Spanien: Über 100.000 junge Menschen in Valencia ohne Job oder Ausbildung

In der Region Valencia sind über 100.000 Jugendliche weder in Ausbildung noch beschäftigt. Niedrige Löhne, hohe Mieten und fehlende Plätze für die Berufsbildung verschärfen die Krise.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Über 100.000 junge Menschen in Valencia ohne Job oder Ausbildung
100.000 junge Valencianer ohne Perspektive: Die Rechnung geht nicht auf

Das typische Profil wiederholt sich mit beängstigender Monotonie. Einstiegsgehälter zwischen 1.000 und 1.200 Euro – sofern überhaupt ein Gehalt gezahlt wird –, Verträge über Wochen oder Monate, zwei Jahre Berufserfahrung als Voraussetzung für den ersten Job und eine Miete in Valencia, die sich ohne vier Mitbewohner in einer Wohnung kaum tragen lässt. Addieren Sie das alles zusammen. Das Ergebnis ist eine gesamte Altersgruppe: Mehr als 100.000 junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren in der Comunitat Valenciana (Region Valencia), die weder lernen noch arbeiten. Der Begriff „Nini“ (weder-noch) ist alt und etwas irreführend. Die dahinterstehende Arithmetik jedoch nicht.

Das Einstiegsgehalt, das keine Miete deckt

Die erste Gruppe von Ursachen ist materieller Natur, nicht attitudinal. Wochenverträge, Schwarzarbeit ohne Vertrag, die sich im Vergleich zum Daheimbleiben nicht lohnt, die geforderte Vorerfahrung für den ersten Job und die Startkosten – Führerschein, Auto oder Zeitkarte für die Fahrt zu schlecht angebundenen Industriegebieten –, die das erste Gehalt auffressen, bevor es ausgezahlt wird. Jeder dieser Faktoren isoliert betrachtet ist tragbar. Zusammen bilden sie eine recht hohe Einstiegshürde.

Es gibt eine zweite, weniger zitierte Ebene: die Kontakt-Netzwerke. Der Zugang zu den besser bezahlten Jobs in der Industrie und an den Häfen der Region läuft in der Praxis über Vetternwirtschaft („enchufe“) und Bekannte aus dem Dorf. Wer nicht in diesem Netzwerk ist, konkurriert um das, was übrig bleibt, und was übrig bleibt, ist befristet und billig.

Berufsbildung: Die Nachfrage ist fünfmal so hoch wie das Angebot

Der alternative Weg – Lernen – ist ebenfalls versperrt. In verschiedenen Fachrichtungen und öffentlichen Zentren für Berufsbildung (FP) übersteigt die Nachfrage das Platzangebot um das Fünffache. Es gibt Kurse, die geschlossen werden, während private Anbieter sie gegen Bezahlung anbieten, und die Nähe zwischen den Eigentümern dieser Zentren und der Bildungsbehörde ist einer der Gründe, die in den letzten Monaten zu Streiks geführt haben. Der Engpass liegt nicht am Willen der Interessenten. Er liegt an den nicht existierenden Studienplätzen.

Das unsichtbare Subsidium: Familienhilfe

Hier taucht die feine Kalkulation auf, die fast nie laut ausgesprochen wird. Das Existenzminimum (Ingreso Mínimo Vital) wird nicht allein aufgrund des Alters gewährt: Es hängt vom Einkommen der gesamten Familieneinheit ab. In einem Haushalt, in dem die Eltern mehr als 1.200 Euro in 14 Monatsgehältern beziehen, fällt man raus. Wenn man mit Verwandten zusammenlebt, die mehr als 1.000 Euro verdienen, auch nicht. Und wenn man qualifiziert ist, variiert der Betrag: Er kann bei 80 Euro pro Monat liegen. Achtzig Euro konkurrieren mit keinem Lohn, sodass das reale Sicherheitsnetz weiterhin die Familie ist, nicht der Staat.

Dort liegt der grundlegende Dissens. Ein Teil der Analyse behauptet, dass die Kombination aus Leistungen und familiärer Unterstützung die aktive Jobsuche entmutigt. Die Gegenantwort ist die Berechnung selbst: Von diesen Beträgen kann man nicht leben, man überlebt nur ohne Arbeit. Man sollte auch daran denken, dass die Hilfe für Personen über 52 Jahre 15 Beitragsjahre erfordert, während das IMV keinerlei Beitragszeiten voraussetzt.

Weder Nini noch „Ich will nicht“: Das Verb, das das Bild verändert]

Die Statistik wirft alle in einen Topf: jene, die aufgegeben haben, jene, die suchen und nichts finden, und jene, die sich auf Beamtenprüfungen vorbereiten oder Angehörige pflegen, ohne in irgendeiner Kategorie aufzutauchen. Die Unterscheidung zwischen „nicht“ und „will nicht“ ist die Grenze, die die gesamte Diagnose ordnet, und auch die, die am meisten ignoriert wird. Etwa die Hälfte der Diagnose deutet auf Entmutigung hin; die andere Hälfte auf einen Markt, der nicht absorbiert.

Auch die Zusammensetzung der Gruppe ist umstritten. Es wird geschätzt, dass etwa vier von zehn Fällen ausländischen Ursprungs sind – sie selbst oder ihre Eltern – gegenüber sechs von zehn, bei denen beide Elternteile in Spanien geboren wurden. Dies ist eine Größenordnungsschätzung, keine detaillierte Aufschlüsselung, und gerade deshalb muss man vorsichtig damit umgehen. Das Phänomen erzeugt unterdessen seinen eigenen Folklore: lokale Fälle, die zu Memes werden, und ironische Petitionen für Straßen mit Eigennamen.

Die Grenze bei 29 Jahren

Das Detail, das irritiert, ist die Grenze. Die Zahl misst 18 bis 29 Jahre und schließt jeden aus, der 30 wird, ohne seine Situation zu ändern – jene, die keine jungen Ninis mehr sind, sondern etwas Unbequemer zu Benennendes. Wenn das Übel jedes Jahr um 2 % bis 3 % wächst – chronisch, ohne Spitzen –, dann sind die 100.000 eine Momentaufnahme, deren Datum bereits auf der Rückseite abgelaufen ist. Und ein Problem, das, genau weil es ohne große Ausschläge wächst, nie die Nachrichtensendungen öffnet.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (145 Antworten).

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