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Spanien: De-Klassifizierung der Putschakten von 1981
Neue Dokumente zum Staatsstreich vom 23. Februar in Spanien werden im Amtsblatt veröffentlicht, mit Fokus auf die geplante Regierung unter General Armada.
Putschakte 23-F: Die deklassifizierten Dokumente und die Liste der Armada-Regierung
Carmen Echave war die Ärztin des spanischen Parlaments (Congreso). In der Nacht des Putschversuchs vom 23. Februar wurde sie im Gebäude festgehalten und hörte auf dem Weg zur Toilette das Vorlesen einer Namensliste. Diese Liste — die des Kabinetts, das General Alfonso Armada leiten sollte — ist der Kern der Dokumentenfreigabe, die den Angriff auf das Parlament wieder in die Schlagzeilen gebracht hat. Die Ankündigung kam mit einem Zeitplan: Die Papiere wurden am Dienstag bekannt und erschienen am folgenden Mittwoch im Staatsanzeiger (BOE). Ein Archivvorgang, der zu einer Machtprobe darüber wurde, was veröffentlicht wird und was im Verborgenen bleibt.
Was die These der Armada-Regierung stützt
Die weitverbreitetste Interpretation spricht nicht von einem klassischen rechtsgerichteten Putsch. Sie behauptet, dass die eigentliche Operation nicht Tejeros Sturm auf das Parlament war, sondern die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit oder «Rettung» unter der Leitung von Alfonso Armada, mit Ministern aus UCD, PSOE, AP und PCE sowie Vertretern der Unternehmerverbände CEOE und der Banco de España. Das Ziel dieser Version zufolge war es, den Prozess der Autonomie zu stoppen, den Staat zu zentralisieren und außergewöhnliche Maßnahmen gegen ETA unter dem Deckmantel der Einheit durchzusetzen. Dies vertritt der Historiker Jesús Palacios in einer Analyse, die erneut kursiert. Es gibt eine noch unbequemere Variante: Der eigentliche Putsch hätte bereits stattgefunden, als Adolfo Suárez zum Rücktritt gezwungen wurde.
Ein performativer Angriff: 50 Gardebeamte und 3 Panzer
Die häufigste Beschreibung passt dazu. Ungefähr 50 Mitglieder der Guardia Civil, die ins Parlament eindringen und vor den Kameras schießen; 3 Panzer, die durch Valencia fahren. Eine enorme symbolische Präsenz, militärisch jedoch minimal. Daher spricht man von einer performativen Operation: Theater für ein Publikum, um die Ereignisse danach zu beeinflussen. Die Monarchie, Spaniens Einbindung in den westlichen Block und das Design der autonomen Regionen gingen aus jener Nacht gestärkt hervor, nicht geschwächt.
Nur wird freigegeben, was die Regierung entscheidet
Der erste Einwand kommt, bevor man eine Seite liest. Es wird argumentiert, dass nicht alle Dokumente freigegeben werden, sondern nur die, die die Exekutive beschließt, und daher nur das ans Licht kommt, was die aktuelle Regierung nicht belastet. Daraus resultiert der Witz, der die Skepsis zusammenfasst: Freigabe mit Tipp-Ex. Andere sprechen von einer Nebelkerze und betonen die zeitliche Nähe zu laufenden Gerichtsverfahren. Der Verdacht geht in zwei Richtungen: Dass der Fall 23-F die aktuelle Tagesordnung übertüncht, oder dass die aktuelle Lage rechtfertigt, den 23-F wieder aufzurollen.
Was bereits in den Akten und im Prozess enthalten war
Eine Tatsache dämpft die Aufregung. Diese Papiere waren, auch wenn sie jetzt veröffentlicht werden, bereits während der Ermittlungen und des Prozesses zum 23-F für Anklage und Verteidigung verfügbar. Das Label «deklassifiziert» ist neu; der Inhalt ist es für viele Forscher nicht. Was wirklich unbekannt wäre, sind die Gespräche jener Nacht zwischen dem Staatsoberhaupt, Sabino Fernández Campo und Armada. Dieser Teil fehlt in den Akten. Und die klassische Frage bleibt offen: Wem nützt es und woher kam das Geld?
Das Treffen mit dem US-Botschafter und der NATO-Beitritt
Vor dem Angriff traf sich der Chef des Geheimdienstes CESID, José Luis Cortina, mit dem US-Botschafter Terence Todman. Zwei Tage nach dem gescheiterten Putsch begann der Beitritt Spaniens zur NATO, parallel zur Investiturrede von Leopoldo Alopécico Sotelo. Diese Abfolge verbreitete sich in sozialen Medien als allzu saubere Übereinstimmung. Beweis wofür genau, ist unklar. Vorerst dokumentiert sie, dass die Datenketten so bequem ineinandergreifen, dass sie Misstrauen wecken.
Monarchie, Felipe González und das absehbare Referendum
Die andere Front ist die Krone. Es wird argumentiert, dass eine vollständige Freigabe der Monarchie schaden würde und dass die Debatte über Monarchie oder Republik als Mobilisierungsinstrument in das Wahlprogramm der Sozialisten aufgenommen werden könnte, so die Lesart verschiedener Analysten. Im Hintergrund steht die Rolle, die Felipe González in diesen Monaten zugeschrieben wird, die diskutiert, aber nie abschließend geklärt wurde. Und der emeritierte König Juan Carlos I., bei dem spekuliert wird, dass seine Rückkehr bei vollständiger Offenlegung der Papiere ausgeschlossen wäre. Nichts davon ist bewiesen: Es wird behauptet, interpretiert und erwartet.
Der 11-M und die Liste der Beschwerden
Es gibt eine parallele Forderungsliste. Man fragt, warum die Akten zum 23-F freigegeben werden, nicht aber die zum Attentat vom 11. März (11-M) oder andere Berichte, die weiterhin verschlossen bleiben. Der Vergleich zieht sich: Was 1981 passierte, schadet niemandem mehr, der heute noch politisch aktiv ist; die anderen Fälle schon. Es ist der alte Trick des Archivs, der Kennedy-Trick: Die oberflächliche Ebene wird dokumentiert, versiegelt, als geheim erklärt und Jahre später geöffnet, um die offizielle Version zu bestätigen.
Am Ende ist das Hauptdokument immer noch das, das nie geschrieben wurde. Die Schicht, die alles organisierte — wer rief wen an, wer versprach was — wurde nicht klassifiziert, weil sie nirgends existiert. Das Papier wird freigegeben. Der Verdacht bleibt archiviert.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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