Spanien bei realer Verschuldung auf dem letzten Platz in Europa
Ein Balkendiagramm und ein Satz mit zwei Zeilen. Ein Tweet, der eine Studie zitiert, eröffnet den Thread: „Eine Studie deckt die reale Verschuldung Europas auf und lässt Spanien an der schlechtestmöglichen Stelle zurück. Ich beneide Dänemark so sehr.“ So beginnt eine Diskussion, die in wenigen Stunden von der Makroökonomie zu Altenheimen, vom INE (spanisches Statistikamt) zum digitalen Euro und von der nationalen Souveränität zu Mautgebühren auf Schnellstraßen springt.
Der Ausgangspunkt ist der der zitierten Studie: Werden Verpflichtungen einbezogen, die im offiziellen Bild nicht auftauchen, erscheint Spanien auf dem letzten Platz Europas. Die Diskussion ist eine andere. Wie viel von diesem Loch ist Buchhaltung und wie viel Erzählung, und wer wird dafür bezahlen.
Was ist reale Verschuldung und warum schneidet Spanien schlecht ab
Die konventionelle Staatsverschuldung misst das emittierte Volumen. Die sogenannte reale Verschuldung umfasst Verpflichtungen, die nicht in der Bilanz auftauchen, etwa die Verbindlichkeiten, die die Verwaltungen laut Thread in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen unterbringen. Nach diesem Kriterium setzt der Tweet Spanien auf den ersten Platz der Großen.
Ein Beitrag fasst es schonungslos zusammen: „Die reine und harte Verschuldung liegt gerade bei etwa 130% und wächst jedes Jahr ordentlich.“ Die Zahl ist nicht offiziell —es ist eine Berechnung eines Teilnehmers—, passt aber zur These, die in der Diskussion vertreten wird: Das Wirtschaftswachstum hinkt der neuen Nettoverschuldung hinterher. Übersetzt: Jedes Jahr werden mehr Verbindlichkeiten aufgebaut als Wohlstand geschaffen wird.
Das Loch namens Rente
Das spanische System ist ein Umlagesystem. Die heutigen Beiträge zahlen die heutigen Renten, und wenn das nicht reicht, springt der Staat ein. Da liegt der Knoten. „Die Renten werden größtenteils aus den aktuellen Beiträgen finanziert, es gibt ein Defizit, aber nicht für alle Renten“, präzisiert derjenige, der den Alarmismus dämpfen will.
Die Nuance ist wichtig. Ein System, das zusammenbricht, ist nicht dasselbe wie ein System, das wachsende Zuschüsse braucht. Letzteres ist der Fall. Und darauf häufen sich die Prognosen: Manche setzen 2040 als das Datum an, ab dem es „völlig unhaltbar“ sein wird, und andere warnen, dass diejenigen, die später in Rente gehen, eine Reform vorfinden werden, die die künftigen Renten – wörtlich – wie die Flagge Japans lässt.
Ein technisches Detail taucht in der Diskussion auf: das Subsidio für über 52-Jährige. Die Warnung: Arbeitslose, die es in Anspruch nehmen, zahlen „mit der höchsten Bemessungsgrundlage ihres Lebens“ ein, was die künftige Rente aufbläht und damit die Verpflichtung des Systems. Niemand bestreitet das Recht. Gestritten wird über die Rechnung.
Ist das spanische BIP aufgebläht?
Hier wird die Diskussion unbequem. Ein Teil der Analyse behauptet, das BIP sei in den letzten Jahren nach oben kalibriert worden, wodurch alle Verschuldungsquoten günstiger wurden. Der Verdacht, ohne Belege geäußert, richtet sich gegen den Rücktritt des INE-Präsidenten und die spätere Überarbeitung der Zeitreihen. Es ist ein unbewiesener Vorwurf und sollte auch so gelesen werden.
Diskutabel ist der Inhalt des Wachstums. Ein weiteres wiederkehrendes Argument: Würde man die Tätigkeiten aus dem BIP herausrechnen, die weder Steuern zahlen noch erfasst werden, würde der Nenner sinken und die relative Verschuldung steigen. Die Schattenwirtschaft bläht den Kuchen auf, zahlt aber die Hypothek nicht ab.
Von PIGS zu FIGS: der europäische Vergleich
Während der letzten Krise bezeichnete das Akronym PIGS Portugal, Italien, Griechenland und Spanien. Jetzt fügt mancher einen Buchstaben hinzu und stellt Frankreich in den Club. Der Trost ist von minderer Qualität: Wenn der große Nachbar auch auftaucht, ist die Gruppe keine iberische Anomalie mehr.
Es gibt eine noch skeptischere Position. Es wird argumentiert, dass Finnland und Österreich in derselben Tabelle stehen, ohne die Probleme Spaniens, Portugals, Griechenlands oder Italiens zu haben, sodass die Verschuldungszahl allein nichts erklärt. Vielleicht ist sie sogar die Aussagekräftigste.
Gibt es eine Alternative zum Umlagesystem?
Private Kapitaldeckungspläne kehren in die Diskussion zurück. Das vorgebrachte Argument: Jede Anlagedauer von mehr als 15 Jahren weist in breiten Indizes eine positive Rendite auf, und die Auszahlung als Rente vermeidet den Schlag, mitten im Absturz verkaufen zu müssen. Das Gegenbeispiel ist Chile mit seiner Erfahrung, dazu die Krise von 2008, als viele Sparer, die auf ihre Fonds zurückgriffen, Verluste oder Renditen unter den Erwartungen erlebten.
Auf dem Tisch liegen auch andere Finanzierungsquellen: Maut auf Schnellstraßen, höhere Steuern auf Kraftstoffe, die nicht von professionellem Transport und Landwirtschaft genutzt werden. Wer es vorschlägt, räumt ein, dass es mit Bußgeldern und Kfz-Steuer allein „nicht einmal für Asphalt“ reicht.
Der digitale Euro, auf 2029 verschoben
Spät kommt ein weiteres Thema in die Diskussion: Die Einführung des digitalen Euro ist laut den im Austausch zitierten Quellen auf mindestens 2029 verschoben worden, wegen der legislativen Komplexität und der Spannungen zwischen europäischen Institutionen, Regierungen und Banken. Privatsphäre und finanzielle Kontrolle, die beiden alten Geister.
Den Schluss setzt eine Zahl, die in der Diskussion als Frage geworfen wird. Öffentliche Beschäftigte sind drei Millionen; davon sind 1,6 Millionen Beamte, so die im Thread genannte Zahl. Eine Gruppe, die vom Staat bezahlt wird, vom Tag der Einstellung bis zur Rente, während die meisten Rentner es nicht schaffen, zwanzig Jahre lang Rente zu beziehen, so das vorgebrachte Argument.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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