Spanien ist nach den USA das Land mit den zweitmeisten Geldtransfers ins Ausland

Spanien ist nach den USA das Land, das weltweit am zweitmeisten Geld ins Ausland schickt: eine halbe Billion Euro pro Jahr. Die Debatte: Remittances besteuern oder schützen?

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien erreicht Rekord bei Geldtransfers: eine halbe Billion Euro fließen jedes Jahr ins Ausland

John, ein Kolumbianer, lebt seit über vier Jahren in Madrid. Er kam zum Studieren, schickte aber am Ende jeden Monat Geld an seine Familie. Seine Geschichte steckt hinter der neuesten Statistik: Spanien ist inzwischen das Land, das nach den USA weltweit am zweitmeisten Geld ins Ausland überweist. Der Geldfluss übersteigt eine halbe Billion Euro pro Jahr, fünfmal mehr als noch vor zwei Jahren.

Die Größenordnung der Zahl hat mehrere Debatten ausgelöst. Manche argumentieren, dieser Kapitalabfluss entziehe dem Land Substanz und schmälere den Binnenkonsum. Andere sehen darin einen indirekten Beitrag zum öffentlichen System: Migranten, die in die Sozialversicherung einzahlen und damit nebenbei die Renten mittragen. Dazu kommt ein wiederkehrender Verdacht: Ein Teil des Geldes stamme von Leistungen wie dem IMV (Mindesteinkommen in Spanien) oder von Schwarzarbeit.

Die 300-Prozent-Steuer und das dänische Beispiel

Unter den diskutierten Lösungen ist die radikalste eine Abgabe von 300 Prozent auf Geldtransfers. Ihre Befürworter präsentieren sie als Weg, Migration umzukehren, ohne Abschiebungen bezahlen zu müssen. Als Präzedenzfall wird Dänemark zitiert: Dort wurde ein chilenischer Arbeitnehmer mit Aufenthaltserlaubnis ausgewiesen, weil er in einem einzigen Monat zwischen 1.000 und 2.000 Kronen mehr überwies als erlaubt. Die Arbeitsaufsicht prüfte sogar seine Mietquittungen. In Spanien gibt es nicht einmal eine ernsthafte Debatte über Grenzen, nur die Idee mit der Steuer.

Die doppelte Messlatte bei der Kapitalflucht

Die Ironie entgeht niemandem: Während die Geldtransfers der Arbeitnehmer mit der Lupe untersucht werden, lösen die Flüsse in die Schweiz, nach Andorra oder auf die Kaimaninseln kaum Kontroversen aus. Der Unterschied liegt darin, wer das Geld schickt. Spanien hat zudem eine Exit-Steuer, die Vermögen über vier Millionen Euro trifft. Eine elegante Art, dem zu sagen, der gehen kann: Wenn du gehst, lass etwas da.

Eine unbequeme Zahl

Die halbe Billion Euro pro Jahr kehrt nicht als Konsum oder Investition zurück. Sie fließt ab, und das befeuert eine Debatte, die seit Jahren ungelöst ist. Während die einen die Regulierung des Geldabflusses fordern, warnen andere davor, diejenigen zu kriminalisieren, die ihre Familie unterstützen. Die Zahl ist vor allem eines: hartnäckig. Spanien ist der zweitgrößte Geldtransfer-Sender der Welt. Und die Debatte ist eröffnet.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (32 Antworten).

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