kilometern, nur hinter China. Der asiatische Riese betreibt mehr als 50.000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecken, zwölfmal so viel wie das spanische Netz, und hat seit dem Unfall von Wenzhou 2011 (40 Tote durch ein Signalstörung) keinen weiteren tödlichen Unfall verzeichnet. Insgesamt zählt China in seiner jüngeren Geschichte 41 solcher Todesopfer, einschließlich der 40 von Wenzhou und eines in Guizhou.
Der Vergleich mit vergleichbaren Ländern fällt ebenso hart aus. Frankreich verzeichnet 11 Tote im Hochgeschwindigkeitsverkehr, Italien 2. Japan, Pionier mit dem Shinkansen seit 1964, weist eine Bilanz von null getöteten Fahrgästen durch Entgleisung oder Kollision auf. Deutschland hat nach Eschede vor fast 30 Jahren keine vergleichbare Tragödie mehr erlebt.
Die europäischen Daten von Eurostat und der EU-Eisenbahnagentur zeigen, dass Spanien nicht in absoluten Zahlen führt, weil es das längste Netz oder das größte Fahrgastaufkommen des Kontinents hätte. Deutschland verfügt über rund 40.000 Kilometer Gleise gegenüber 15.000 in Spanien. Ein Bericht der CNMC (spanische Wettbewerbsbehörde) stellte fest, dass Spanien 58 tägliche Fahrten pro Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecke hat, gegenüber 96 in Frankreich und 248 in Italien. Die Auslastung der Infrastruktur erklärt die Bilanz nicht.
## Zwei Unfälle im selben Jahr auf derselben Strecke
Die beiden Unfälle dieses Jahres teilen Merkmale, die die Ermittler als besorgniserregend betrachten. Beide ereigneten sich auf der Strecke Madrid-Andalusien und betrafen Züge von Renfe und des privaten Betreibers Iryo. In Adamuz war die Ursache ein Schienenbruch an einer fehlerhaften Schweißnaht, über die ADIF (spanischer Streckenbetreiber) bereits vorher gewarnt worden war und deren Untersuchung weiterhin stockt. In Urda kam es zu einem Ausfall des Sicherheitssystems LZB, gefolgt von einer Freigabe der Leitstelle Atocha, damit der Hochgeschwindigkeitszug bei rotem Signal weiterfahren konnte, während der vorausfahrende Zug stand.
Ministerpräsident Pedro Sánchez nannte es „inakzeptabel", dass ein Land wie Spanien zwei schwere Hochgeschwindigkeitsunfälle im selben Jahr erleidet, und versprach, die Verantwortlichkeiten aufzuklären. Experten verweisen auf mögliche Mängel bei der Wartung der Gleise, bei der Koordination zwischen den Betreibern und bei der Unabhängigkeit der Sicherheitsuntersuchungen.
## Die Bahn bleibt sicherer als das Auto
Man sollte die Statistik in Perspektive setzen. Die weltweiten Zahlen zu Bahnunfällen sprechen weiterhin zugunsten der Bahn gegenüber dem Auto: Das Risiko, auf der Straße zu sterben, ist 20- bis 50-mal höher. Die Bahn ist mit Abstand das sicherste Landverkehrsmittel pro Personenkilometer. Wenn man jedoch die tödlichen Hochgeschwindigkeitsunfälle isoliert betrachtet, fällt die spanische Bilanz im Vergleich zum Rest der Welt sehr negativ aus.
Während China nach Wenzhou die Sicherheit zur strategischen Priorität machte, mit Spitzeninvestitionen in die Technik, verzeichnet Spanien in einem einzigen Jahr fast so viele Tote im Hochgeschwindigkeitsverkehr wie der gesamte Rest der Welt zusammen im jüngeren Zeitraum. Die Abfolge von Adamuz und Urda droht die Wahrnehmung eines Systems neu zu definieren, das jahrzehntelang Symbol der Moderne war. Die laufenden Untersuchungen müssen klären, ob es sich um vereinzelte Fehler oder um ein strukturelles Problem bei Wartung, Signaltechnik und Aufsicht handelt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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