Elf Punkte zur Neugründung Spaniens: Föderation, Referendum und Abschied vom König
Ein Vorschlag zur Auflösung des Regimes von 1978 und zur Einleitung eines konstituierenden Prozesses kursiert in wirtschaftlichen Foren mit einem ehrgeizigen Versprechen: alle Spanier zufriedenstellen, unabhängig von Ideologie oder Herkunft. Das Paket enthält elf Punkte, die von der Abschaffung der Monarchie bis zur Todesstrafe für Terrorismus reichen, einschließlich eines Beitrittsreferendums in jeder Autonomen Gemeinschaft. Der Autor gesteht, er habe 24 Stunden lang wach gelegen und über Bilder von Polizeieinsätzen gegen Jugendliche, Senioren und Mütter nachgedacht.
Die erste Reaktion war keineswegs einstimmig. Wer das Feuer eröffnete, warnte, dass weder Basken noch Navarreser noch Katalanen dies zulassen würden. Die Antwort kam mit einer Logik, die wie ein Ultimatum klingt: Wenn sie nicht wollen, stimmen sie mit Nein und erklären ihre Unabhängigkeit. Auf Wiedersehen.
Was genau der konstituierende Prozess vorschlägt
Das Dekalog der Neugründung beginnt mit der Streichung dessen, was als Privilegien des Ancien Régime bezeichnet wird: weg mit der Monarchie und den mittelalterlichen Sonderrechten (Fueros), jeder Spanier exakt gleich. Nur eine Nation, Spanien. Jede Autonome Gemeinschaft stimmt per Referendum ab, ob sie der resultierenden Föderation beitritt; wer ablehnt, muss sich selbst helfen. Der König wird durch die Streichung seiner Stelle abgesetzt, mit Abfindung gemäß Tarifverträgen.
Punkt acht berührt einen Nerv des Systems: Politiker wählen keine Richter mehr aus, sondern werden untereinander gewählt. Punkt neun führt einen Bonus von 30 Abgeordneten für den Wahlsieger ein, und Punkt zehn führt die Todesstrafe für Terrorismus und als abscheulich eingestufte Verbrechen wieder ein. Punkt elf schließt mit Gleichheit der Rechte und Pflichten.
Die Aufnahme war gemischt. Eine wiederkehrende Analyse besagt, dass dies nichts anderes ist als die Zerschlagung Spaniens und die Öffnung eines wiederholbaren Balkanisierungsprozesses. Ein anderer Hinweis lautet, dass die Autonome Gemeinschaft das verwerflichste Kind des Regimes sei, das man auflösen will, und dass es ein grundlegender Widerspruch wäre, sie als Entscheidungseinheit zu akzeptieren.
Das Problem, das bereits Vereinigte zu föderalisieren
Der häufigste Einwand ist nicht ideologischer, sondern logischer Natur. Wenn das politische Subjekt in Spanien bereits die Nation ist, ist die Föderalisierung per Definition ein Vereinigungsprozess, und man kann nicht vereinigen, was bereits vereint ist. Um zu föderalisieren, müsste man erst trennen. Daher kommt die Schlussfolgerung, dass Föderalismus in Spanien keinen Sinn ergibt und dass pogre Befürworter sich lächerlich machen.
Manche gehen weiter und bestreiten die Prämisse: Spanien ist ohnehin ein Staat, niemals eine Nation. Die Diskussion wandte sich dem optimalen Territorialmodell zu. Eine Strömung vertritt die Ansicht, dass Spanien immer besser funktionierte mit starker lokaler Macht und zentraler Verwaltung für Verteidigung, Außenpolitik, Justiz, Bildung und Großprojekte, während Gesundheit und Dienstleistungen bei den Rathäusern liegen sollten. Eine andere erinnert daran, dass alle Länder durch die Integration kleinerer Einheiten entstanden sind und dass Europa in diese Richtung voranschreitet.
Auch der „Café para todos“ (Gleichbehandlung aller Regionen) hat seine Deutung: Einige behaupten, die reale Verteilung sei „schwarzer Kaffee nur für drei“, nämlich Katalonien, das Baskenland und Madrid.
Geld, Finanzierung und der ausbleibende Bruch
Der wirtschaftliche Aspekt taucht früh auf. Es wird argumentiert, dass die Handelsabhängigkeit zwischen Katalonien und dem Rest extrem hoch sei und dass eine Sezession den Markt beschädigen würde. Die Gegenargumentation besagt, dass Spanien ein geschlossener Markt für teure katalanische Produkte schlechter Qualität aus politischen Gründen sei und dass man ohne dieses Korsett bessere und günstigere Waren aus Deutschland, den Niederlanden oder Italien kaufen könnte. Die Replik darauf: Identität ist nicht verkäuflich; das Ziel der Eliten sei es, keine Rechenschaft abzulegen.
Bezüglich des Bruchs ist die Diagnose pessimistisch. Es wird vertreten, dass für einen schnellen Bruch gewaltsame Konflikte auf der Straße nötig seien, die aber nicht existierten. Die Mehrheit der Demonstranten werde nicht von der Einheit Spaniens motiviert, sondern von der Notwendigkeit, Milliardenbeträge zu vergeben. Mit vollem Magen sei die Rechte nur Lippenbekenntnissen treu. Die vollständige Berechnung, wer was zahlt, aufgeschlüsselt nach Territorien, ergäbe ein ganzes Traktat.
Der fiskalische Weg erscheint als Alternative: Wenn man ein solches Regime beenden will, muss man ihm die Finanzierung entziehen, Steuern vermeiden und so viele EU-Fonds wie möglich abschöpfen, bis das System nicht mehr tragfähig ist.
Reformen, Strafen und andere Auswege aus dem Labyrinth
Im Gegensatz zum konstituierenden Prozess schlägt eine andere Strömung konkrete Reformen vor: Wahlsystem, Renten, öffentliche Verwaltungen. Eine zweite Runde bei Präsidentenwahlen, um nicht von nationalistischen Partnern abhängig zu sein, echte Wahlkreise statt handverlesener Listen und eine von Richtern und Akademikern gewählte Regierung ohne politische Intervention.
Die Todesstrafe stößt sofort auf Ablehnung. Es wird gewarnt, dass die Definition von Terrorismus so weit gedehnt wurde, dass sie sogar das Einschlagen eines Autofensters einschließt, und dass die Maßnahme bei dieser offenen Tür gefährlich sei. Auch wird daran erinnert, dass das alte Regime sich nicht wirklich selbst auflöste: Es gab institutionelle Kontinuität, zwei Parteien im Wechsel paktierter Regierungsverantwortung und eine PSOE, die wiedergeboren wurde, obwohl sie zuvor nicht existierte.
Vorschläge zur direkten Beteiligung schließen den Kreis. Es wird angeregt, dass Parteien aufhören, als Vermittler zu fungieren, und Bürger Gesetze und Staatsentscheidungen direkt abstimmen – technisch möglich, aber nicht umgesetzt, weil Machtkonzentration denen nützt, die sie haben, und Lobbygruppen, die nur wenige kaufen müssen.
Was, wenn das Problem nicht das institutionelle Design wäre, sondern dass kein System mit der Bevölkerung funktioniert, die darin lebt?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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