Spanien stoppt Klassenfahrten wegen Haftungsrisiko

Zwei Lehrer nach Tod eines Schülers angeklagt: Aragón, Kantabrien und Katalonien setzen Ausflüge aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien stoppt Klassenfahrten wegen Haftungsrisiko
Klassenfahrten gestoppt: Lehrkräfte ohne rechtlichen Schutz

Ein 17-Jähriger stirbt bei einer Studienfahrt in Belgien. Zwei Lehrer des IES Ítaca in Zaragoza werden wegen fahrlässiger Tötung angeklagt und drohen bis zu vier Jahren Gefängnis in einem Prozess vor der Audiencia Nacional im nächsten Jahr. Dies ist der Auslöser. Seitdem haben Dutzende Schulen in Aragón, Kantabrien und Katalonien die Schilder für Lager, Museen und Aktivitäten außerhalb des Geländes abgehängt. Tausende Schüler starteten das Schuljahr, ohne einen Bus von innen zu sehen.

Die Paradoxie ist fein: Zusatz- und außerschulische Aktivitäten sind für Lehrkräfte freiwillig, doch das Gesetz weist ihnen „Förderung, Organisation und Teilnahme“ zu. Die Norm verlangt also, dass sie diese organisieren, sagt aber nicht, wer haftet, wenn etwas schiefgeht. Dort liegt der Konflikt.

Was besagt die Übergangsordnung von Aragón und warum überzeugt sie nicht?

Vor Beginn des Schuljahres verabschiedete die Regierung von Aragón eine Übergangsordnung zur Regelung der Haftung von Lehrkräften bei solchen Ausflügen. Sie legt fest, wie viele Begleiter je nach Schülerzahl erforderlich sind, definiert Genehmigungsmodelle, Protokolle und klärt die Deckung der Haftpflichtversicherung. Auf dem Papier klingt es nach einer Lösung.

In der Praxis lesen die Lehrkräfte dies als weitere Formalität. „Es hat sie nur mit Bürokratie überhäuft“, fasst die Klage zusammen, die in den Lehrerkollegien kursiert: mehr Papierkram, keine echten rechtlichen Garantien und obendrauf null Gegenleistung. Denn die Begleitung findet außerhalb der Unterrichtszeiten statt, ohne finanzielle oder zeitliche Entschädigung, während das Damoklesschwert einer strafrechtlichen Anklage über ihnen schwebt.

Arbeiten Lehrer bei Ausflügen gratis?

Hier liegt der wirtschaftliche Kern des Konflikts. Das Gehalt deckt die Unterrichtsstunden und deren Vorbereitung innerhalb der Schule ab. Der Ausflug hingegen frisst ein Wochenende, eine ganze Woche oder drei Nächte Aufsicht über dreißig Teenager. Ohne Zuschlag, ohne freien Tag danach, ohne Prämie.

Die häufigste Antwort in der Branche ist eine Frage: Würden Sie kostenlos, rund um die Uhr, eine Woche lang mit einer Gruppe der 9. Klasse reisen, wissend, dass ein schlecht behandeltes Versehen vor Gericht landen kann? Offenbar sagen immer weniger Ja.

Kosten für Familien: Wer bleibt außen vor?

Der Stillstand ist nicht neutral. CEAPA warnt, dass diese Aktivitäten Wissen in bestimmten Bereichen vermitteln und die Entwicklung der Schüler fördern, und dass ihr Wegfall besonders jene trifft, die solche Ausflüge nie anderswo machen würden. Der katalanische Ombudsmann (Síndic de Greuges) zeigt in dieselbe Richtung: Die Aussetzung benachteiligt vor allem Schüler aus unterprivilegierten Umfeldern.

Das Argument hat Substanz. Der Museumsbesuch, das Sommerlager oder die Abschlussfahrt sind für einen Teil der Schülerschaft das einzige Fenster über ihr Viertel hinaus. Es wegzunehmen nivelliert nichts: Es zementiert den Vorteil jener, die Eltern mit Zeit, Auto und Budget haben, um private Touren zu organisieren.

Bildungs-Freizeit blutet aus: 80 % Rückgang bei Buchungen

Der Schlag wird bereits in Euro gemessen. Der Verband ACELLEC, der Organisationen wie Fundesplai oder die Fundació Pere Tarrés vereint, berechnet einen Rückgang der Lagerbuchungen um 80 % für dieses Schuljahr. Der Kultursektor – Museen, Theater, Naturräume – befürchtet bleibende Schäden, wenn sich der Trend nicht ändert.

Es gibt ein Präzedenzfall, der erklärt, warum die Lücke nicht einfach gefüllt wird: In vielen Grundschulen organisieren die Elternvereine (AMPA) die Abschlussfahrten bereits ohne Beteiligung der Lehrkräfte. Das Modell der Freiwilligen-Eltern existiert also. Die Frage ist, ob es auf die Sekundarstufe skaliert, wo die Gruppen größer, die Schüler autonomer und das Risiko theoretisch diffuser sind.

Weg der Auswahl und Disziplinproblem

Unter den vorgeschlagenen Lösungen ist die Auswahl, welche Schüler fahren und welche zu Hause bleiben. Dies kollidiert frontal mit der Realität: Alle fahren, die zahlen, und einer Familie zu sagen, ihr Kind darf nicht in den Bus, ist heute ein direktes Ticket zur formellen Beschwerde. Die Alternative, die manche nennen – dass die AMPA die Organisation mit freiwilligen Eltern übernimmt –, verlagert das Problem nur, löst es nicht.

Der Hintergrund ist ein anderer: Die Disziplinkontrolle außerhalb des Klassenzimmers. Wer einmal eine Gruppe von 60 Jugendlichen eine Woche begleitet hat, weiß, dass das Problem nicht das Museum ist, sondern die 24 Stunden. Und dass die Autorität einer Lehrkraft im Hotel, ohne Schulleitung in Reichweite, begrenzt ist.

Was passiert jetzt?

Der Pattsituation hält an. Die Lehrkräfte halten die Aussetzung aufrecht, bis es einen Rechtsrahmen gibt, der echte Garantien bei Unfällen oder Fahrlässigkeit bietet, und die Verwaltungen haben mit Übergangsvorschriften reagiert, die die Branche als unzureichend ansieht. Der Prozess in Zaragoza, der nächstes Jahr beginnt, wird zum Fieberthermometer: Wenn die Audiencia Nacional die beiden Lehrer verurteilt, wird der Ausflugsstopp von Protest zur Doktrin.

Unterdessen verbringen Tausende Schüler das Trimester innerhalb des Schulgeländes. Der Sektor, der von diesen Fahrten lebt, kalkuliert mit 80 % weniger Buchungen. Die Frage, die niemand vollständig beantwortet: Wenn das Problem die rechtliche Unsicherheit ist, warum ist die stets genehmigte Lösung dann mehr Papierkram und nie mehr Schutz?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (243 Antworten).

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